Ich bin gefühlt so alt wie jetzt und laufe beschwingt durch die Straßen von London. Es ist Herbst, ein kalter, strahlender Tag mit kristallklarer Luft, die zu klirren scheint. Ich laufe an einer Telefonzelle vorbei und sehe aus dem Augenwinkel A. darin stehen und telefonieren. ‘Oh Gott nee, nicht DER!’ denk ich und will so tun, als hätte ich ihn nicht gesehen. Zu spät – er fängt an, fröhlich auf und ab zu springen und macht mir durch wildes Klopfen und Gestikulieren verständlich, dass ich unbedingt warten soll. Ich steh also mit hängenden Schultern vor der Telefonzelle und weiß, dass sich hier ein neues Drama anbahnt.
Während er fröhlich weitertelefoniert und mir durch Gestik zu verstehen gibt, dass er gaaanz gleich voll für mich da ist, halte ich schon mal nach meiner Mutter Ausschau (in diesem Moment bin ich anscheinend halb-luzid – ich bin mir darüber im Klaren, dass ich mich in einem Traum befinde und dass in einem Traum, in dem A. auftaucht, normalerweise auch meine Mutter dabei ist). Dann fällt mir aber ein, dass sie mich wahrscheinlich nicht retten, sondern zu einer sofortigen Hochzeit mit ihm drängen würde, also kuck ich lieber nicht weiter.
Und prompt kommt anstatt meiner Mutter doch glatt K. um die Ecke. ‘Na super, das war ja so klar’ denke ich und verdrehe genervt die Augen. A. hat mittlerweile sein Gespräch beendet, die beiden treffen sich, umarmen sich kumpelhalft und drehen sich dann erwartungsvoll zu mir. Beide setzen ihr schönstes Piratenlächeln auf – vier strahlendweiße Zahnreihen blinken mich an und mir wird leicht flau in der Magengegend. Eigentlich will ich nur weglaufen, aber wie es so ist im Traum: Ich kann mich nicht einen Millimeter bewegen, bin hüftabwärts gelähmt oder meine Beine sind mit Blei gefüllt…irgendwie so was. Also steh ich da mit meiner Wuschigkeit.
Von links raunt mir eine Stimme ins Ohr „oh kuck mal, A., weisste noch? Der is doch so süß und lieb und begabt“…“ja!“, plärrt es daraufhin von rechts, „und total hohl und memmig noch dazu, weißt du DAS nicht mehr? Hingegen K., der is klug und leidenschaftlich und hat Tiefe“…..“ja“, klingt es ermahnend von links, „und er verzweifelt an sich und der Welt, außerdem….“
„Der is zu alt für dich!“ unterbricht A. meinen inneren Dialog und deutet mit einer Kopfbewegung auf seinen Kumpel, der etwas verstört kuckt. ‘Ja stimmt’, denk ich, ‘der müsste jetzt schon über 50 sein, das ist tatsächlich…’ – „Er ist vielleicht zu alt“, fauche ich aber A. an, „dafür weiß er wenigstens, was er will!“ K. grinst etwas breiter, während A. erschrocken zusammenzuckt. Ich kann sehen, dass ich ihn damit verletzt habe, was mir einerseits sofort leid tut, mich andererseits nervt – ‘typisch Mann’, denke ich, ‘Mega-Sensibelchen, wenn es um die eigenen Belange geht, und Riesentölpel bei Anderen’.
Trotzdem bemühe ich mich, die Aussage etwas zu entschärfen: „Hör mal, A. – ich sage ja nicht, dass du ein schlechter Mensch bist, aber so, wie die Dinge gelaufen sind, dürfte es dich nicht wundern wenn ich zu so einem Schluß komme.“ Er holt Luft und setzt zu einer aber-ich-hab-doch-nur-aber-ich-wollte-doch-nur-Rede an, ich stöpsel mir aber beide Zeigefinger in die Ohren, weil ich das alles schon gehört hab. Ich dreh mich hilfesuchend zu K. und bete, er möge den Vortrag unterbrechen und irgendwas, einfach irgendwas erzählen, meinetwegen über Gitarren, Magier oder auch leere Joghurtbecher. Aber der schweigt und grinst nur.
Ich drehe mich, immer noch hüftabwärts gelähmt, auf der Stelle und blicke mich hilfesuchend um. Und wen seh ich da auf der anderen Straßenseite, in eine Hausecke gekauert, Mütze tief ins Gesicht?? E.! ‘NA TOLL!’ kreischt es in mir ‘JETZT AUCH NOCH DER!! Nu fehlen ja nur noch T., F., J. und S. und der Club ist fast vollständig!!’ E. wirft mir, möglichst unauffällig aber doch sichtbar, verzweifelte Blicke zu und murmelt irgendwas vor sich hin. „Wenn ich rüberkommen soll, musst du schon was sagen, du Idiot!!“ schrei ich ihn an „ich kann keine Gedanken lesen, wirklich!“ Er kuckt und murmelt weiter.
Ich merke allerdings, wie sich die Lähmung in meinen Beinen aufhebt – ich kann mich wieder bewegen und nehme sogleich die Beine in die Hand, lass alle drei Bekloppten stehen und renne die Straße runter…
…ich flüchte mich in einen Pub, wo Vinnie Jones und Robbie Williams an einem Tisch sitzen und gerade in eine Partie Strip-Poker einsteigen wollen. Dafür suchen sie natürlich eine Mitspielerin. Da setz ich mich doch dazu! … (Fortsetzung? In diesem Fall nicht völlig irrelevant, aber nichts für diesen Blog…=))
Verfasst von aristokitten
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