I (heart) winter

Oktober 16, 2009

Ich gebe zu, das ist neu…und wahrscheinlich hält es auch nur so lange an wie der Kick durch die neue, gemütliche Wohnung.

Aber es is schon mächtig kuschelig da oben… der Fensterplatz ist mittlerweile fertig, und eigentlich warte ich nur noch auf den Ofen. Und der kommt hoffentlich früh im November. Aber dann isses sensationell – auf ner weißen Leder-Chaiselongue liegen, in Felle eingehüllt, prasselndes Feuer im Rücken, n schönen Grog an den Lippen und Blick auf die sturmgepeitschte Kieler Förde…wer würde Winter da nicht mögen?

Mehr noch: Die olle Glotze ist endlich aus dem Schlafzimmer rausgeflogen. Ihren Platz im TV-Regal nimmt jetzt so ein Bioethanol Zimmerkamin ein. Ein offenes Feuer im Schlafzimmer, pornöser geht’s jawohl kaum :-) Zudem macht das Ding richtig warm, schafft locker so 5 Grad mehr im geschlossenen Raum. Sehr wirtschaftlich ist das leider trotzdem nicht, denn das Ding verschmurgelt mal eben 1 Liter Brenngel für 3 Euro pro Abend. Aber – gestern Abend hab ich da so gelegen, Feuer knisterte, richtig schön warm, Hand in der Chipstüte und Krimi vor der Nase – ein Traum!

Jetzt seid ihr neugierig, nech? Ich hab so ziemlich alle Etappen der Wohnungsübernahme, Renovierung etc. auf Film festgehalten…jetzt, wo ich so langsam angekommen bin, werd ich das Teil bald mal zusammenschneiden. Ich sag euch, ich hab da ganz schön was weggestemmt seit Sommer – im wahrsten Sinne des Wortes!

Etwas Geduld noch…


Heute vor 10 Jahren…

Oktober 14, 2009

…durfte ich das erste Mal Auge auf und Hand an den leibhaftigen, auf der Bühne stehenden Morrissey legen.

Im Rahmen der „Oye Esteban“-Tour spielte Monsieur ohne Platte, ohne Plattenvertrag, ohne Verlag, ohne alles in ausverkauften Hallen quer durch Europa. Und am 14. Oktober 1999 im Kölner E-Werk. Meine morrisseyeske Entjungferung, wenn man so will.

Ich weiß es noch wie heute – es war ein kalter, klarer, sonniger Herbsttag. Vergleichbares Wetter – so wie jetzt gerade -  ruft in mir noch heute diese Aufgeregtheit und gespannte Erwartung jener Tage wach, so als würde sich das Tor zu einer neuen Welt öffnen.

Es war der Beginn einer wunderbaren Reise and my life just hasn’t been the same since….Morrissey hat viele gute und dauerhafte Freunde in mein Leben gebracht, eine große Liebe, fantastische Reisen, denkwürdige Erlebnisse, bahnbrechende Erkenntnisse über das Leben, das Universum und den ganzen Rest, emotionale Hochs und Tiefs wie sonst fast gar nichts. Ich kann mit aller Ernsthaftigkeit behaupten, dass ich nicht die wäre, die ich heute bin, wenn er nicht in mein Leben getreten wäre.

Heut Abend trink ich auf unser 10-jähriges…:-)

*Mizzie (heart) Mozzy 4ever*


Einmal die 7 Kostbarkeiten, bitte!

Oktober 13, 2009

Ein Stöckchen, aufgehoben bei der Oasenhoheit, soll die sich ausbreitende Leere in diesem Blog etwas füllen…und damit euer Interesse wieder etwas geweckt wird, verrate ich hier 7 Dinge, die ihr noch nicht über mich wusstet und von denen ich auch nicht weiß, ob ihr sie wissen wolltet – egal:

1. Ich habe 10 Jahre eine Waldorfschule besucht, war aber so ziemlich in allem, was die W-Schule ausmacht (malen, zeichnen, schauspielern, Eurythmie, Werkzeuge klöppeln, Teppiche weben, buchbinden etc.) fürchterlich schlecht…meine große Stärke waren Sprachen, und in Englisch und Deutsch hab ich nicht nur sämtliche Mitschüler, sondern teils sogar die Lehrer hinter mir gelassen…nur dieser Tatsache hab ich’s zu verdanken, überhaupt irgendeinen Abschluss dort gemacht zu haben.

2. Ich bin eine wirklich vorzügliche Autofahrerin – mein Kumpel Frank hat mich mal mit der Aussage geehrt, ich wäre die einzige Frau, die er seinen Wagen fahren lassen würde. Ich kann Autos z. B. in Parklücken zirkeln, die nur 30 cm länger sind als das Auto selbst (muss aber zugeben, dass es jetzt mit dem Eos etwas schwieriger ist, der hat nämlich eine recht beschissene eingeschränkte Rundumsicht).

3. Ich verliebe mich bevorzugt in Männer, die ich nicht haben kann. Sicher ist sicher. Es ist doch mein erklärtes Ziel, als alte Jungfer mit 30 Katzen zu enden.

4. Ich hasse alles, was kreucht, vor allem Spinnen und nicht mal für Marienkäfer kann ich mich begeistern. Dafür kann ich hervorragend mit Hunden und Katzen kommunizieren (siehe Punkt 1., Sprachen).

5. Ich habe vor über einem Jahr das letzte Mal mit meiner Schwester gesprochen und bereue das nicht mal.

6. Meine Achillesferse – gesundheitlich betrachtet – sind meine Nerven. Das hat mich schon zahlreiche Zähne gekostet, und wenn ich viel Stress habe, neige ich außerdem zu so spaßigen Sachen wie Lähmungen, Zuckungen und Schmerzstörungen.

7. Wenn ich mich nicht 100% wohl fühle mit einer Situation, neige ich zu Schüchernheit. Die wird leider häufig als Arroganz oder Unterkühltheit fehlinterpretiert, dabei weiß ich nur gerade nicht, was ich Lustiges sagen soll.

Das sind sie, die 7 Dinge, die über mich zumindest im Internet noch nie großartig zur Sprache gekommen sind (für RL Freunde natürlich jetzt nicht so ne Überraschung….).

Und ihr so?


Familienzuwachs

August 9, 2009

Seit einer Woche schon lebe ich jetzt in der neuen Wohnung. Wegen der Renovierung, wahrscheinlich aber auch aus Faulheit, Sommer und anderen Gründen, sitze ich immer noch auf dem halb unausgepackten Haushalt und bin noch nicht so richtig angekommen. Trotzdem gelangt ein Entschluss immer mehr zur Reife, der schon seit vielen Jahre aus Mangel an Gelegenheit immer wieder vertagt werden musste – jetzt gibt es keine Ausrede mehr: Auf so viel Platz gehört auf jeden Fall ein spaßiges Haustier!

Nun habe ich ja seit langem das Glück, immer mal wieder temporärer Hundebesitzer sein zu dürfen. Ich liebe Hunde, besonders große, kluge wie Luzie, mit denen man wirklich was anfangen kann. In der Ostsee schwimmen. Am Fahrrad laufen. Sich die Füße wärmen lassen. Sich auf einer einsamen Landstraße im Dunkeln sicher fühlen. Da ich ja auch in meiner neuen Firma Chef bin und bei den verschwesterten Firmen, die das Gebäude mit mir teilen ziemlich coole Leute arbeiten, könnte ich so einen Bello sicherlich auch super mit zur Arbeit nehmen.

Und trotzdem…das Problem bei so einem Hund ist, zumindest, so lange man mit ihm allein lebt, dass man den Alltag im Prinzip voll auf das Tier einstellen muss. So ein großer Hund muss nicht einfach mal nur zweimal am Tag um die Ecke, sondern eher so zwei Stunden täglich richtig bewegt werden. Bei einem minimum 9-stündigen Arbeitstag plus eineinhalb Stunden Autofahrt gar nicht so einfach. Außerdem hat Kiel ja nicht nur Sonnentage, und ich bin gelegentlich ziemlich faul. Darüber hinaus schränkt einen ein weniger wohl erzogener Hund als Luzie auch dahingehend ein, wo man ihn mit hinnehmen oder wie lange man ihn allein zu Hause lassen kann. Also…so gern ich auch einen eigenen hätte, bin ich vielleicht als Gelegenheitshundebesitzer erstmal besser dran.

Karnickel sind für Kinder, Meerschweinchen stinken, Vögel sind zu laut, Fische zu langweilig. Also – was bleibt?

Miezekatzen natürlich. Mit Miezekatzen hab ich im Prinzip viel mehr Erfahrung als mit Hunden, denn ich hatte immer welche, zumindest so lang ich im Haus meiner Eltern wohnte.  Eine ist aber doof, wenn diese nicht raus kann und zudem die meiste Zeit des Tages allein ist. Also zwei, warum nicht? Die Wohnung ist  groß genug. Katzen sind gute Kumpels, pflegeleicht und bieten einen schier unendlichen Quell an Unterhaltung – warum wohl handeln 99,78 % aller HP’s im Netz von den Katzen ihrer Betreiber? Bald kann auch ich Videos wie diese drehen:

Direktlink

Ich habe die Weihnachtsfeiertage ausersehen, um die neuen Familienmitglieder mit ihrer künftigen Behausung vertraut zu machen. Wenn’s demnächst also nix zu erzählen gibt – im Zweifelsfall Katzen-Content.


Welcome home…

August 3, 2009

Seit gestern bin ich in der neuen Wohnung. Der Umzug war verdammt anstrengend, und wegen Zeitmangel und der laufenden Renovierung des oberen Teils werde ich noch eine Weile aus Kisten und von Take Away-Food leben müssen. Sei’s drum. Bis Herbst dürfte in meinem kleinen Nest alles schick, wohnlich und seelenerfreuend fertig sein.

Meine Mutter hat mir immer gesagt: „Was man die erste Nacht in einem fremden Bett träumt, geht in Erfüllung!“. Das hat mir bei solchen Gelegenheiten Angst gemacht, wo ich morgens in einem fremden Bett nach alkoholinduzierten Alpträumen wach wurde. Zum Glück erläuterte sie irgendwann, in Wirklichkeit hieße es: „Was man in der ersten Nacht im EIGENEN Bett an NEUER STELLE träumt, das geht in Erfüllung“. Puh, ein Glück.

Über die Ausbeute der ersten Nacht in diesem meinem neuen Heim kann ich jedenfalls nicht klagen: Nachdem ich mit Freudentränen ob der glitzernden Fördelichter vor meinem Fenster, todmüde und fertig vom Umzug endlich eingeschlafen war, träumte ich erst von einem Lottogewinn, dann dass Robbie Williams sich von der Bühne runter bei einem Take That-Konzert in mich verliebte, was ja quasi einem zweiten Lottogewinn nahekommt. Da wär ich mit einverstanden.

Habt ihr wieder was gelernt. Außerdem wissen wir jetzt, dass der digge Robbie demnächst wieder zu seiner alten Band dazustößt, in England kann man darauf wetten…also los. :-)

Habt doch einen Blick auf meine twitpic-Seite für ein paar Impressionen vom Umzug und der neuen Behausung…


Ganz einfach

Juni 1, 2009

Man nehme 3  einfache Elemente, um in einen Zustand akuter ekstatischer Lebensfreude zu geraten:

1.) eine schöne Landschaft im Sonnenschein (z. B. Ostholstein),

2.) ein Cabriolet das einen

3.) mit der Lieblingsmusik beschallt.

Fertig ist der perfekte Moment.

(P. S. Abholfilm ist in Arbeit :-) )


Das zweiundzwanzigste Türchen – Jahresrückblick-Stöcki

Dezember 22, 2008

Es ist mal wieder so weit…letzte Woche war doch erst Weihnachten?! 2008 geht zu Ende und oh, what a year… hier ein paar Fragen geballt, aufgesammelt im Stöckchenblog.

Vorherrschendes Gefühl für 2009? Spannung. Da kommt so einiges, glaub ich.
2008 zum ersten Mal getan? Einen nahestehenden Menschen verloren.
2008 nach langer Zeit wieder getan? Geklettert. Naja so halbwegs.
2008 leider gar nicht getan? Länger als einen Tag am Stück nicht geweint.
Wort des Jahres? Zukunft.
Zugenommen oder abgenommen? Abgenommen
Stadt des Jahres? Stavanger
Alkoholexzesse? Überschaubar…mal abgesehen von der Kieler Woche, die war hart.
Davon gekotzt? Zweimal, glaub ich
Haare länger oder kürzer? Beides, erst kurz, jetzt wieder länger. Und mehrfach die Farbe gewechselt.
Kurzssichtiger oder Weitsichtiger? Weder noch.
Mehr ausgegeben oder weniger? Mehr. Aber auch mehr verdient, deshalb okay.
Höchste Handyrechnung? Bummelig 80 Euro.
Krankenhausbesuche? Zwei.
Verliebt? Drei halbe Male.
Getränk des Jahres? 2005er Gondorfer Gäns (Riesling).
Essen des Jahres? Lachs-Tofu-Burger in Stavanger.
Most called persons? Meine Mutter. 2 ungenannt Bleibende.
Die schönste Zeit verbracht mit? Meinem Vater, Elsbe & Corinna, S. in Pilsen.
Die meiste Zeit verbracht mit? Mir selbst
Song des Jahres? Viva la vida
CD des Jahres? Die Best of A-ha, die wir in Norwegen gehört haben.
Buch des Jahres? Meine Seele. Erstaunliche Dinge entdeckt. Und „Die Bibel nach Biff“, sehr gelacht.
Film des Jahres? Elizabethtown (ja, schon was älter, aber bei mir dauert’s halt mal länger mit Filmen…)
Konzert des Jahres? Das 15-minütige Morrissey-Konzert im Januar. Der Arme ist dann krank von der Bühne gewankt.
TV-Serie des Jahres? Wie immer: Scrubs
Erkenntnis des Jahres? Man kann niemanden halten, dessen Zeit gekommen ist oder der nicht zu einem gehört
Drei Dinge auf die ich gut hätte verzichten können? Meinen Vater zu verlieren, verarscht und ausgenutzt zu werden.
Nachbar des Jahres? Der Typ, der geholfen hat, meine Truhe hochzuschleppen.
Beste Idee/Entscheidung des Jahres? Geschäftlich wieder eigene Wege zu gehen.
Schlimmstes Ereignis? Das sagte ich ja schon mehrfach.
Schönstes Ereignis? Norwegen.
2008 war mit einem Wort? Umwälzung

Und bei euch so?


Das erste Türchen 2.0

Dezember 1, 2008

Der kleine Lacher vor Feierabend…


Foto mit Geschichte-Stöcki

November 30, 2008

Ich habe von Aquii ein wunderbares Stöckchen bekommen, was mitn büschn Seele, also ganz nach meinem Geschmack…

Die Aufgabe ist, das schönste oder bedeutendste Bild rauszusuchen, das man so hat, und seine Geschichte zu erzählen. Meine Geschichte ist keine fröhliche, auch wenn man das dem Bild nicht unbedingt gleich entnehmen kann. Aber die Natur dieses Stöckchens lädt natürlich etwas dazu ein, sentimental zu werden… Da mein norddeutscher Sprecheinschlag ein Argument für Aquii war, mir dieses Stöckchen gezielt zuzuwerfen, gibt es diesmal ausnahmsweise die Geschichte nicht niedergeschrieben, sondern erzählt. Passt aber auch irgendwie.

Hier also zunächst das Bild:

kopie-von-dsc_02641

Und hier der Ton:

Schaukeln bis zu’n Himmel (Am besten im Extrafenster öffnen, zurücklehnen, Foto ankucken und zuhören…)

So, und fast ausnahmsweise will ich dieses Stöckchen mal gezielt weiterwerfen an Leute, von denen ich weiß, dass sie auch gerne mal Fotos machen und vielleicht was dazu erzählen möchten – also: Elsbe, Thommy, Schaps, Michi, Oasenhoheit, Daniela, Micha, Herr März, Miss Liss, Micmox und Andre, fühlt euch direkt angesprochen, aber natürlich ist auch jeder andere eingeladen, es aufzusammeln… muss ja nicht sentimental, kann ja auch ne lustige Geschichte sein – vielleicht etwas, was sich für diese Website eignet??

UPDATE: Ich hab das Foto gefunden von mir selbst in der Schaukel…da muss ich so vier Jahre alt gewesen sein, das Viech da neben mir hieß „Griselda“ und war zu der Zeit ungefähr genau so groß wie ich. Ein Esel. Und jetzt, wo ich das so seh fällt mir auf, dass es auch den zur Schaukel gehörenden Rattan-Beistelltisch noch gibt – in meinem Wohnzimmer!

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Aventura Morrisstica I – Showdown in Bremen

November 24, 2008

So langsam muss ich mal anfangen, hier die großen Meilensteine in meinem Leben anzugehen…also, here we go.

Zu den großen Meilensteinen gehört sicherlich diese… Morrissey-Kiste. Ich hab in meinem Entwürfe-Ordner schon einen stetig wachsenden Artikel rumliegen, der einen Erklärungsversuch für das Wieso und Warum liefern will. Aber das ist sehr komplex.

In Kürze gesagt ist es so, dass Morrissey als Künstler in mir eine Note zum Klingen gebracht hat, die vorher in meinem Leben unberührt blieb. So oder ähnlich würde wohl jedes Mitglied des verschworenen Morrissey-Follower-Clubs das Gefühl beschreiben. Fürs Erste müsst ihr das so hinnehmen, bis ich mit einer ausführlicheren Erklärung komme.

Aber diese Story-Reihe soll ganz unphilosophisch werden…die Aventura Morrisstica handeln schlichtweg von den ganzen verstrahlten Geschichten, die mir so und wirklich wahr auf den Spuren von Morrissey passiert sind. Nachdem ich ein kurzes Meinungsbild bei Twitter eingefangen habe, fange ich hier zunächst mit Schreiben an – ich werde aber die eine oder andere Geschichte auch sicher mal vor der Kamera erzählen, weil sie ansonsten von der Länge her ausartet und so auch einfach lustiger ist.

Ich hatte im Laufe der Jahre mehrere „Beinahe-Begegnungen“ mit Morrissey, und von der chronologisch ersten will ich heute mal berichten.

Wir schreiben das Jahr 1999…Mizzie ist noch voll im Erstrausch der Entdeckung und darf das erste Mal ihren neuen Helden live sehen. Und zwar gleich fünfmal in Folge auf seiner Deutschlandtournee. Es war glaub ich das dritte Konzert auf diesem Tourabschnitt – Bremen, Pier 2, am 16. Oktober.

Schon auf der Hinfahrt passierten wunderliche Dinge – ich traf nämlich auf der A7 auf den Van der wunderbaren Supportband Sack, denen ich mit Händen und Füßen und unter Zuhilfenahme der ins Fenster gehaltenen Konzertkarte (damals musste ich so was noch kaufen, tst) zu verstehen gab, dass ich ihnen gerne folgen würde. Das tat ich dann auch, ungeachtet dessen, dass sich die armen irischen Jungs in Bremen wahrscheinlich noch schlechter zurechtfinden würden als ich.

Nun ja, wir schafften es zur Halle, man verabschiedete sich freundlich und so war ich im Getümmel…schon zwei Abende vorher hatte ich in Hamburg zwei Jungs kennengelernt, die ich dort wieder traf. Nennen wir sie mal Typ 1 und Typ 2. Typ 1 ist bis heute ein Freund von mir und lebt ebenfalls in Kiel, Typ 2 hab ich nie wieder gesehen. Noch vor dem Konzert entwickelten wir einen nahezu genialen, FBI-esquen Schlachtplan, mit dem wir es schaffen wollten, Morrissey endlich mal „in echt“ zu sehen.

Gesagt, getan…der geniale Plan sah vor, dass Typ 2 sich noch während der Zugabe aus dem Publikum ziehen ließ, wohlwissend, dass Morrissey noch während die Band spielte in die Limo springen und sich zum Hotel fahren lassen würde. So geschah es auch. Typ 2 heizte im Auto hinterher und informierte uns per Handy (damals eine ganz neue, hippe, moderne Erfindung – sowas wie ein tragbares Telefon), wohin die Reise ging. Das Hotel Maritim.

Nach Abschluß des Konzerts heizten Typ 1 und ich also hinterher, parkten das Auto weg und trafen uns vor dem Hotel mit Typ 2. Wir waren alle reichlich nervös ob der Aussicht, gleich unseren gemeinsamen Helden zu treffen. Da standen wir nun und…ja…wußten rein gar nichts mit uns anzufangen. Der Plan ging nur bis zu dem Moment, an dem wir am Hotel ankamen. Was nun?

In Ermangelung irgendeiner Idee standen wir erstmal doof rum. Es war saukalt, Mitte Oktober eines sehr, sehr kalten Herbstes. Nach ca. einer halben Stunde rollte erstmal der Tourbus vor und spuckte Morrissey’s Band aus. Nach kurzem Schnack, Autogrammverteilung und viel Gelächter darüber, dass wir drei Helmis da in der Kälte standen, als wenn Morrissey ernsthaft noch mal rauskommen würde, verabschiedeten die Herren sich und belegten die Bar.

Wir standen da immer noch.

Als nächstes fuhr der Van von Sack vor. Auch hier wieder großes Hallo und Gelächter, außerdem hatte ich natürlich schon einen Spitznamen weg – „The Follower“. Nun gut. Auch diese Herren verabschiedeten sich nach kurzer Zeit in die Bar.

Wir standen da immer noch.

Irgendwann wechselten wir die Straßenseite, um einen besseren Blick auf die verdächtigen Hotelzimmer zu werfen. Die Suiten des Maritim Bremen sind nach vorne in die Rundung gebaut, außerdem sind die Decken verspiegelt o.ä., jedenfalls kann man von der Straße, zumal abends wenn drinnen Licht ist, recht gut hineinsehen. Dank Morrissey’s markantem Profil, das jeder Fan sogar im Stockdunkeln noch erkennen würde, hatten wir relativ schnell raus wo er war – denn der Gute tigerte wie ein aufgescheuchtes Hühnchen durch seine Suite und, wie gesagt, man konnte alles sehen…

Nur wussten wir mit dieser Info immer noch nichts anzufangen – wir waren noch nicht tief genug gesunken um die verzweifelten Methoden an den Tag zu legen, die manche Fans entwickeln, um ihrem Idol so richtig auf die Pelle zu rücken. Heimlich ins Hotel zu schleichen und sich bis in den Flur durchzuschlagen war also z. B. keine Option. Wir wollten höflich bleiben.

Eine weitere Stunde war vergangen, wir standen nach wie vor doof rum und es mag 1.00 Uhr geworden sein. Unsere Lebensgeschichten hatten wir uns mittlerweile erzählt, jeder eine Schachtel Kippen weggequalmt und überhaupt…so langsam war der Witz auch vorbei. Ab und zu schauten wir mal hoch zum Zimmer, aber die anfängliche Begeisterung war merklich verflogen und die Stimmung sank gen Nullpunkt.

Bis, ja bis…ich mal wieder einen genaueren Blick auf die Hotelfront warf und feststellte dass das, was wir bis dato für einen Blumentopf gehalten hatten, in Wirklichkeit der Kopf eines Menschen war, der mit glühenden Augen in der Fensternische hockte und heimlich hinunterschaute.

Ich kann bis heute nicht beschwören, dass es Morrissey war – aber ich hab die Geschichte letztens auch Elsbe erzählt und die bestätigte meinen Verdacht: Es würde einfach passen. Morrissey ist das einzige Pop Icon auf der Welt, dem man es unbesehen zutrauen würde, dass er einen ganzen Abend damit verbringt, heimlich die Leute zu beobachten, die vor dem Hotel stehen um ihn zu beobachten. Der macht so was. Wahrscheinlich gab’s auch einfach nichts im Fernsehen.

Na jedenfalls kam mit dieser Entdeckung wieder Leben in die alten Ladies und wir wurden ganz aufgeregt…der kurze Adrenalinshot gab uns den Mut, doch tatsächlich mal das Hotel zu betreten und scheinbar ganz locker, wenn auch mit dem Herzen in der Hose, in die Bar zu schlendern.

Groooßes Hallo! Band, Crew, Supportband, eigentlich alles minus Morrissey (was so üblich ist, wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten) waren in der Bar und freuten sich über unseren Besuch. Sofort scharrten sich Boz, Gaz & Co. um uns, wir bekamen Getränke gereicht und wurden erstmal ausgequetscht. Einfach nur so, über nichts Besonderes. Wie heißt ihr, wie alt seid ihr, was macht ihr, seid ihr aus Bremen. So die Nummer. Bis heute bin ich immer wieder erstaunt über die Freundlichkeit, Zugänglichkeit und mangelnde Berührungsangst dieses Personenkreises. Die anfängliche Lähmung, die uns überfallen hatte als wir mit unseren Zweitligahelden konfrontiert wurden, war im Nu verflogen.

Der Rest des Abends verging wie im Rausch… bis 4.00 Uhr standen wir da mit den Jungs und als ich schließlich zurück nach Hamburg fuhr, hab ich im wahrsten Sinne des Wortes Sternchen gesehen. Ich habe in den darauf folgenden vier Tagen insgesamt ca. 15 Stunden geschlafen und fühlte mich wie im Amphetamin-Rausch.

Tja, und das war der Beginn einer wunderbaren langen Reise…. wenn ich das jetzt aufschreibe muss ich selber lachen über meine Naivität und Beeindruckbarkeit von damals. Aber das sind so Dinge die man tut und empfindet, wenn man zum ersten Mal den Rock’n'Roll-Zirkus betritt. Dass ich auch nur 3 Minuten VOR dem Hotel warten würde, ist mir z. B. nie wieder passiert. Aber ich war jung und hatte kein Geld, da improvisiert man schon mal. So ein gewisses Stalker-Potential brauch man auch, wenn man Geschichten dieser Art erleben will…aber ich hab mich immer benommen, ich schwöre!

Aber dazu mehr in den nächsten Geschichten…alle wirklich erlebt, nichts dazu gedichtet, höchstens hier und da mal was weggelassen. Aber das muss sein. ;-)