Also, ich war ja am Wochenende mit Celia in Berlin und wollte doch mal ein wenig berichten…
Um Freitag frei machen zu können, musste ich mal wieder um 5.00 Uhr aufstehen um zumindest das Nötigste zu erledigen. Um knapp 10.00 Uhr sammelte uns dann unser Chauffeur (danke noch mal, Dubinski
) vor unseren Haus- bzw. Bürotüren auf und übergab uns am Hauptbahnhof vertrauensvoll in die Hände der Deutschen Bahn.
Nicht lange nach Abfahrt wurde die erste Flasche Prosecco geöffnet. Zudem haben wir uns intensivst mit meinem kleinen bayrischen Freund beschäftigt und so verging die Fahrzeit bis Berlin wie im Flug.
Das Hotel Relexa in der Anhalter Straße war die große Überraschung – angesichts des Preises hatte ich wenig über Jugendherbergsstatus erwartet, aber der Schuppen entpuppte sich als gefühlter 5-Sterne-Palast. Sehr zu empfehlen. Um 18.00 wurden wir von Berliner Freunden aufgesammelt und zogen los. Eine Pizza Modell „Wagenrad“, viel Bier und eine lustige Taxifahrt später landeten wir in der Bar Felix, auf der Rückseite des Hotel Adlon.
Auf den ersten Blick ein wirklich sehr schicker, stylischer und cooler Laden. Die Hostess ließ uns an der Bar Platz nehmen, da wir keinen der zahlreichen Tische reserviert hatten. Das Ambiente ließ auf Promi-Spotting hoffen. Nachdem wir etwa eine Stunde gesessen hatten, gelüstete alle Mann nach einer Zigarette und das heißt heutzutage natürlich auch in Berlin: Wieder anplünnen und raus… Auf dem Weg zurück wunderten wir uns schon über das Einlassritual, das wir plötzlich durchlaufen mussten.
Und bevor wir es richtig bemerkten, war dieser anfangs schicke, stylische Laden mit hunderten von Minderjährigen bevölkert. Es ist unserer Reisegruppe „zwischen 30 und 40″ zu verdanken, dass der Altersdurchschnitt bei ü18 lag. Wir stellten nach einiger Zeit das eigene Gespräch ein und sahen uns nur noch höchst amüsiert dieses Schaulaufen an. Nicht nur das aufgeregte, prätentiöse Geschnatter von jungen Menschen, die augenscheinlich größtenteils das erste Mal einen großen Club betreten durften, nein, vor allem die Outfits gaben Anlass zu großer Belustigung. Ich resümierte, die sähen alle nach Kik – der Textildiskont aus (so dachten wir – wir wurden am nächsten Tag eines Besseren belehrt… aber dazu später mehr). Also wirklich – stellt euch vor, es ist 1984 und die Cousine aus der DDR ist zu Besuch: Überdimensionierter Goldschmuck, schrilles Make-up, Polyester-Tops oder -Pullis mit un-mög-lichen Mustern, zu enge Hosen und zu kurze Röcke über zu kleinen oder zu großen Hintern und diese unbeschreiblichen Knautschkunstlederstiefel. In braun oder – noch besser – weiß. Auch gern gesehen: Schwarze Strümpfe in weißen Pumps.
Buääääh. Ehrlich. Ich bin froh dass ich heutzutage nicht 20 sein muss.
Nun ja, amüsant war es allemal…zum Glück nahmen wir unseren Absacker (Kölsch!) in der Ständigen Vertretung, deren entspannte und urige Atmosphäre mir sehr viel mehr liegt.
Der nächste Tag wurde einer gesunden Mischung aus Shopping und Kultur gewidmet. Irgendwo auf dem Weg zwischen Friedrichstraße und Museumsinsel kamen wir an einem Telekom-Gebäude mit einer großen Menschentraube davor längs. Mein neugieriger Blick ins Innere bot mir den Blick auf das bienenstockartige Gewusel des Barcamp Berlin. Ich hab ganz kurz überlegt, ob wir als Blogger uns nicht aus Prinzip dazu gesellen müssten. Aber nee, ehrlich, die Sonne schien, die Stimmung war super und die Stadt lud zur Entdeckungsreise, da sollte das Leben draußen ganz klar vor dem virtuellen den Vorzug kriegen.
Wenn man auf der Friedrichstraße unterwegs ist, kann man natürlich als Frau – selbst, wenn man wie ich keine ausgiebige Shopperin ist – einem Besuch in der Galerie Lafayette nicht widerstehen. In der Kosmetikabteilung bin ich gerade noch einer Krakenfrau entkommen, die mir einen verschönernden Vitamindrink für 6 Euro die 200ml-Flasche aufschwatzen wollte. Wir dann hoch in den 2. Stock, Damenmoden – und was sehen unsere blutenden Augen? Schrille, schlimme kik-Mode, hier allerdings von Gaultier, D & G und Co…wirklich, so was trauriges hab ich selten in meinem Leben gesehen. Blusen, die aussehen wie aus dem Rotkreuz-Shop und 500 Euro kosten.
Und zum zweiten Mal an diesem Wochenende war ich heilfroh, kein Fashion Victim zu sein. Alle Mädchen und Frauen, die diese Trends mitmachen werden sich in 10 Jahren Fotos von sich selbst ankucken und nicht wissen, ob sie weinen oder lachen sollen. Tja.
Die coolste Entdeckung des Shopping-Abschnitts war ein Laden UNTER der Galerie Lafayette mit allerlei Designmöbeln und -gadgets zu erschwinglichen Preisen. Ich steh ja auf diese Halbschalen-Space-Ei-Sessel, aber dafür war meine Tasche nicht groß genug.
Nach dem Museumsbesuch machten wir uns auf in die „alte“ Stadt, also Richtung Ku’damm, für mehr Shopping… beim Kaffeetrinken vor der Gedächtniskirche hab ich noch meine Ma angerufen, dann haben wir uns ins KaDeWe zum Sushi-Essen aufgemacht. Mein Handy hab ich das nächste Mal im Bus zur Lichterfahrt gecheckt. Nun gut, checken wollen, es war nämlich nicht mehr da. Irgendwo zwischen Gedächtniskirche, KaDeWe und Tauentzienstraße freute sich mittlerweile ein Finder darüber, denn auf Anruf sprang sofort die Mailbox an.
Ich hab ja einen leichten Hang zur Paddeligkeit, der sich normalerweise aber nicht auf wirklich wichtige Dinge wie Handy, Brieftasche etc. ausdehnt. Ich kann daher nicht beschwören, ob ich’s wirklich verloren habe oder ob es nicht doch jemand aus meiner Hosentasche gezockt hat. Ist aber eigentlich auch unerheblich. Das Handy war nicht wertvoll und ist somit egal. Auch die meisten Kontakte lassen sich mit etwas Mühe rekonstruieren. Leider nicht die diverser B-List und (für mich) A-List-Promis, die ich aus meiner Rock’n'Roll-Zeit noch im Speicher hatte (nicht, dass ich diese Leute je angerufen hätte, nur zum gelegentlichen Angeben halt). Auch nicht die der zwei Typen, die ich immer noch mal….*hüstel*….bei Gelegenheit angerufen habe. Aber gut, die werden denken ich hätte geheiratet oder so was. Und ich will ja auch nicht ausschließen, dass ich irgendwann mal wieder neue Männer kennen lerne.
Aber was echt wehtut, sind die Fotos und Nachrichten – insbesondere Fotos von meinem Vater und Nachrichten, die mir meine lieben Freunde um die Zeit seines Todes herum geschickt haben. Die hatte ich nämlich alle aufbewahrt. Und es macht mich traurig und wütend, wenn ich mir vorstelle, dass irgendein Arschloch diese für mich wertvolle Karte in den nächstbesten Mülleimer geworfen hat.
Aber es hilft nix…. zum Glück war der gute Geist at home (danke mal wieder, Dubinski
) dabei behilflich, in einer panischen Notrettungsaktion die Karte wenigstens sperren zu lassen. Ich habe also, außer dem ideellen Verlust, kaum einen gemacht. Ist nur ärgerlich.
Trotzdem hab ich mir die Freude an dem Wochenende nicht trüben lassen, denn die schönen Erlebnisse haben allemal überwogen. Die „Lichterfahrt“ im Rahmen des großspurig angekündigten Festival of Lights entpuppte sich einfach als nächtliche Stadtrundfahrt. Drei, vier Gebäude waren extrabunt beleuchtet. Die prägendsten Erkenntnisse aus der Fahrt waren die, dass Berliner allen Gebäuden zwanghaft lustige Spitznamen geben müssen und scheisse englisch sprechen. Als Konsequenz haben Celia und ich den Rest des Abends nur noch denglisch miteinander gesprochen und erlitten beinahe beide einen Milzriss vor Lachen.
Am nächsten Tag haben wir wieder mit den Freunden vom ersten Abend gefrühstückt, aber wie, sag ich euch: Im Tomaso in der Motzstraße, ab jetzt für mich fester Anziehungspunkt, wenn ich in Berlin bin. Das Studium der Frühstückskarte dauerte pro Person so eine halbe Stunde, bis man sich mit sich selbst und seinem Magen geeinigt hatte, wie viel von diesen tausend leckeren Speisen man wohl vertragen würde. Meine Wahl fiel auf einen überbackenen Guacamole-Bagel und Himbeer-Mascarpone- Crepes. Das war mehr als genug, aber vom Appetit her hätte ich mich den ganzen Tag die Karte rauf und runter fressen können. Ganz großes Kino.
Die Rückfahrt verbrachten wir zum größten Teil schweigend, nicht, weil die Stimmung schlecht gewesen wäre, sondern weil wir beide doch recht fertig waren…ich schleppte ja zudem noch ein ziemlich großes Schlafdefizit aus der letzten Woche mit mir rum, dass ich aber aus irgendeinem Grund nicht aufgeholt kriege. Entweder darf ich nicht schlafen, oder ich kann nicht. Tst.
Hab ich eigentlich schon erzählt, dass ich mal ein paar Monate in Berlin gewohnt habe? Nein?
Mach ich mal….demnächst. Is ne schräge Geschichte.
Verfasst von aristokitten
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