Det hättse jetz nich jeglobt, hättset nich jesehn

Oktober 20, 2008

Also, ich war ja am Wochenende mit Celia in Berlin und wollte doch mal ein wenig berichten…

Um Freitag frei machen zu können, musste ich mal wieder um 5.00 Uhr aufstehen um zumindest das Nötigste zu erledigen. Um knapp 10.00 Uhr sammelte uns dann unser Chauffeur (danke noch mal, Dubinski ;-) ) vor unseren Haus- bzw. Bürotüren auf und übergab uns am Hauptbahnhof vertrauensvoll in die Hände der Deutschen Bahn.

Nicht lange nach Abfahrt wurde die erste Flasche Prosecco geöffnet. Zudem haben wir uns intensivst mit meinem kleinen bayrischen Freund beschäftigt und so verging die Fahrzeit bis Berlin wie im Flug.

Das Hotel Relexa in der Anhalter Straße war die große Überraschung – angesichts des Preises hatte ich wenig über Jugendherbergsstatus erwartet, aber der Schuppen entpuppte sich als gefühlter 5-Sterne-Palast. Sehr zu empfehlen. Um 18.00 wurden wir von Berliner Freunden aufgesammelt und zogen los. Eine Pizza Modell „Wagenrad“, viel Bier und eine lustige Taxifahrt später landeten wir in der Bar Felix, auf der Rückseite des Hotel Adlon.

Auf den ersten Blick ein wirklich sehr schicker, stylischer und cooler Laden. Die Hostess ließ uns an der Bar Platz nehmen, da wir keinen der zahlreichen Tische reserviert hatten. Das Ambiente ließ auf Promi-Spotting hoffen. Nachdem wir etwa eine Stunde gesessen hatten, gelüstete alle Mann nach einer Zigarette und das heißt heutzutage natürlich auch in Berlin: Wieder anplünnen und raus… Auf dem Weg zurück wunderten wir uns schon über das Einlassritual, das wir plötzlich durchlaufen mussten.

Und bevor wir es richtig bemerkten, war dieser anfangs schicke, stylische Laden mit hunderten von Minderjährigen bevölkert. Es ist unserer Reisegruppe „zwischen 30 und 40″ zu verdanken, dass der Altersdurchschnitt bei ü18 lag. Wir stellten nach einiger Zeit das eigene Gespräch ein und sahen uns nur noch höchst amüsiert dieses Schaulaufen an. Nicht nur das aufgeregte, prätentiöse Geschnatter von jungen Menschen, die augenscheinlich größtenteils das erste Mal einen großen Club betreten durften, nein, vor allem die Outfits gaben Anlass zu großer Belustigung. Ich resümierte, die sähen alle nach Kik – der Textildiskont aus (so dachten wir – wir wurden am nächsten Tag eines Besseren belehrt… aber dazu später mehr). Also wirklich – stellt euch vor, es ist 1984 und die Cousine aus der DDR ist zu Besuch: Überdimensionierter Goldschmuck, schrilles Make-up, Polyester-Tops oder -Pullis mit un-mög-lichen Mustern, zu enge Hosen und zu kurze Röcke über zu kleinen oder zu großen Hintern und diese unbeschreiblichen Knautschkunstlederstiefel. In braun oder – noch besser – weiß. Auch gern gesehen: Schwarze Strümpfe in weißen Pumps.

Buääääh. Ehrlich. Ich bin froh dass ich heutzutage nicht 20 sein muss.

Nun ja, amüsant war es allemal…zum Glück nahmen wir unseren Absacker (Kölsch!) in der Ständigen Vertretung, deren entspannte und urige Atmosphäre mir sehr viel mehr liegt.

Der nächste Tag wurde einer gesunden Mischung aus Shopping und Kultur gewidmet. Irgendwo auf dem Weg zwischen Friedrichstraße und Museumsinsel kamen wir an einem Telekom-Gebäude mit einer großen Menschentraube davor längs. Mein neugieriger Blick ins Innere bot mir den Blick auf das bienenstockartige Gewusel des Barcamp Berlin. Ich hab ganz kurz überlegt, ob wir als Blogger uns nicht aus Prinzip dazu gesellen müssten. Aber nee, ehrlich, die Sonne schien, die Stimmung war super und die Stadt lud zur Entdeckungsreise, da sollte das Leben draußen ganz klar vor dem virtuellen den Vorzug kriegen.

Wenn man auf der Friedrichstraße unterwegs ist, kann man natürlich als Frau – selbst, wenn man wie ich keine ausgiebige Shopperin ist – einem Besuch in der Galerie Lafayette nicht widerstehen. In der Kosmetikabteilung bin ich gerade noch einer Krakenfrau entkommen, die mir einen verschönernden Vitamindrink für 6 Euro die 200ml-Flasche aufschwatzen wollte. Wir dann hoch in den 2. Stock, Damenmoden – und was sehen unsere blutenden Augen? Schrille, schlimme kik-Mode, hier allerdings von Gaultier, D & G und Co…wirklich, so was trauriges hab ich selten in meinem Leben gesehen. Blusen, die aussehen wie aus dem Rotkreuz-Shop und 500 Euro kosten.

Und zum zweiten Mal an diesem Wochenende war ich heilfroh, kein Fashion Victim zu sein. Alle Mädchen und Frauen, die diese Trends mitmachen werden sich in 10 Jahren Fotos von sich selbst ankucken und nicht wissen, ob sie weinen oder lachen sollen. Tja.

Die coolste Entdeckung des Shopping-Abschnitts war ein Laden UNTER der Galerie Lafayette mit allerlei Designmöbeln und -gadgets zu erschwinglichen Preisen. Ich steh ja auf diese Halbschalen-Space-Ei-Sessel, aber dafür war meine Tasche nicht groß genug.

Nach dem Museumsbesuch machten wir uns auf in die „alte“ Stadt, also Richtung Ku’damm, für mehr Shopping… beim Kaffeetrinken vor der Gedächtniskirche hab ich noch meine Ma angerufen, dann haben wir uns ins KaDeWe zum Sushi-Essen aufgemacht. Mein Handy hab ich das nächste Mal im Bus zur Lichterfahrt gecheckt. Nun gut, checken wollen, es war nämlich nicht mehr da. Irgendwo zwischen Gedächtniskirche, KaDeWe und Tauentzienstraße freute sich mittlerweile ein Finder darüber, denn auf Anruf sprang sofort die Mailbox an.

Ich hab ja einen leichten Hang zur Paddeligkeit, der sich normalerweise aber nicht auf wirklich wichtige Dinge wie Handy, Brieftasche etc. ausdehnt. Ich kann daher nicht beschwören, ob ich’s wirklich verloren habe oder ob es nicht doch jemand aus meiner Hosentasche gezockt hat. Ist aber eigentlich auch unerheblich. Das Handy war nicht wertvoll und ist somit egal. Auch die meisten Kontakte lassen sich mit etwas Mühe rekonstruieren. Leider nicht die diverser B-List und (für mich) A-List-Promis, die ich aus meiner Rock’n'Roll-Zeit noch im Speicher hatte (nicht, dass ich diese Leute je angerufen hätte, nur zum gelegentlichen Angeben halt). Auch nicht die der zwei Typen, die ich immer noch mal….*hüstel*….bei Gelegenheit angerufen habe. Aber gut, die werden denken ich hätte geheiratet oder so was. Und ich will ja auch nicht ausschließen, dass ich irgendwann mal wieder neue Männer kennen lerne.

Aber was echt wehtut, sind die Fotos und Nachrichten – insbesondere Fotos von meinem Vater und Nachrichten, die mir meine lieben Freunde um die Zeit seines Todes herum geschickt haben. Die hatte ich nämlich alle aufbewahrt. Und es macht mich traurig und wütend, wenn ich mir vorstelle, dass irgendein Arschloch diese für mich wertvolle Karte in den nächstbesten Mülleimer geworfen hat.

Aber es hilft nix…. zum Glück war der gute Geist at home (danke mal wieder, Dubinski ;-) ) dabei behilflich, in einer panischen Notrettungsaktion die Karte wenigstens sperren zu lassen. Ich habe also, außer dem ideellen Verlust, kaum einen gemacht. Ist nur ärgerlich.

Trotzdem hab ich mir die Freude an dem Wochenende nicht trüben lassen, denn die schönen Erlebnisse haben allemal überwogen. Die „Lichterfahrt“ im Rahmen des großspurig angekündigten Festival of Lights entpuppte sich einfach als nächtliche Stadtrundfahrt. Drei, vier Gebäude waren extrabunt beleuchtet. Die prägendsten Erkenntnisse aus der Fahrt waren die, dass Berliner allen Gebäuden zwanghaft lustige Spitznamen geben müssen und scheisse englisch sprechen. Als Konsequenz haben Celia und ich den Rest des Abends nur noch denglisch miteinander gesprochen und erlitten beinahe beide einen Milzriss vor Lachen.

Am nächsten Tag haben wir wieder mit den Freunden vom ersten Abend gefrühstückt, aber wie, sag ich euch: Im Tomaso in der Motzstraße, ab jetzt für mich fester Anziehungspunkt, wenn ich in Berlin bin. Das Studium der Frühstückskarte dauerte pro Person so eine halbe Stunde, bis man sich mit sich selbst und seinem Magen geeinigt hatte, wie viel von diesen tausend leckeren Speisen man wohl vertragen würde. Meine Wahl fiel auf einen überbackenen Guacamole-Bagel und Himbeer-Mascarpone- Crepes. Das war mehr als genug, aber vom Appetit her hätte ich mich den ganzen Tag die Karte rauf und runter fressen können. Ganz großes Kino.

Die Rückfahrt verbrachten wir zum größten Teil schweigend, nicht, weil die Stimmung schlecht gewesen wäre, sondern weil wir beide doch recht fertig waren…ich schleppte ja zudem noch ein ziemlich großes Schlafdefizit aus der letzten Woche mit mir rum, dass ich aber aus irgendeinem Grund nicht aufgeholt kriege. Entweder darf ich nicht schlafen, oder ich kann nicht. Tst.

Hab ich eigentlich schon erzählt, dass ich mal ein paar Monate in Berlin gewohnt habe? Nein?

Mach ich mal….demnächst. Is ne schräge Geschichte.


Happy-End in Dingolfing

Oktober 17, 2008

Ja, da muss man erst in die bayrische Provinz fahren um zu kriegen, was man in Kiel einen halben Tag vergeblich gesucht hat…. aber der Reihe nach.

Gestern hatte ich nun also nen ganztägigen Termin in München. Für meinen einzigen Nicht-Gesundheitskunden muss ich ab und zu mal Außendienst in der Republik machen, in der Regel in der süddeutschen Provinz. Die Freude darüber, mal aus dem Büro rauszukommen währt in der Regel nicht mehr als ein paar Stunden, nämlich, bis der erste Müdigkeitsflash einsetzt.

Der Tag wurde mir etwas durch die Tatsache versüßt, dass die Mietwagenfirma mir eine C-Klasse mit Automatik unter den Hintern klemmte, die ich dann auch im Dauer-Kickdown über die A92 Richtung Dingolfing jagte. Mein nächstes Auto wird auch n Automatik, so viel steht mal fest. Bin ich ja nicht zum ersten Mal gefahren, aber bei so ner Schleuder, die auch sonst alles von allein macht, bringt es richtig Laune. Man braucht nur noch den halben Körpereinsatz und kann endlich mal in Ruhe telefonieren.

Aber Dingolfing, where the hell is Dingolfing? fragt jetzt jeder Norddeutsche. Na, da wo der Navi sagt, dass es ist. Irgendwo in der Nähe von München. Der Ort besteht hauptsächlich aus BMW-Werkshallen, was schon lustig ist in einem Ort, in dessen Namen das Wort „Golf“ drin vorkommt. Ausm Augenwinkel sah ich aber beim Einfahren noch einen Technikmarkt mit verführerischer magentafarbener Werbung. Ein Blick auf die Uhr bestätigte mir, dass ich eine Stunde zu verbummeln hatte. Also, warum nicht?

Ich also rein, süffisantes Lächeln aufgesetzt und nicht viel erwartet. Was können die hier schon groß haben, was in Kiel überall ausverkauft is? Aber nix da: „Joa freili hammer des Angebot. Woalns enna glei mitnehma?“

Mizzie so, total verdattert: „Äh ja…klar…. Sie ham das WIRKLICH?? Ham Sie auch sicher verstanden, was ich will?“

Na ich kürz es etwas ab, so spannend war der Dialog nu auch nicht…. ich hab gleich vor Ort bei der äußerst freundlichen, herzlichen und zuvorkommenden Magentatante, von der sich die norddeutschen Kollegen eine große Scheibe abschneiden können, den Deal unterschrieben und bin mit einem großen Grinsen und einem gaaaaanz kleinen blauen Netbook da raus.

Ja gut, blau..hätt ich mir jetzt nicht so ausgesucht. Ich fand das braune oder anthrazitfarbene schick. Aber andererseits hab ich’s ja in Bayern gekauft.

Und ich habe vor, meinen kleinen bayrischen Freund zu meinem unveränderlichen Kennzeichen zu machen. Ich werde euch dieser Tage mal ein Foto von uns beiden kredenzen, damit ihr uns dann auch erkennt, wenn ihr uns seht.

Und wenn ihr diesen Eintrag lesen könnt, heißt das, dass auch UMTS voll gut funktioniert. Ich bin nämlich in Bärlin für ein Wochenende Tassen hoch mit Celia. Und natürlich gepflegten Kultur- und Architekturgenuß, is klar, wir sind ja keine Steinzeitmenschen.

Oder doch? Das erfahrt ihr nach dem Wochenende.


Mizzies große Norwegen-Trilogie – Teil 3

September 14, 2008

Ja, Freunde…mit schwerem Gemüt, aber viel Herzblut hab ich auch noch den 3. Teil unserer wunderbaren Reise in ein halbwegs kuckbares Format gebracht. Ich weiß, ich hab versprochen, dass er kürzer wird. Aber es gab halt einfach mal noch mehr wunderschöne Bilder und skurrile Dialoge festzuhalten als in den anderen beiden Teilen. Und so bin ich diesmal bei 1 Stunde 5 Minuten gelandet. Aber dies ist nicht nur mein Lieblingsteil des Films, sondern war auch mein liebster Abschnitt der Reise, weil er genau so war, wie ich mir das ideale Reisen vorstelle: Viel sehen, viel erleben, viel lachen, viel lernen und auch die wohl verdiente Ruhe kam nicht zu kurz. Rückblickend werden diese paar Tage den größten Eindruck bei mir hinterlassen.

Diesen Teil sollte sich unbedingt anschauen, wer noch mal was über Norwegen lernen und verstehen will, denn es gibt noch mal ein paar ganz andere Facetten zu entdecken. Ich hab mir größte Mühe gegeben, etwas von der Magie und Majestät (Majestetik? Majestetismus?) dieses tollen Landes einzufangen.

Aber vielleicht habt ihr auch einfach nur Gefallen an Elsbe’s und meinen Lustigkeiten gefunden. Davon gibt’s nämlich hier auch wieder jede Menge. Außerdem verwandeln wir uns live vor der Kamera in echte Campingtypen.

Ich hoffe, meine Fortschritte in Sachen Filmschnitttechnik von Teil 1 zu Teil 3 ringen Euch ein anerkennendes Mundwinkelrunterziehen ab. Aber nach vielen, vielen Stunden rumschnippeln, rendern und hochladen hatte ich keinen Nerv mehr auf Anmoderation oder Tracklist, deshalb hier manuell:

Die Strandszene wurde mit

Thomas Dybdahl – A love story

unterlegt, die Fahrt nach Jorpeland mit

a-ha - Stay on these roads

und der rückblickende Abspann mit

Coldplay – Viva la vida.

Also, viel Spaß bei Teil 3, auch diesmal wieder mit Katzen-, Hunde- und Bikini-Content, außerdem zusätzlich auch mit sensationellem Reiher- und Ziegen-Content:

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So…nun weiß ich ja, dass es Leute gibt, die einfach nicht die Zeit haben, keinen fitten Rechner, oder schlichtweg keinen Bock auf stundenlange Urlaubsvideos anderer Leute. Für diese hab ich den Abspann mit nur ein paar sentimentalen Impressionen zu schmissiger Musik einfach mal extrahiert – also, here it goes:

Mizzie goes Norge für Eilige

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Und bevor ich das Kapitel Norwegenurlaub 2008 endgültig schließe, will ich doch nicht versäumen, mich bei meinen Mitreisenden zu bedanken: Bei Corinna für ihre originellen Ideen und ihr Organisationstalent, bei Erich für seine Geduld und Begeisterungsfähigkeit, und vor allem bei Elsbe, mit der jede Reise zu einem Feuerwerk der guten Laune wird und die mich mit ihrer Leidenschaft für Norwegen angesteckt und bereichert hat.

Da fahrn’ wir wieder hin.


Mizzie’s große Norwegen Trilogie – Teil 2

September 9, 2008

Heute wird’s wild… Rock’n'Roll in Stavanger – ich hab versucht, nur die besten Momente aus dem Material rauszufiltern und ich hoffe, es ist mir halbwegs gelungen. Nee, war das lustig. One night in a million.

Ihr könnt hier ein paar Minuten die Welt durch die Augen eines heillos Betrunkenen sehen… viel Spaß! =)

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In den nächsten Tagen gibt es dann den 3. Teil mit dem etwas besinnlicheren Abschnitt der Reise, der allerdings den ganzen Norwegentrip zu etwas echt Besonderem gemacht hat.


Mizzie’s große Norwegen-Trilogie – Teil 1

September 8, 2008

Ich habe euch ja einen monumentalen Urlaubsfilm versprochen. Aber ich wette, damit habt ihr nicht gerechnet.

Heute kredenze ich euch Teil 1 von 3 mit ca. 50 min Länge. Und es war schwer genug, das ganze schöne und lustige Material auf so ein Format runterzukürzen. Ich hoffe, es ist mir gelungen, ein wenig was von der Magie des Landes und vom Gefühl dieser Reise einzufangen.

Here it goes, Teil 1: Mit Katzen-, Schaf- UND Bikini-/Wet-TShirt-Content……. viel Spaß!

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Ich seh ja an den Zugriffszahlen, dass ihr schon wieder fleissig vorbei kommt – aber ihr könnt auch ruhig mal wieder was KOMMENTIEREN – denn dies ist ein Blog, interaktiv und so, ihr wisst schon…

Insofern bitte ich um Feedback, nicht unbedingt zu den Themen Schnitt- und Kameratechnik, denn die sind noch im Werden, aber zumindest zur Szenenauswahl. Hab ich halbwegs Gespür dafür, was auch für Andere interessant ist oder seid ihr nach 6 Minuten schon vor Langeweile vom Stuhl gekippt??

Im zweiten Teil (folgt schon morgen) erlebt ihr Rock’n'Roll in Stavanger und erfahrt das norwegische Rezept für gute Laune.

P.S. Fotos habe ich nur sehr sparsam gemacht, die lade ich die Tage mal hoch – aber ansonsten werde ich mich, was dieses Theme angeht, nicht unnötig reinhängen weil bei meiner Mitreisenden Elsbe alles in wunderschönen Galerien bebildert ist. Geht mal kucken.


Wenn hinter Bergen Berge bergen…

September 4, 2008

Da es mit dem Film noch etwas dauern wird, ich mich aber endlich mal offiziell zurückmelden will, hier ein erstes Kurzresümee vom Urlaub….

Norwegen war 10 Tage eine andere Welt. Ich merke, dass ich Schwierigkeiten habe, in mein normales Leben zurück zu kommen und mir krampfhaft überlege, wie ich etwas von dem Norwegen-Gefühl in mein kleines Hamsterrad rüberretten kann. Weiß nicht, ob mir das gelingen wird.

Naturerlebnisse haben auf mich so die Wirkung, dass alles andere plötzlich unwichtig wird. Ich kenn das vom Segeln. Man lässt alles, mit dem man sich so tagtäglich rumschlägt zurück an Land und ist quasi auf die wesentlichen Dinge des Lebens reduziert. Und ich meine damit jetzt nicht „Liebe ist der Schlüssel“ oder irgendso einen floskeligen Blödsinn. Die Wahrheit ist ja noch viel einfacher.

Da kommen wir her, da gehen wir hin – und alles dazwischen ist eigentlich scheissegal. Oder hat zumindest immer nur die Wichtigkeit, die wir ihm verleihen.

Daran sollte man sich öfter mal erinnern…man kann sich für sein Hamsterrad entscheiden, aber man sollte immer mal die Augen links und rechts haben und jederzeit bereit sein, abzuspringen. Dann geht’s.

Also: Internetwahn, Frisurentrends, Klamottenlabels, Altersvorsorge, BMI, Blogstatistik, alles schön und gut.. aber am Ende des Tages fragt keiner danach. Jedenfalls keiner, dessen Meinung wirklich wichtig sein sollte.

So, damit wäre der philosophische Teil abgehakt… jetzt erzähl ich einfach mal fröhlich drauflos, was so passiert ist.

Ja, vi elsker dette landet

In ein paar Monaten glaube ich es wahrscheinlich selbst nicht mehr, aber es gibt Fotos, die es beweisen – ich habe Campingurlaub gemacht! Ich habe in einem Zelt geschlafen, 10 Tage auf meinen Fön verzichtet, eine Dusche benutzt in der vor mir schon 20 andere gestanden hatten, in nicht-klimatisiertem Wasser gebadet und fast zwei Wochen Schuhe ohne Absätze getragen. Und es war großartig!

Nun gut, Isomatten sind nix für meinen Rücken. Aber da kann man ja nächstes Mal vorsorgen. Wenn ich wieder nach Norwegen fahre, und das werde ich ganz sicher, dann jedenfalls auch dann mit Zelt oder maximal Wohnmobil. Alles andere ist uncool. Oder nein, unangemessen für dieses wunderbare Land. Norwegen muss man mit allen Sinnen spüren und nicht nur vom Hotelfenster aus sehen.

Ich habe trotz Temperaturen weit unter 20 Grad zweimal gebadet, einmal in einem See, einmal in der Nordsee. Ich habe am Strand gelegen, bin auf einen Berg geklettert, habe in Wanderschuhen getanzt, ganz viel Lachs gegessen, stundenlang wortlos auf Fjorde gestarrt und vor allem viel, viel gelacht. Meine Rock’n'Roll-Homies Corinna und Elsbe waren genau die richtigen Begleiter für diese surreale Reise.

Surreal nur deshalb, weil es einfach so ein Gegensatz zu meiner üblichen Realität war. Was die Frage einfordert – was ist denn nun real? Das oder dies?

Aber ich wollte ja nicht mehr philosophieren…

Ich war ja schon immer großer Skandinavien-Fan. Aber Norwegen ist auch noch mal ein anderes Kaliber als Schweden oder Dänemark. Norwegen ist rauh und urwüchsig, ohne dass es bedroht oder einschüchtert. Respekt einflösst vielleicht, ja. Aber wenn man sich drauf einlässt, wird man irgendwie ein Teil davon.

Daher dieses „da komm ich her, da geh ich hin“-Gefühl… aber ich wollt ja nicht mehr…

Hach das ist aber auch schwer. Es ist nunmal so – ich komme von einer Reise zurück, die so ungefähr das andere Ende des Spektrums war von meinem Strandurlaub auf Fuerte letztes Jahr. Das war auch schooon ok, will auch nicht behaupten, dass ich so was nie wieder mache. Aber davon hab ich nicht mehr mitgenommen als das Bild von mir selbst in der Waagerechten mit einem Buch vor der Nase am Strand. 2 Wochen lang. Und hatte mit „Reisen“, also mit dem was reisen sein und tun soll, nix zu tun. Die Reise nach Norwegen hingegen hat so viele Türen geöffnet, und sei es nur für Momente, dass mir die Worte fehlen, es zu beschreiben.

Eine Aufzählung der Ereignisse kann also ohnehin nicht vermitteln, was da bei mir passiert ist. Unterm Strich kann ich nur sagen: Ich fühl mich…irgendwie…. gereinigt. Und total geflasht!

Und wenn ihr das auch erleben wollt, dann fahrt nach Norwegen und lasst euch voll drauf ein. Klinkt euch mal ein paar Tage aus vom Gesellschaftsproduktivitätswahnsinn, vergesst mal das Internet, Karrierepläne und euer Ranking auf der Attraktivitätsskala und kuckt der Wahrheit ins Gesicht: Jeder von uns ist nur ein ganz kleiner Teil des großen Plans.

Und Slartibartfas hat diesen Preis für Norwegen zu Recht bekommen. Das Bier isn büsch teuer aber das könnt ihr euch ja mitbringen, der Zoll lässt sich denkbar einfach umfahren wenn ihr drüben ankommt.

In den nächsten Tagen folgen Bilder und Filme, nur Geduld….


Walk down memory lane

August 10, 2008

Ich habe den heutigen Abend damit zugebracht, von diversen Rechnern meine Bilder aus fast 10 Jahren Morrissey- und Boz-Tours zusammen zu tragen und hoch zu laden. Meine Güte, was für Erinnerungen! Wenn diese teils wirklich verrückten Reisen der einzige Zweck wären, zu dem Morrissey in mein Leben getreten ist – dann wär’s das wert gewesen!

Ich hab mir fest vorgenommen, ein paar der Geschichten (natürlich nur die, die erzählt werden können ;-) ) hier nach und nach vorzutragen… als Vorgeschmack und klitzekleinen Überblick könnt ihr euch aber schon mal die Bilder bei flickr ankucken.

Schöne, wilde Zeit.


Heimat-Musik

August 7, 2008

Es gibt Musik, die man erst so richtig versteht, wenn man an den Plätzen war, wo sie entstanden ist.

Als ich so 15 war, bekamen wir für ein paar Monate eine Austauschschülerin aus England in die Klasse. Nach kurzer Zeit schon munkelte man, ihr Vater sei „Rockstar“ gewesen, aber unter dramatischen Umständen früh verstorben. Jaja, is klar.

Wie sich aber dann rausstellte, stimmte das zu 100 %. Der Vater des Mädchens war nämlich John Bonham, seines Zeichens Schlagzeuger von Led Zeppelin, einer der zweifelsohne größten Rockbands aller Zeiten und Väter aller Rockstar-Klischees. Und er war tatsächlich 1980 einen klassischen Rock’n'Roll-Tod gestorben:  Zu viel Vodka, daraus resultierender Magenauswurf, falsch gelegen, Ende.

Die Musik von Zeppelin hab ich mir natürlich zu der Gelegenheit mal angehört… Elfen, Geister und Mythologie waren zwar schon damals voll mein Ding, aber gesungenerweise zu brachialen Drums und ätherischem Gitarrespiel vorgetragen dann doch nicht so.

Mein Auenland

Bis ich dann wenig später selbst das erste Mal nach England fuhr, genauer gesagt nach Shropshire, ein grünes, sehr ländliches County im Nordwesten, nahe Wales. Meine Gastfreundin und ich mussten morgens immer eine Dreiviertelstunde zur Schule gefahren werden und dröhnten stets jeder so mit unserem Walkman vor uns hin. Ich versuchte mich immer noch tapfer an Led Zeppelin, die ebenfalls in dieser Gegend ihre Wurzeln hatten.

Und an irgendeinem nebeligen Morgen, mit Blick auf die aufgehende Sonne zwischen sanften grünen Hügeln machte es dann Klick: Solche Musik muss man schreiben, wenn man hier aufgewachsen ist.

Und ich höre Shropshire immer noch aus dem donnernden Schlagzeug und der Mörsergranaten-Gitarre raus.

Viele Jahre später dann, 1998, zog ich für eine Weile zum Studieren nach England. Ich war zwischendurch schon viele Male da gewesen und mit der englischen Landschaft und Kultur schon recht vertraut. Aber zum feierlichen Anlass meiner temporären Einbürgerung dachte ich mir, ich müsste mir jetzt noch mal richtig englische Musik zulegen.

Damals gab es in Kiel noch einen CD-Verleih. Morrissey und The Smiths waren so Namen, die ganz hinten in meinem Großhirn als „typisch englische Musik“ abgespeichert waren, ohne dass ich auch nur einen einzigen Titel hätte nennen können. Aber ohne lang zu überlegen griff ich mir wahllos irgendeine Best of  und zog sie auf Tape (wisst ihr noch, Tapes? Magnetbänder in kleinen Plastikgehäusen??).

In Harwich fuhr ich dann mit einem bis oben hin mit Gelumpe voll gepackten Golf von der Fähre und legte das Tape ins – Achtung! – Tapedeck. Und was soll ich sagen…. der Rest ist Geschichte, irgendwie. Denn ein lauteres Klick als dieses hab ich weder vorher noch hinterher jemals wieder gehört.

Die Entdeckung von Morrissey war einer der ganz großen Aha-Momente in meinem Leben. Ich möchte mal behaupten, ohne meinen Umzug nach England wäre es nie dazu gekommen. Der Geist von Dear Old Blighty und der English Working Class fuhr mir in die Glieder und Morrissey war das Medium. Erst später begann ich die anderen Dimensionen dieser Musik zu begreifen. Die hatten dann auch mit England nichts mehr zu tun. Aber das ist eine andere Geschichte.

Welcome to the Hotel California

Ein paar Jahre später dann bin ich mal in Gesellschaft eines anderen Morrissey-Fans mit dem Auto von L.A. nach Vegas gefahren. 30 Grad draußen, kein Baum, kein Strauch, nur eine lange, lange schwarze Straße durch die Wüste und Unmengen von mit Einzelpersonen besetzte Autos. Im Tapedeck natürlich The Smiths. Aber das war irgendwie…..falsch. Das gehörte da nicht hin. Ich hab versucht ihm das zu erklären, aber ich glaube nicht, dass er es verstanden hat. Er kannte es ja nicht anders. Er hatte noch nie The Smiths gehört während er durch’s East End oder Black Country gefahren war.

Und wer meine These bezweifelt, dem möge es mal passieren dass gerade „Hotel California“ im Bordradio kommt, während er über Los Angeles in der Abendsonne kreist. Ich hab’s erlebt. Und der Song war nie wieder derselbe.