Ich hab mir ja vor einiger Zeit mal selbst ein Süßigkeiten-Embargo auferlegt. Ich muss wohl kaum sagen, dass das nur bis zum nächsten Norwegen-Urlaub gehalten hat. Für Marabu/Daim-Schokolade und Hoops bin ich nunmal ein leichtes Opfer.
Als die Hemmschwelle erstmal wieder überschritten war, hab ich den Kampf gegen die Lust gar nicht erst wieder aufgenommen. Ebenso wie den Kampf gegen das Gewicht. Was soll’s, wenn interessiert es schon ob ich dauerhaft 5 Kilo zu viel wiege?
Allerdings hat sich etwas verändert, nachdem ich mir das Naschen erst einmal fast völlig abgewöhnt hatte: Ich finde kaum noch was, was ich mag. Ist echt so. Ich stehe manchmal mit ratlosem Blick vor dem Süßigkeitenregal und finde einfach nichts. Fast lustlos pack ich mir dann eine Tüte Vitaminbonbons und eine Notfallschokolade in den Wagen, nur, damit halt was im Haus ist wenn doch mal der Ernstfall eintritt. Aber dasselbe Gefühl wie seinerzeit will einfach nicht aufkommen.
Anlass genug, sich mal auf eine sentimentale Zeitreise in die Kindheit zu begeben, als Süßigkeiten noch die Kraft hatten, die Welt von grau in himmelblau zu verwandeln. Wahrscheinlich hab eher ich mich verändert als die Süßigkeiten, aber da sind doch ein paar Dinge, welche die Industrie, und sei es nur im Zuge einer Retro-Welle, mal wieder auf den Markt bringen sollte – zum Beispiel:
Hubba Bubba in anständigen Sorten
Also nicht „Crazy Cherry“ oder (bäh!) „Sour Cherry Lemon“. Von den guten, alten Sorten ist nur Cola-Geschmack übergeblieben. Aber was ist mit Orange? Kirsche (ohne crazy)? Classic? Oder – Königsdisziplin: Apfel??
Der verbotene Stubenladen an meiner Schule von damals ist mittlerweile geschlossen. Wahrscheinlich sind die Besitzer im Ruhestand auf ihrer Finca in Südspanien, die sie mit meinem Hubba Bubba-Apfel Konsum in den Jahren 1983-1993 finanziert haben. Ich wette, die haben eine Dankesplakette an ihrer Hauswand für mich.
Peng!
Erinnert ihr euch noch an dieses – wortwörtlich – rattenscharfe, salzige Zeuch von (glaub ich) Bahlsen? Die sahen so ähnlich aus wie Peppies, waren aber nicht gestreift und richtig scharf. Wenn die gut und frisch waren, hing einem nach zwei handvoll immer schon der Gaumen in Fetzen runter. Köstlich.
Es gab früher mal am Busbahnhof einen Co-Op, den ich fast täglich auf meinem Weg nach Hause in die Vorstadt konsultierte. Man ging vorne am Sophienblatt rein und kam hinten in der Raiffeisenstraße, also direkt am ZOB, wieder raus. Oftmals nahm ich mir dabei eine Tüte Peng! mit, die ich noch im Bus mit glänzenden Augen verspeiste und an solchen Tagen in der Regel kein Abendbrot essen konnte, bis mein Mund wieder verheilt war.
Cola-Eis
Ich geb zu, was Eis angeht bin ich nicht mehr so auf dem Laufenden seit ich nur noch dieses dekadente Haägen-Dasz kaufe (ist aber auch zu lecker!). Aber meines Wissens nach macht tatsächlich keiner der großen Hersteller noch dieses klassische Cola-Eis, das einen Tag am Strand oder im Raisdorfer Freibad früher erst perfekt machte.
Bazooka Joe-Kaugummi
Mein Vater war Masseur und hatte lange Jahre eine Praxis in Plön, in der ich ihn oft besucht habe. Quer übern Hinterhof gab es einen Getränkabholmarkt, der natürlich auch ein stattliches Süßigkeitenregal hatte. Da hab ich mir immer Bazooka Joes gezogen, ungefähr so viel, wie in meine Taschen passte (mein Vater war nicht geizig mit Extrarationen Taschengeld
). Damit hab ich dann glückselig im Aufenthaltsraum der Praxis gesessen und stundenlang meine geliebten Astrid Lindgren’s oder Enid Blyton’s verschlungen. Wenn ich mir diesen Geschmack vorstelle, hab ich gleich wieder den Geruch von Massageöl und Eisspray in der Nase und dieses wohlige Gefühl im Bauch.
Treets
Jaja, ich weiß. Das waren nur M&M’s ohne bunte Farbe. Trotzdem.
Die Firma Mars geht allerdings mit gutem Beispiel voran und hat Treets gerade aktionsmässig wieder in Umlauf gebracht. War ganz aufgerecht letztens an der Tanke, hat mich auch nicht interessiert ob, und wenn ja, wie viel die mehr kosten als schnöde M&M’s. Meine Nichte stand ganz verdutzt daneben und hat sich gewundert, dass eine kleine Handvoll Schoko-Erdnüsse so viel Freude auslösen können.
Aber die is ja erst 25, was weiß die schon… Die soll erstmal in mein Alter kommen, dann gerät sie auch in Verzückung bei jedem Relikt aus ihrer Kindheit.
Und ihr so? Was für Schnökerkram vermisst ihr aus eurer Kindheit? Oder gibt’s euren Stoff noch und ihr fröhnt ihm auch noch ganz fleissig? Und sollten wir hier eine Petition starten, um Süßwarenhersteller davon zu überzeugen, dass das, was damals gut war heute kaum schlecht sein kann?
Ich bitte um ein Meinungsbild.
Verfasst von aristokitten
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