Wie eine Krankheit ins Leben eindringt.
12.8.09, 9.12 Uhr: Mizzie betritt ihr Büro
12.8.09, 9.28 Uhr: Mizzie hört Kolleginnen (eigentlich keine direkte Kolleginnen, arbeiten bei Schwesterfirma, die aber auf demselben Flur sitzt) Frau L.-H. und Frau K. über Frau K.’s Urlaub klönen und kriegt mit, dass diese irgendwie nicht gesund zurück gekommen ist.
12.8.09, 9.42 Uhr: Frau L.-H. kommt mit bleichem Gesicht in Mizzie’s Büro und fragt: „Frau Q., haben Sie zufällig irgendwas zum desinfizieren da?“ Mizzie kuckt blöd und antwortet: „Ääähhh nö. Sonst ja immer, aber jetzt gerade nicht.“ Frau L.-H. berichtet, Frau K. sei vom Wandern im Allgäu zurückgekommen, wo 40 Mitreisende vor ein paar Tagen mitten in der Nacht mit dem Hubschrauber wegen Magen-Darm ins Krankenhaus geflogen worden wären. Offensichtlich habe der Norovirus die ganze Baggage niedergestreckt, Frau K. habe auch schon erhöhte XY-Werte im Blut sei aber trotzdem zur Arbeit gekommen, die doofe Kuh.
12.8.09, 9.55 Uhr: Mizzie twittert die Geschichte, noch lacht sie.
12.8.09, 10.09 Uhr: Mizzie horcht in sich hinein…sind da nicht schon leichte Übelkeitsanzeichen? Ganz bißchen? Hmmmmmmnööö naja gut, dann nicht.
12.8.09, 10.19 Uhr: Ein deutlich hörbares Darmgrummeln versetzt Mizzie in kurze Panik. Aber es sind dann doch nur die Toppas vom Frühstück.
12.8.09, 10.31 Uhr: Mizzie hat „Norovirus“ gegoogelt und ist plötzlich gar nicht mehr zu Scherzen aufgelegt.
12.8.09, 10.43 Uhr: Frau L.-H. betritt Mizzie’s Büro und berichtet, immer noch schreckensbleich, die ersten Kollegen hätten vorsorglich das Gebäude verlassen. „Alles Sesselpuper“ denkt sich Mizzie und plant schon mal ihr Mittagessen. Frau L.-H. berichtet weiter, trotz bester Connections zu Ärzten und deren Dienstleistern sei im Umkreis von XX Metern kein medizinisches Desinfektionsmittel aufzutreiben. Sei aber auch egal, der Norovirus würde über derlei verzweifelte Maßnahmen ohnehin nur süffisant lächeln.
12.8.09, 11.03 Uhr: Kollege Dr. P., studierter Mediziner aber schon seit 30 Jahren im Schreibtischdienst, knallt mit der Bürotür und verlässt fluchtartig das Gebäude. Frau L.-H. berichtet, sie würde sich nicht trauen etwas zu essen.
12.8.09, 11.15 Uhr: Mizzie überlegt sich die Konsequenzen einer plötzlichen Erkrankung: Ab Montag muss eine neue Mitarbeiterin eingearbeitet werden, wär schon Scheisse. Diese Woche Schlußredaktion, Redakteur im Urlaub, auch doof. Zu Hause Handwerker, auch nicht so toll. Also lieber gesund bleiben.
12.8.09, 11.23 Uhr: Mizzie überlegt, ob sie heute Abend wirklich zum Familienessen gehen soll angesichts der Tatsache, dass ihr Bruder mit seinen 3 Kindern am Samstag in den Urlaub fahren will. Hm.
12.8.09, 11.55 Uhr: Die Lage hat sich etwas beruhigt, nachdem die Ängstlichsten das Gebäude verlassen haben und niemand der Dagebliebenen auch nur die geringsten Symptome verspürt. Hier und da wird noch mal gewispert auf den Fluren. Mizzie fällt ein, dass sie mehr Angst vor dem Fertigsalat haben sollte, den sie mittags immer isst denn da sollen ja schon die dollsten Sachen drin gefunden worden sein.
12.8.09, 12.30 Uhr: Mizzie macht sich mit dumpfem Gefühl im Magen auf zum Supermarkt, um ihre mittäglichen Salat einzukaufen.
12.8.09, 13.22 Uhr: Mittagspause Ende – Mizzie entschied spontan gegen Salat und verspies stattdessen kleine griechische Schweinereien in Portionsdöschen vom Wochenmarkt. Auf dem Weg zurück traf sie den Geschäftsführer des Mutterschiffs. Man tauschte Witze über Noro-Flüchtlinge.
12.8.09, 13.31 Uhr: Das Mittagessen war nicht so der Hit. Beinahe wünscht sich Mizzie etwas, was den Magen anständig aufräumt. Werden ihre Wünsche erhört? Immer noch keine Spur von echten Krankheitsfällen.
12.08.09, oh, schon 14.34 Uhr: Mizzie muss mal wieder Leute am Telefon anschreien, was ihr doch so schwer fällt, und vergisst darüber ganz die quasi tödliche Bedrohung. Mittagessen liegt auch schon nicht mehr so schwer im Magen. Frau L.-H. noch nicht wieder vom Mittagessen zurück – in der Fußgängerzone dahin gerafft?
12.08.09, 15.06 Uhr: Die Handseife im Damenklo ist alle!! (*hier Soundeffekt von „Psycho“ einspielen*) Wir sind alle verloren!!
12.08.09, 15.55 Uhr: Mizzie fragt sich, wie sie diesen Blog-Beitrag zuende kriegen soll, wenn es sie doch noch dahinrafft: Wird sie auch vom Kranken- oder Totenbett noch berichten können? Kann man mit Infusionsschläuchen im Arm tippen? Ist Internet auf der Intensivstation überhaupt erlaubt?
12.8.09, 16.43 Uhr: Ein noch viel tragischeres Ereignes überschattet die dramatische Entwicklung: Twitter is mal wieder down! Wen kümmert da schon drohender sturzartiger Brechdurchfall?!
12.8.09, 16.46 Uhr: Der Schreck währte nur kurz, Twitter ist wieder da. Die Angst vor dem Virus hingegen gährt weiter.
12.8.09, 17.20 Uhr: Mizzie entscheidet, dem Familienessen beizuwohnen. In einer harmonischen Familie soll man schließlich alles teilen.
12.08.09, 18.06 Uhr: Mizzie verlässt mit einem fröhlichen Liedchen auf den Lippen das Büro und macht sich daran, dem Norovirus Kiel zu zeigen.
Schalten Sie auch morgen wieder ein wenn wir die Fragen beantworten: Was hat Mizzie letztlich mehr zu schaffen gemacht, das Norovirus oder der Fisch zum Abendessen? Wird unsere Heldin die Nacht überstehen? Werden die Beinahe-Kranken morgen wieder erscheinen? Wie wird die Hansestadt Hamburg reagieren auf Mizzie’s Besuch – gibt es einen Notfallplan?
Wir werden sehen.