Dass ich diesen Tag noch erleben darf… eigentlich war ja immer klar, dass diese Band sich irgendwann in Rauch auflösen würde. Aber zwischenzeitlich sah es ja auch mal so aus, als könne sie das Schicksal der Rolling Stones ereilen: Mit Hilfe diverser Backing Line-Up Changes und fünfjährigen Dialogpausen der Hauptprotagonisten halbwegs den Apparat am Leben erhalten, nur um dann alle paar Jahre eine Platte hochzuwürgen, ja, widerzukäuen möchte man sagen.
Aber nein – Noel Gallagher himself verkündete am Wochenende, er habe seinen Bruder nebst Band verlassen.
Oasis waren ja schon immer mein liebstes Hassobjekt. Das fing schon bei den dämlichen Akzenten an – jaja, ich weiß, dass die aus meiner Lieblingsstadt Manchester kommen, aber hört euch mal im Vergleich dazu Morrissey an und ihr wisst Bescheid, wo der Hase läuft (You can take the boy out of the social housing estate, but you can’t take the social housing estate out of the boy). Es hat mich auch total angekotzt, dass diese Band fünfmal dieselbe Platte unter verschiedenen Namen rausgebracht hat und keiner der Millionen Plattenverkäufer hat’s gemerkt. Ach und dann diese ständigen selbst herbeigeführten Beatles-Vergleiche, dieses hochnäsige Supergroup-Getue, diese bescheuerte Konzert-Abbrecherei und dieses ständige Rumgezicke der Gallaghers. Noch dazu dieses peinliche Rumgestocher im Revier von fellow Mancunian Morrissey, dem diese Art von Aufmerksamkeit immer sehr unangenehm war, wie diese Geschichte recht deutlich beschreibt (übrigens eine der meist geklickten Geschichten in diesem Blog – dreimal dürft ihr raten warum). Kurzum - ich fand die einfach immer nur doof.
Dennoch – Liam und Noel waren halt auch immer für einen Augenbrauenwitz gut. Und musikalisch kann man natürlich alles Schlechte über sie sagen, was es zu sagen gibt – aber eins konnten sie: Rotzige Mitgröhlnummern raushauen wie am Fließband. Immer mit denselben sechs Akkorden, vier Major, zwei Minor, in verschiedenen Kombinationen, ein fließender Basslauf, ein paar Worte im Rhyming Dictionary nachgeschlagen – fertig ist die typische Oasis-Nummer. In Momenten, in denen man keine weiteren Anforderungen an Musik stellt, wo es einen halt nicht packen, bewegen oder nachdenklich machen sondern einfach nur rocken soll – perfekt. Nicht ohne Grund waren sie in erster Linie bei englischen, betrunkenen Soft-Hooligans erfolgreich.
Aber, an dieser Stelle kann ich’s ja mal zugeben – auch ich habe innerhalb meiner Musiksammlung von ca. 5.000 Titeln bummelig 10 von Oasis. Die mag ich sogar ganz gern. „Stand by me“ zum Beispiel, auch wenn der Refrain textlich selten einfallsl… ach, lassen wir das. Über Verstorbene soll man nicht schlecht reden.
Dann wäre da natürlich noch diese Nummer. Wenn es jemals einen Oasis-Song gab, den man auch im Nachhinein als „gelungen“ bezeichnen wird, dann diesen. Und das sag ich jetzt nicht nur, weil mein Chor gerade eine Swing-Version dieses Titels einstudiert (übrigens – unfassbar – auf meinen Vorschlag hin).
Also, aus diesem feierlichen Anlass – R.I.P. Oasis, und bitte kommt nicht allzu bald mit Soloprojekten wieder.
Verfasst von aristokitten
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Quelle: Lübecker Nachrichten