Schon wieder geshoppt, böse Mizzie, böse, böse Mizzie…
Dabei fing’s ganz harmlos an: Ich hab mir letztens überlegt, dass ich gerne in Zukunft wieder öfter mit dem Rad zur Arbeit fahren würde. Nächste größere Anschaffung soll also ein niegelnagelneues, schönes Mountain-Bike werden (im Zusammenhang damit hab ich übrigens ein altes, schönes Scott Mountain-Bike in gute Hände abzugeben!). Dann fiel mir ein, nee blöd, wo ich doch jetzt jeden Tag das Laptop hin- und herschleppe wegen Blog und so. Is ein tolles Laptop, aber fürs über die Schulter hängen beim Fahrradfahren eindeutig zu schwer. Hm, was tun?
Da fiel mir dieses kleine Netbook ein, dass ich letzte Woche bei meinen Kieler pl0gbar-Homies neidvollen Auges erblickt habe. So ne kleine Möhre kann man ja quasi in der Hosentasche transportieren. Und da ich ja beruflich doch hier und da mal unterwegs bin, morgen z. B. in München, könnte ich aufm Rückweg nach Hause immer gleich Text oder whatever in die Tasten hauen. Also genau das, wozu diese Dinger erfunden wurden. Was mir das an Zeit sparen würde!
Shopping-Entscheidungen treffe ich ja gerne beherzt, deshalb wurde also…hm…ich glaub Montag der Entschluss gefasst, so ein Ding einzusacken. Das hab ich dann – wie so ziemlich alles – getwittert. Und da sagt Thommy doch glatt: Ja kuck doch mal dieses und jenes, das ist noch besser als das und das. Ich so „oh cool, das gibt’s ja bestimmt gleich unten vor der Tür“. Gleich neben meinem Büro ist nämlich der Shop eines magentafarbenen Telefonanbieterriesen. Kurz gegoogelt – stimmt, alle sagen die Möhre is super. Da kauf ich die doch!
Jacke an, Treppe runter, ums Eck in den Shop. Dort dann gesehen, dass ich das Teil entweder für 499,- kaufen könnte, oder aber es für 1,- hinterhergeworfen kriege, wenn ich einen zweijährigen UMTS-Flatrate-Vertrag für 40,- im Monat unterschreibe. „UMTS…mein Gott…das heißt Internet egal wo ich geh und steh?“ Ich glaub, ich hab die Englein singen hören in dem Moment…
Ein kurzer Anruf beim Steuerberater ergab das erhoffte Ergebnis – die Kosten für so einen Vertrag kann ich als laufende Betriebskosten abziehen, wunderbar. Und als ich da so freudestrahlend auf die junge Verkäuferin zumarschiere und ihr all mein Geld geben will – also, 1 Euro – da schlägt doch glatt wieder das schlechte Beratungskarma zu, das ich manchmal habe…erstmal kannte sie lustigerweise das Angebot nicht, obwohl es groß auf einem Schild direkt vor ihrer Nase prangte. Der Kollege stand gähnenderweise daneben und teilte mir mit, dass man das Netbook eh erst bestellen müsse, man hätte keins da. Ich bräuchte aber heute eines, sagte ich darauf, ob man nicht in anderen Filialen mal nachfragen könne. Erst wurden die Augen verdreht, dann wurde sich langsam vom Stuhl erhoben, dann kurz liebloses Geraschel im Hinterstübchen, so 5 Sekunden lang – dann kommen die wieder raus, und lügen mir kackfrech ins Gesicht „nee, die Kollegen ham auch keins mehr, geht wirklich weg wie nix! Aber wir könn’ gern zu morgen…“
Hab die nicht mal ausreden lassen. ‘Ihr könnt mich gern mal gernhaben’ hab ich gedacht und bin mit dem finstersten nur möglichen Gesicht ohne Verabschiedung, stattdessen mit einer verächtlichen Handbewegung, raus.
Also ehrlich…ich erwarte ja nicht, dass man mir Schampus reicht, wenn ich in einen Laden komme. Aber wenn ich offensichtlich und ohne große Überredungskünste verkäuferseits Geld loswerden will, darf ich doch zumindest hoffen, dass man sein Möglichstes unternimmt, um dieses Selbstgängergeschäft möglich zu machen, oder?
F#*$$ng Servicewüste Deutschland.
Oben im Büro angekommen, hängte ich mich gleich ans Telefon, denn mittlerweile war ich richtig heiß auf das Teil. Drei andere Filialen in zwei Minuten angerufen, dann noch die Helpline des Mutterschiffs. Wie gesagt, schlechtes Beratungskarma: Ich geriet, wenn überhaupt, immer an Leute, die entweder keine Ahnung hatten oder keiner mir bekannten Sprache mächtig waren…wirklich, es war wie verflixt. Dann schließlich ein Treffer – in einer kleinen Filiale in der Kieler Quer-Passage sollte es noch eins geben!
Ich so: „Super, nicht weg geben, bin gleich da!“
Jacke an, Treppe runter, Holstenstraße runter getrabt, freudestrahlend und verschwitzt angekommen…
Damit der Helmi mir eröffnet, er hätte zwar ein Netbook, aber keinen dazu gehörigen Stick und er könne das nur im Bundle verkaufen. Mein Blutdruck, der zu diesem Zeitpunkt ja schon bös hatte leiden müssen, ging nun diesmal endgültig hoch! Und ich fauch ihn an, ob ihm das nicht verdammt noch mal vor 10 Minuten klar war, als wir telefoniert haben und BEVOR ich durch die halbe Innenstadt gerannt bin!!
„Nö“, die knappe und lapidare Antwort. Und da könne er nichts machen, das Kassensystem lasse nicht zu, dass ich den Stick hinterher bestelle.
Ich so (immer noch griesgrämig, aber auch schon leicht resigniert): „Und wann bitte kriegt ihr die rein?“
Er so: „Stündlich…müsste jeden Augenblick einer kommen“
Ich so (tief durchatmend): „Sssssag das doch – dann nehm ich eins und ihr ruft mich an, so bald das hier eintrudelt. Bitte.“
Klar doch, gerne, schreib ma auf usw…. plötzlich ging’s.
Zunehmend fröhlicher verließ ich den magentafarbenen Laden und vernahm sirenengleiche Gesänge aus dem Modegeschäft nebenan. Modegeschäfte haben auf mich zur Zeit eine fatale Wirkung, ihr wisst, es ist Herbst und alles erstrahlt in schwarz und grau. Es zog mich hinein wie den Kahn zum Loreleifelsen. Da war nix zu machen. Ich hab noch kurz überschlagen, was mein Konto angesichts des Berlin-Wochenendtrips noch hergibt, doch das war eigentlich auch schon egal…
Aber das schlechte Beratungskarma ging weiter… dabei frag ich schon kaum jemals was und probier bekanntermaßen auch nix an. Trotzdem wurde ich mehrfach in falsche Abteilungen, treppauf, treppab geschickt. Ich erspar euch die ganze traurige Geschichte. Is auch langweilig.
Trotzdem hab ich mal wieder in einer halben Stunde ein paar komplette Outfits rausgeschleppt – aus Zeitmangel hier nicht am Körper dargestellt, sondern in guter alter Ebay-Manier auf dem Fußboden:

Ganz schick, oder?
Tja, an dieser Stelle hätte ich euch auch gern das neue Familienmitglied für 1 Euro vorgestellt. Aber diese Geschichte hat noch kein Happy-End.
Der hkrmpfprba vom Magentashop hat es sich nämlich anders überlegt, ach nee, kommt doch nicht stündlich und heute schon mal gar nicht mehr. Aaaaber wennse übermorgen…. „DU KANNST MICH ÜBERMORGEN DU ARSCHLOCH!!!!!“
Nein, hab ich nicht gesagt, da bin ich wirklich zu wohlerzogen für. Und zu feige. Stattdessen hab ich noch heute Abend vier (VIIIIEEEER!!!) weitere Shops angerufen, bzw. sogar aufgesucht. Nix, überall weg, die Möhre. Waaaahhhhh!
Also musste ich mich von dem Traum verabschieden, schon morgen mal eben so vom Flughafenbus oder vom Flughafen aus zu twittern. Oder was weiß ich. Mobile Office halt, die MÖGLICHKEITEN!! Aber nein. Wo ich kaum was auf der Welt so sehr hasse wie auf Dinge warten zu müssen, die ich UNBEDINGT haben will.
Das Ergebnis dieser stressigen Tortur war eine wie mit Beton ausgegossene Schulter-Nacken-Partie am heutigen Abend, die ersma jemand in Form kneten musste. Das ist mittlerweile chronisch, wo das bloß noch hinführen soll…aber gut, wenn die Arbeit weiterhin so reinrauscht, kann ich mir demnächst nen Privatmasseur leisten. Oder nen Vollzeit-Haushälter. Der massieren kann. Und kochen. Und so.
Über den Ausgang der Möhren-Geschichte halte ich euch auf dem Laufenden. Jetzt geh ich schlafen, ich muss um 4.00 (um VIIIIEEEER!!!!) hoch. Gnarf.