Fragt ihr euch nicht auch so langsam, wie wohl die globale Finanzkrise in euer Leben eingreifen wird?
Mag ja daran liegen, dass ich jeden Tag so viele Zeitungen lesen muss…aber nachdem mir heute in gleich zwei Medien erstmals der Begriff „schlimmste Finanzkrise aller Zeiten“ unterkam, krieg ich doch so langsam Muffe. Was kommt da bloß?
In Großbritannien kommt ja bekanntermaßen innerhalb Europas immer alles zuerst an: Gute Filme, Epidemien…und die Auswirkungen der Finanzkrise. Eine Freundin in Manchester berichtete mir vor ein paar Tagen von ersten großen Entlassungswellen in ehemals stabilen und florierenden Unternehmen. Mein Bruder, der in Südengland lebt, hat schon vor einem halben Jahr was von Rezession geunkt. Da war das hier noch unvorstellbar.
Mittlerweile nicht mehr… bei weltweit agierenden Autokonzernen stehen die ersten Bänder still. Leiharbeiter werden zu tausenden bis auf Weiteres nach Hause geschickt, was in der Regel nur die Vorstufe von Entlassungen ist. Meine eigene Bank vermeldet heute mal so eben eine halbe Milliarde Verlust. Um den Preisverfall von Erdöl zu stoppen, wird jetzt die Förderung gedrosselt. Es beginnt also, hier und da zu zündeln. Da fragt man sich schon, wann man die ersten Auswirkungen zu spüren bekommt, oder?
Beruflich bin ich persönlich halbwegs auf der sicheren Seite. Die Gesundheitsbranche wird es im Verhältnis weit weniger hart treffen als andere – Gesundheit ist kein Luxusgut, der Markt aufgrund demografischer Tatsachen ein wachsender, und Beratung ist in schlechten Zeiten eher mehr gefragt als weniger. Selbst wenn mir, was sehr unwahrscheinlich ist, ein Kunde wegbrechen sollte, so kann ich mich als Selbständige natürlich ganz anders rühren, um trotzdem mein Überleben zu sichern. Ich steh nicht von heute auf morgen vor dem Ruin. Anderen geht’s da ganz anders.
Aber z. B. Preisanstiege und Steuererhöhungen zur Finanzierung des Rettungspaketes treffen uns alle. Nächstes Jahr, in meinem vierten Jahr als Selbständige, wollte ich eigentlich frohen Mutes mal das Großprojekt Wohneigentum angehen. Kann natürlich sein, dass die Banken vor lauter Schiss die Hürden für Freiberufler um einiges höher setzen. Oder aber es entbrennt eine Schlacht um die wenigen Kunden, die sich so was noch trauen. So oder so werden aber die Zinsen steigen.
Alles Schlampen außer Mutti.
Aktien hab ich zum Glück keine. Wohl aber spare ich seit über einem Jahr in eine fondsgebundene Rürup-Rente. Über die britische Gesellschaft, die mein Geld für mich anlegt, hab ich auch gerade schlechte Nachrichten gelesen. Aber gut, mein Geld nebst Rendite kommt in etwa 30 Jahren zur Auszahlung, ich möchte doch meinen, bis dahin hat es sich wieder beruhigt.
Oder nicht? Ich mein ja nur… Die letzte weltweite Finanzkrise (1929) stand in direktem Kausalzusammenhang zum 2. Weltkrieg und den darauf folgenden Trümmerjahren. Erst das Wirtschaftswunder der 50er Jahre half Deutschland wieder auf die Beine. Allerdings mit Hilfe von Ländern, die schon lange wieder aus der Finanzkrise raus oder von vornherein nie betroffen waren. Ein solches Land gibt es diesmal nicht, wenn ich’s richtig verstanden habe.
Ja nee, is gut. Ich sag ja nur, wie’s war. Will’s ja gar nicht beschreien.
Also, zu diesem Zeitpunkt natürlich alles Spekulation, umso mehr von einem Halbwissensspastiker wie mir. Lassen wir es einfach auf uns zurollen, mit oder ohne Muffe, is egal. Es gibt ja eh nix, was wir tun können, um es zu stoppen.