So denn, Obama is Präsident, jetzt kümmern wir uns wieder um die wichtigen Dinge. James Bond zum Beispiel.
Bevor ich zum gerade gesehenen Film mit dem unsäglichen deutschen Titel „Ein Quantum Trost“ komme, sei mir noch folgender kleiner Ausflug gestattet: Ich bin wirklich schon von Kindheit an großer Bond-Fan. Diese Filme gehörten zu den ersten, die ich seinerzeit mit meinem Vater und Brüdern kucken durfte und für Klein-Mizzie waren jene Abende immer spannende Ausflüge in die Erwachsenenwelt. Mein Lieblings-Bond, bis heute, ist natürlich Sean Connery.
Schon beim letzten, „Casino Royal“ war ich höchst begeistert ob der Tatsache, dass sich die Macher entschieden hatten, ein 30 Jahre lang wunderbar funktionierendes Konzept mal eben komplett über den Haufen zu werfen. Und ich meine damit nicht das Engagement eines blonden Schauspielers.
Schon die Bösen waren plötzlich komplett anders gestrickt… sie wohnten nicht mehr in Vulkanen oder unter Wasser, hatten keine Haustiere und wollten auch nicht die Welt beherrschen. Nein, wie widmeten sich ganz banalen Verbrechen wie Drogen- oder Waffenhandel und Geldwäscherei. Politik war plötzlich ein Thema. Also im Sinne von Revolutionären oder Diktatoren, die durch Drogen- und Waffenhandel oder Geldwäscherei finanziert wurden.
Und dann der neue Bond, durch einen kantigen Typ wie Daniel Craig wirklich perfekt besetzt. Frühere Bond-Darsteller waren mehr oder minder gelackte, unterkühlte Supermänner die auch aus dem heftigstem Kampf noch perfekt frisiert entkamen. Dieser Bond schwitzt, blutet, macht sich schmutzig und perfekt frisiert ist er nicht mal, wenn er auf ein Galadinner geht.
In dieser Geschichte wird es noch etwas auf die Spitze getrieben… Daniel Craig spielt einen Besessenen, ein gehetztes Tier, unwahrscheinlich grausam und dann plötzlich wieder weich und verletzlich. Die Kampfszenen sind wieder spektakulär, wenn auch für eine Kinoleinwand teilweise etwas schnell…
Nun zu diesem Film. Ja, da kann ich euch eigentlich kaum was zu sagen. Denn leider, leider zeichnet sich dieser Bond hauptsächlich durch die komplette Abwesenheit einer nachvollziehbaren Handlung aus. Das wenige was da ist, hab ich jetzt – eine halbe Stunde später – schon fast wieder vergessen, morgen wahrscheinlich komplett. Ja, Rache ist ein Thema, das habt ihr wahrscheinlich schon irgendwo mitbekommen. Irgendwo hab ich was von „menschlich vielschichtig“ gelesen, das ist allerdings eine extrem oberflächliche Betrachtung. Wut und Bockigkeit machen noch nicht menschlich vielschichtig, dann wären ja alle Männer… ach, lassen wir das. (Höhö, musste sein der Spruch, sorry).
Also, wenn ihr mich fragt, ob ihr den unbedingt sehen müsst, dann kann ich das nur mit einem klaren „jein“ beantworten. Wahrscheinlich ist er fürs Fernsehen besser geeignet. Aber wenn ihr große Ansprüche zu Hause lasst, dann gibt es für die Männer natürlich immer noch fantastische Kampfszenen zu sehen, und für die Mädels….ja, was soll ich sagen…Daniel Craig.
Bevor ich los bin, hab ich das hier getwittert – und dann hat er nur ein einziges Mal sein Hemd ausgezogen, der Schuft…Und nein, ich hab nicht wirklich gekreischt. Hätte ich aber können. Nicht nur bei dieser einen Szene, sondern eigentlich reicht es schon, wenn er einfach nur in seinem scharfen Anzug mit diesem Katzengang einen Hotelflur hinuntergeht. Daraus könnten sie für mich einen zweistündigen Film machen, mit gelegentlichen Close-Ups von seinen Scheinwerferaugen.
So gesehen, ein super Film.