Kenn ich…um fünf Ecken

Juli 12, 2009

Ihr kennt ja diese Theorie, dass man um fünf oder sechs Ecken jedem Menschen auf der Welt schon mal die Hand geschüttelt hat, oder? Zu manchen interessanten oder prominenten Menschen lohnt es sich schon mal, die Ecken zu zählen. Und manchmal wird die Verbindungsstrecke  durch nur  eine richtige Schnittstelle plötzlich sehr kurz.

In meinem Falle wäre da z. B. Morrissey’s Gitarrist Boz, den ich ja öfter mal treffe. Mal abgesehen von Morrissey selbst hat dieser Mann schon mit David Bowie auf der Bühne gestanden und in den Backstage Areas aller Festivals und Clubs dieser Welt schon Gott weiß wen getroffen. Die Vorstellung finde ich schon mal ganz nett.

Dann hatte ich vor ein paar Jahren das Glück, im Schlepptau meiner Freundin Corinna einige Male Bob Geldof zu begegnen. Einmal wurden wir in den Gästebereich einer N3-Talkshow in Bremen geladen, in der er zu Gast war. In dem Moment wo er mir – aufmerksam, freundlich und zugänglich, wie es anscheinend immer seine Art ist – die Hand schüttelte, lief vor meinem geistigen Auge die Liste mit Menschen ab, denen er wohl schon vorher die Hand geschüttelt hat… Seine wohltätigen Projekte haben ihn mit Präsidenten, Königen, religiösen und weltlichen Volksvertretern zusammengebracht und als Organisator zweier Live Aids, den immer noch größten Konzert-Events aller Zeiten, hat so ziemlich jeder Musikstar der letzten 25 Jahre schon mal Spalier bei ihm gestanden. Abgefahrene Vorstellung.

Sich dieses in Theorie vorzustellen, ist das eine. Besonders, wenn so ein verdammt normaler und unhistorisch aussehender Mann vor einem steht. Ich hab mich aber in den letzten Wochen viel mit Michael Jackson und den verschiedenen Etappen seines Lebens beschäftigt und bin dabei auf ein interessantes Fundstück gestoßen: Ein Making Of von „We are the world“, in dem der normale und unhistorisch aussehende Bob Geldof etwas schüchtern vor Amerika’s damalige Rock und Pop-Elite tritt und  mit seinem bezaubernden irischen Akzent eine herzzerreissende Ansprache hält. Womöglich ist es dieser Ansprache zu verdanken, dass der Song das wurde, was er dann wurde. Es muss Magie in der Luft gelegen haben in dieser Nacht.

Es gibt noch eine längere Version davon bei youtube, die ihr euch ja mal in einer ruhigen Stunde genehmigen könnt, ist wirklich sehenswert! Hier erstmal:

Making of  USA for Africa’s „We are the world“ für Eilige

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Ja gut, das Hände schütteln wird nicht gezeigt :-) Aber ich geh jetzt einfach mal davon aus, dass ich über nur eine Ecke Bruce Springsteen, Stevie Wonder, Lionel Richie, Tina Turner, Michael Jackson und so weiter und so fort, mal abgesehen von Lady Di, Mutter Theresa und so weiter und so fort die Hand geschüttelt hab. Da müsst ihr dran denken, wenn ihr MIR das nächste mal die Hand schüttelt. :-)


Uwe geht zu Fuss

Juni 3, 2009

Ich könnt es mir jetzt einfach machen und sagen „Los Leute, kucken!“ oder gar „kaufen!“. Aber vielleicht erzähl ich doch noch mal was…

„Uwe geht zu Fuss“ ist laut Regisseur Florian von Westerholt ein „Low budget, big heart“-Film: Die Geschichte über den Heikendorfer Uwe Penzel, der 1943 mit dem Down Syndrom geboren wurde und damit zu den ältesten Deutschen mit diesem Gendefekt gehört. Die Geschichte handelt aber auch von der Gemeinde Heikendorf und dem selbst verständlichen, natürlichen und liebevollen Umgang mit Uwe. Uwe ist 1. Betreuer des lokalen Fussballvereins, Löffelträger der Heikendorfer Knochenbruchgilde, Mitglied der Laientheatergruppe und war einst, als er noch etwas mobiler war, einer der begehrtesten Tanzpartner weit und breit. Darüber hinaus ist er vor allem ein guter Freund von nahezu jedem der 8.000 Einwohner des Dorfes am Ufer der Kieler Förde.

Soweit zum Inhalt…was sich schwer beschreiben lässt, ist die Wärme, die der Film vermittelt. Wann kommt man schon mal  aus dem Kino und fühlt sich so richtig erfüllt? Gut, die Tatsache dass beinahe jeder, der in dem Film vorkam, inklusive der Hauptperson Uwe, mit im Kino sass, hat natürlich zur Atmosphäre beigetragen.

Vor allem aber hat der Film einen dieser wenigen, wertvollen Momente geschaffen, in denen man daran erinnert wird, was wirklich wichtig ist: Familie, Freunde, ein Zuhause und sich noch an einfachen Dingen erfreuen zu können. Inmitten der Jagd nach Anerkennung, Steuervorteilen und  Anschaffungen mal innezuhalten und die Magie des Augenblicks wahrzunehmen. Die Maßstäbe anderer Menschen anzuerkennen, auch wenn man sie nicht unbedingt teilt. Zu erkennen, dass in einer kleinen Welt aus Schützenfesten, Kreisligafussballspielen und sonntäglichen Spielmannszügen so mancher mehr Glück findet als Andere, die auf ihrer Suche nach Glück um die ganze Welt gehetzt sind.

So könnt ich jetzt noch Stunden weiterschreiben… aber ich sag nur noch mal „Kucken!“ oder „Kaufen und Kucken!“ und dann bin ich mal gespannt, ob der Film auf Leute ohne Waldorf-Vergangenheit und erhöhten Sentimentalitätsspiegel die gleiche Wirkung hat. Für Kieler oder Kiel-Fans ohnehin ein Muss, aber auch sehenswert für Leute, die echte Geschichten über echte Menschen mögen.

Morgen gibt’s den Film noch mal im Metro zu sehen, danach ist irgendwie unklar, wie es mit ihm weitergeht, zumindest was öffentliche Aufführungen angeht. Aber, wie gesagt, man kann ihn auch kaufen. Jetzt los!

Danke an Andre der mich mit diesem Beitrag auf den Film aufmerksam gemacht hat und meine Chorfreundin Yvette, die mich zur Premiere mitgenommen hat.


Baader-Meinhof-Komplex

Oktober 12, 2008

Ich geh nicht oft ins Kino, deshalb bin ich unter Umständen leicht zu beeindrucken… aber dieser Film hat mich ebenso bedrückt wie aufgerüttelt. Auf jeden Fall berührt.

Ich hab ja ohnehin einen sehr ausgeprägten Faible für Geschichte. Das dazu gehörige Buch von Stefan Aust hab ich schon vor vier Jahren gelesen, dieses hat mich zwar weniger berührt, aber ebenso beschäftigt. Im Prinzip ist das Buch ja wie ein einziger seeeehr langer Spiegel-Artikel. Ich hab es zwischendurch oft weglegen oder zurückblättern müssen, um überhaupt alle Fakten auf die Reihe zu kriegen. Aber das Buch zu kennen, schließt natürlich einige Wissenslücken, die der Film offen lässt.

Als wir rauskamen sagte jemand, der Film sei auch ein Stück weit gefährlich, weil er bei jemandem, der nicht wirklich nachdenkt, auch Sympathien für die Terroristen wecken könne. Dem würde ich ein Stück weit zustimmen. Sympathien für deren menschliche Seite zumindest. Kein Mensch gesunden Verstandens könnte Bombenanschläge, Entführungen und Hinrichtungen als Werkzeug der Veränderung gutheißen.

Ich will gar nicht viel über den Film an sich schreiben, das haben schon viele andere und wahrscheinlich besser getan. Vielleicht nur darüber, welches Gefühl der Film zurück gelassen hat bei mir…

…sind wir nicht alle manchmal viel zu satt? Sind wir nicht manchmal viel zu schnell mit dem zufrieden, was wir aus uns machen können, immer schön in Übereinstimmung mit dem, was man uns werden lässt? Das Stichwort Hamsterrad kommt mir wieder in den Sinn… allerdings anders, als direkt nach meiner Rückkehr aus Norwegen.

Ich will damit nicht sagen, dass ich die Taten dieser oder anderer Terroristen in irgendeiner Form gutheiße oder unterstützen würde. Wirklicher Fanatismus ist mir von jeher fremd. Obwohl der Film gut dargestellt hat, wie sehr Dinge außer Kontrolle geraten können bis zu dem Punkt, ab dem man nur noch nach vorne kann auf dem einmal eingeschlagenen Weg.

Aber die Motivation…also etwas bewegen und ändern zu wollen, ist das nicht grundsätzlich eine gute? Es gibt ja auch genügend Beispiele in der Geschichte des unmilitanten Widerstandes und unbewaffneten Kampfes…aber selten mit Happy-End.

Wenn jeder Mensch etwas mehr Veränderungswillen und etwas weniger Schluckermentalität in sich trüge, wenn man in der Masse mehr bewegen könnte, dann bräuchte die Geschichte keine um sich ballernden Radikalen, keine Opfer und keine Märtyrer.

Im Anschluss haben wir noch „Von Löwen und Lämmern“ gekuckt, ein ganz und gar anderer Film, der aber die oben beschriebenen Gedanken weiter geführt hat. Und auf eine ganz andere Art deutlich gemacht hat, woran die Welt am meisten krankt -  dass den Wenigen, welche die größten Lügen erzählen, vom Rest am bereitwilligsten geglaubt wird.

Foto:Pixelio.de

Glücks-Mizzie!

September 30, 2008

Ich hab gerade ne tierische Glückssträhne! Also wirklich, seit ein paar Tagen prasseln hier die guten Nachrichten auf mich ein, als wolle das Jahr 2008 mich aufm letzten Meter noch für ein paar andere Dinge entschädigen, die es mir vorher weggerissen hat…das Universum macht komische Sachen für mich.

Ob’s dann für einen normalen Schnitt reicht, werden wir am 31. Dezember erörtern…

Das wollte ich euch nur schnell wissen lassen. Heut Abend blog ich mal wieder was Richtiges.

Foto: Elsbe (aufgenommen beim Bierkauf im Dönershop ums Eck)


Wenn hinter Bergen Berge bergen…

September 4, 2008

Da es mit dem Film noch etwas dauern wird, ich mich aber endlich mal offiziell zurückmelden will, hier ein erstes Kurzresümee vom Urlaub….

Norwegen war 10 Tage eine andere Welt. Ich merke, dass ich Schwierigkeiten habe, in mein normales Leben zurück zu kommen und mir krampfhaft überlege, wie ich etwas von dem Norwegen-Gefühl in mein kleines Hamsterrad rüberretten kann. Weiß nicht, ob mir das gelingen wird.

Naturerlebnisse haben auf mich so die Wirkung, dass alles andere plötzlich unwichtig wird. Ich kenn das vom Segeln. Man lässt alles, mit dem man sich so tagtäglich rumschlägt zurück an Land und ist quasi auf die wesentlichen Dinge des Lebens reduziert. Und ich meine damit jetzt nicht „Liebe ist der Schlüssel“ oder irgendso einen floskeligen Blödsinn. Die Wahrheit ist ja noch viel einfacher.

Da kommen wir her, da gehen wir hin – und alles dazwischen ist eigentlich scheissegal. Oder hat zumindest immer nur die Wichtigkeit, die wir ihm verleihen.

Daran sollte man sich öfter mal erinnern…man kann sich für sein Hamsterrad entscheiden, aber man sollte immer mal die Augen links und rechts haben und jederzeit bereit sein, abzuspringen. Dann geht’s.

Also: Internetwahn, Frisurentrends, Klamottenlabels, Altersvorsorge, BMI, Blogstatistik, alles schön und gut.. aber am Ende des Tages fragt keiner danach. Jedenfalls keiner, dessen Meinung wirklich wichtig sein sollte.

So, damit wäre der philosophische Teil abgehakt… jetzt erzähl ich einfach mal fröhlich drauflos, was so passiert ist.

Ja, vi elsker dette landet

In ein paar Monaten glaube ich es wahrscheinlich selbst nicht mehr, aber es gibt Fotos, die es beweisen – ich habe Campingurlaub gemacht! Ich habe in einem Zelt geschlafen, 10 Tage auf meinen Fön verzichtet, eine Dusche benutzt in der vor mir schon 20 andere gestanden hatten, in nicht-klimatisiertem Wasser gebadet und fast zwei Wochen Schuhe ohne Absätze getragen. Und es war großartig!

Nun gut, Isomatten sind nix für meinen Rücken. Aber da kann man ja nächstes Mal vorsorgen. Wenn ich wieder nach Norwegen fahre, und das werde ich ganz sicher, dann jedenfalls auch dann mit Zelt oder maximal Wohnmobil. Alles andere ist uncool. Oder nein, unangemessen für dieses wunderbare Land. Norwegen muss man mit allen Sinnen spüren und nicht nur vom Hotelfenster aus sehen.

Ich habe trotz Temperaturen weit unter 20 Grad zweimal gebadet, einmal in einem See, einmal in der Nordsee. Ich habe am Strand gelegen, bin auf einen Berg geklettert, habe in Wanderschuhen getanzt, ganz viel Lachs gegessen, stundenlang wortlos auf Fjorde gestarrt und vor allem viel, viel gelacht. Meine Rock’n'Roll-Homies Corinna und Elsbe waren genau die richtigen Begleiter für diese surreale Reise.

Surreal nur deshalb, weil es einfach so ein Gegensatz zu meiner üblichen Realität war. Was die Frage einfordert – was ist denn nun real? Das oder dies?

Aber ich wollte ja nicht mehr philosophieren…

Ich war ja schon immer großer Skandinavien-Fan. Aber Norwegen ist auch noch mal ein anderes Kaliber als Schweden oder Dänemark. Norwegen ist rauh und urwüchsig, ohne dass es bedroht oder einschüchtert. Respekt einflösst vielleicht, ja. Aber wenn man sich drauf einlässt, wird man irgendwie ein Teil davon.

Daher dieses „da komm ich her, da geh ich hin“-Gefühl… aber ich wollt ja nicht mehr…

Hach das ist aber auch schwer. Es ist nunmal so – ich komme von einer Reise zurück, die so ungefähr das andere Ende des Spektrums war von meinem Strandurlaub auf Fuerte letztes Jahr. Das war auch schooon ok, will auch nicht behaupten, dass ich so was nie wieder mache. Aber davon hab ich nicht mehr mitgenommen als das Bild von mir selbst in der Waagerechten mit einem Buch vor der Nase am Strand. 2 Wochen lang. Und hatte mit „Reisen“, also mit dem was reisen sein und tun soll, nix zu tun. Die Reise nach Norwegen hingegen hat so viele Türen geöffnet, und sei es nur für Momente, dass mir die Worte fehlen, es zu beschreiben.

Eine Aufzählung der Ereignisse kann also ohnehin nicht vermitteln, was da bei mir passiert ist. Unterm Strich kann ich nur sagen: Ich fühl mich…irgendwie…. gereinigt. Und total geflasht!

Und wenn ihr das auch erleben wollt, dann fahrt nach Norwegen und lasst euch voll drauf ein. Klinkt euch mal ein paar Tage aus vom Gesellschaftsproduktivitätswahnsinn, vergesst mal das Internet, Karrierepläne und euer Ranking auf der Attraktivitätsskala und kuckt der Wahrheit ins Gesicht: Jeder von uns ist nur ein ganz kleiner Teil des großen Plans.

Und Slartibartfas hat diesen Preis für Norwegen zu Recht bekommen. Das Bier isn büsch teuer aber das könnt ihr euch ja mitbringen, der Zoll lässt sich denkbar einfach umfahren wenn ihr drüben ankommt.

In den nächsten Tagen folgen Bilder und Filme, nur Geduld….