Ordnung muss sein

August 24, 2009

Mal wieder ein Paradebeispiel deutscher Bürokratie und der damit zusammenhängenden Verschwendung unserer sauer verdienten und schmerzhaft aus uns rausgequetschen Steuergelder. 

Vorgeschichte: In meiner neuen Firma bin ich geschäftsführende Gesellschafterin, allerdings mit einer Minderheitsbeteiligung. Die Feststellung der Sozialversicherungspflicht bei GmbH-Geschäftsführern ist eine tricksige Angelegenheit – mit ein paar Formulierungsfeinheiten im Arbeitsvertrag gelingt es dieser Berufsgruppe auch manchmal, sich aus der Sozialversicherungspflicht rauszuwinden, das hat mit teils frei auslegbaren Kleinigkeiten in Sachen Mitbestimmungsrecht und Geschäftsanteil zu tun. Und je nachdem wirst du halt als selbständig eingestuft oder auch nicht (in einfach erklärt). 

Dieses Rauswinden habe ich von vornherein unterlassen, da mir die Sozialversicherungspflicht durchaus entgegen kommt – ich war ja nun ein paar Monate Privatpatient und weiß, dass es in unseren Zeiten eigentlich gehupft wie gesprungen ist, ob du nun GKV- oder Privatpatient bist, wenn du – wie ich – ohnehin nie krank bist und die Hälfte deines Bekanntenkreises aus Ärzten besteht. Die Rente, ja mein Gott, die ist nicht sicher, aber ebenso wenig sicher sind die drei Privatrenten, in die ich außerdem noch einzahle, das hat ja die Finanzkrise bewiesen. Und wenn das Leben doch mal anders verläuft als geplant, so kriegt man als Sozialsklave halt Behinderten- oder Frührente, Elterngeld und all diese Späsken, die für Selbständige nur schwer oder gar nicht zu bekommen sind. So hat’s mir zumindest meine Steuerberaterin erklärt. 

Als also der entsprechende Fragebogen mit jeder Menge Fallen und Fangfragen von der Deutschen Rentenversicherung kam, habe ich diesen wahrheitsgemäß ausgefüllt und mich nach eigener Einschätzung als sozialversicherungspflichtig eingestuft. Außerdem hab ich vom ersten Tag meiner Festanstellung an bereits Sozialversicherungsbeiträge in nicht unwesentlicher Höhe abgeführt. Mir egal, Steuern tun viel mehr weh und um die komm ich ja eh nicht rum. 

Dieses korrekte Bürgerverhalten hindert jedoch die Deutsche Rentenversicherung nicht daran, mir heute mitzuteilen dass nach § 7a ff. des Vierten Buches des Sozialgesetzbuches SBG IV TROTZDEM  ein Statusfeststellungsverfahren eingeleitet wird und ich bitte sofort Gesellschaftervertrag, Geschäftsführervertrag, Handelsregisterauszug und diverse andere Sachen noch nachzureichen habe. 

Ich werde also die nächste Stunde am Kopierer verbringen und diesen Bürohengsten meine sensiblen Unterlagen zukommen lassen, damit sie mir bestätigen können, was ich ihnen ohnehin schon mitgeteilt habe. Ordnung muss sein. Immerhin sind wir hier in Deutschland.


Dokumentation des Schreckens

August 12, 2009

Wie eine Krankheit ins Leben eindringt.

12.8.09, 9.12 Uhr: Mizzie betritt ihr Büro

12.8.09, 9.28 Uhr: Mizzie hört Kolleginnen (eigentlich keine direkte Kolleginnen, arbeiten bei Schwesterfirma, die aber auf demselben Flur sitzt) Frau L.-H. und Frau K. über Frau K.’s Urlaub klönen und kriegt mit, dass diese irgendwie nicht gesund zurück gekommen ist.

12.8.09, 9.42 Uhr: Frau L.-H. kommt mit bleichem Gesicht in Mizzie’s Büro und fragt: „Frau Q., haben Sie zufällig irgendwas zum desinfizieren da?“ Mizzie kuckt blöd und antwortet: „Ääähhh nö. Sonst ja immer, aber jetzt gerade nicht.“ Frau L.-H. berichtet, Frau K. sei vom Wandern im Allgäu zurückgekommen, wo 40 Mitreisende vor ein paar Tagen mitten in der Nacht mit dem Hubschrauber wegen Magen-Darm ins Krankenhaus geflogen worden wären. Offensichtlich habe der Norovirus die ganze Baggage niedergestreckt, Frau K. habe auch schon erhöhte XY-Werte im Blut sei aber trotzdem zur Arbeit gekommen, die doofe Kuh.

12.8.09, 9.55 Uhr: Mizzie twittert die Geschichte, noch lacht sie.

12.8.09, 10.09 Uhr: Mizzie horcht in sich hinein…sind da nicht schon leichte Übelkeitsanzeichen? Ganz bißchen? Hmmmmmmnööö naja gut, dann nicht.

12.8.09, 10.19 Uhr: Ein deutlich hörbares Darmgrummeln versetzt Mizzie in kurze Panik. Aber es sind dann doch nur die Toppas vom Frühstück.

12.8.09, 10.31 Uhr: Mizzie hat „Norovirus“ gegoogelt und ist plötzlich gar nicht mehr zu Scherzen aufgelegt.

12.8.09, 10.43 Uhr: Frau L.-H. betritt Mizzie’s Büro und berichtet, immer noch schreckensbleich, die ersten Kollegen hätten vorsorglich das Gebäude verlassen. „Alles Sesselpuper“ denkt sich Mizzie und plant schon mal ihr Mittagessen. Frau L.-H. berichtet weiter, trotz bester Connections zu Ärzten und deren Dienstleistern sei im Umkreis von XX Metern kein medizinisches Desinfektionsmittel aufzutreiben. Sei aber auch egal, der Norovirus würde über derlei verzweifelte Maßnahmen ohnehin nur süffisant lächeln.

12.8.09, 11.03 Uhr: Kollege Dr. P., studierter Mediziner aber schon seit 30 Jahren im Schreibtischdienst, knallt mit der Bürotür und verlässt fluchtartig das Gebäude. Frau L.-H. berichtet, sie würde sich nicht trauen etwas zu essen.

12.8.09, 11.15 Uhr: Mizzie überlegt sich die Konsequenzen einer plötzlichen Erkrankung: Ab Montag muss eine neue Mitarbeiterin eingearbeitet werden, wär schon Scheisse. Diese Woche Schlußredaktion, Redakteur im Urlaub, auch doof. Zu Hause Handwerker, auch nicht so toll. Also lieber gesund bleiben.

12.8.09, 11.23 Uhr: Mizzie überlegt, ob sie heute Abend wirklich zum Familienessen gehen soll angesichts der Tatsache, dass ihr Bruder mit seinen 3 Kindern am Samstag in den Urlaub fahren will. Hm.

12.8.09, 11.55 Uhr: Die Lage hat sich etwas beruhigt, nachdem die Ängstlichsten das Gebäude verlassen haben und niemand der Dagebliebenen auch nur die geringsten Symptome verspürt. Hier und da wird noch mal gewispert auf den Fluren. Mizzie fällt ein, dass sie mehr Angst vor dem Fertigsalat haben sollte, den sie mittags immer isst denn da sollen ja schon die dollsten Sachen drin gefunden worden sein.

12.8.09, 12.30 Uhr: Mizzie macht sich mit dumpfem Gefühl im Magen auf zum Supermarkt, um ihre mittäglichen Salat einzukaufen.

12.8.09, 13.22 Uhr: Mittagspause Ende – Mizzie entschied  spontan gegen Salat und verspies stattdessen kleine griechische Schweinereien in Portionsdöschen vom Wochenmarkt. Auf dem Weg zurück traf sie den Geschäftsführer des Mutterschiffs. Man tauschte  Witze über Noro-Flüchtlinge.

12.8.09, 13.31 Uhr: Das Mittagessen war nicht so der Hit. Beinahe wünscht sich Mizzie etwas, was den Magen anständig aufräumt. Werden ihre Wünsche erhört? Immer noch keine Spur von echten Krankheitsfällen.

12.08.09, oh, schon 14.34 Uhr: Mizzie muss mal wieder Leute am Telefon anschreien, was ihr doch so schwer fällt, und vergisst darüber ganz die quasi tödliche Bedrohung. Mittagessen liegt auch schon nicht mehr so schwer im Magen. Frau L.-H. noch nicht wieder vom Mittagessen zurück – in der Fußgängerzone dahin gerafft?

12.08.09, 15.06 Uhr: Die Handseife im Damenklo ist alle!! (*hier Soundeffekt von „Psycho“ einspielen*) Wir sind alle verloren!!

12.08.09, 15.55 Uhr: Mizzie fragt sich, wie sie diesen Blog-Beitrag zuende kriegen soll, wenn es sie doch noch dahinrafft: Wird sie auch vom Kranken- oder Totenbett noch berichten können? Kann man mit Infusionsschläuchen im Arm tippen? Ist Internet auf der Intensivstation überhaupt erlaubt?

12.8.09, 16.43 Uhr: Ein noch viel tragischeres Ereignes überschattet die dramatische Entwicklung: Twitter is mal wieder down! Wen kümmert da schon drohender sturzartiger Brechdurchfall?!

12.8.09, 16.46 Uhr: Der Schreck währte nur kurz, Twitter ist wieder da. Die Angst vor dem Virus hingegen gährt weiter.

12.8.09, 17.20 Uhr: Mizzie entscheidet, dem Familienessen beizuwohnen. In einer harmonischen Familie soll man schließlich alles teilen.

12.08.09, 18.06 Uhr: Mizzie verlässt mit einem fröhlichen Liedchen auf den Lippen das Büro und macht sich daran, dem Norovirus Kiel zu zeigen.

Schalten Sie auch morgen wieder ein wenn wir die Fragen beantworten: Was hat Mizzie letztlich mehr zu schaffen gemacht, das Norovirus oder der Fisch zum Abendessen? Wird unsere Heldin die Nacht überstehen? Werden die Beinahe-Kranken morgen wieder erscheinen? Wie wird die Hansestadt Hamburg reagieren auf Mizzie’s Besuch – gibt es einen Notfallplan?

Wir werden sehen.


Kulturfernsehen

Mai 11, 2009

Mir als bekennender Trash-TV-Kuckerin konnte nicht entgehen, dass Pro7 seinen normalerweise überdurchschnittlichen Output an u-IQ-70 Formaten auf ein Minimum eingeschränkt hat. Das mag nun an der Finanzkrise oder an gegenläufigen Fernsehtrends liegen, Tatsache ist jedenfalls, dass meinereinst zur Zeit nur noch bei Germany’s Next Topmodel mal für ein, zwei Stunden das Gehirn ausschalten kann.

Da diese Sendung sich aber bedrohlich dem Finale nähert und ich das Risiko nicht eingehen kann, meine Feierabende womöglich mit Lesen, ARTE kucken oder aktiver Partnersuche verbringen zu müssen, habe ich über meine Xing-Kontakte die Sendeverantwortlichen bei Pro7-Sat1 kontaktiert und einige Formatvorschläge eingereicht. Gerade wurde mir zu meiner großen Freude mitgeteilt, dass zumindest drei Vorschläge umgesetzt werden. Zwar werde ich leider nicht an den Gewinnen beteiligt (die müssen in bundesweite Bestechungskampagnen von Mediaplanern fließen), aber ich konnte durchsetzen, dass am Ende jeder Sendung „inspired by Mizzie“ eingeblendet wird.

Also, freut euch auf diese wunderbaren Sendungen:

1.) Als Fortsetzung der Erfolgsformate „Sarah und Marc in love“ und „Sarah und Marc – still crazy in love“ gibt es nun im nächsten Herbst „Sarah und Marc – just friends“. Wir erleben den Alltag des sympathischen Paares nach der Trennung: Der Glamour geht auch fernab der Bühnen von Einkaufszentren und Europa-Park nicht verloren. Das Leben zwischen Scheinwerfern und Scheidungsanwälten kann aber nicht verbergen, welche Hürden ein modernes Paar heute nehmen muss, wenn es um Kinder, Haus, Hof und vergoldete Leopardenstatuetten eine friedliche Einigung herbeiführen will. Zum Schutze Unschuldiger werden in dieser Staffel nicht nur die Kinder verpixelt dargestellt, sondern auch Marc’s häufig wechselnde Lebensabschnittspartnerinnen. Außerdem gewährt er uns Einblick in das aufregende Leben eines Popstars bei den Aufnahmen zu seinem neuen Album, das kurz nach dieser Staffel erscheinen wird.

2.) Auch „Jana-Ina & Giovanni – Wir sind schwanger“ verdient eine Fortsetzung. Die zweite Staffel „Jana-Ina & Giovanni – Zurück ins Leben“ handelt von dem Versuch der Beiden, ihre zu Gunsten des Kindes auf Eis gelegten Karrieren zu reanimieren. Ein Leben zwischen Windeln und Werbeverträgen, Gehversuchen und Gastauftritten in Stefan Raab-Sportveranstaltungen, Dreirad und Dschungelcamp-Vorbereitungen. Außerdem gewährt uns Giovanni einen Einblick ins aufregende Leben eines Popstars bei den Aufnahmen zu seinem neuen Album, das kurz nach dieser Staffel erscheinen wird.

3.) Zuletzt eine Fortsetzung, auf die die Welt schon lange wartet: Das Erfolgsformat „The Swan – by Verona Pooth“ von vor ein paar Jahren wird endlich fortgesetzt, allerdings mit dem gewissen Clou – in „The Ugly Duck – by Verona Pooth“ verwandelt die erfolgreiche Werbeikone Topmodels mittels Fress- und Saufkuren sowie zahlreichen kosmetischen Operationen in fette, unglückliche Hausfrauen. Die Moderatorin, Schauspielerin, Sängerin und Designerin begleitet die unglücklichen Hungerhaken in ein neues Leben abseits vom falschen Glitter der Modewelt – ein Leben mit echten Inhalten, echten Problemen und echter Tiefe. Außerdem gewährt uns Verona einen Einblick ins aufregende Leben eines Popstars bei den Aufnahmen zu ihrem neuen Album, das kurz nach der Staffel erscheinen wird.

Na, ist das nichts? Leider konnte ich mit meinem Vorschlag über die Fortsetzung von „Gülcan’s Traumhochzeit“ nicht landen, da eine Scheidung zur Zeit noch hinausgezögert wird. Aber dazu sicherlich bald mehr an dieser Stelle. Bleibt dran!


Fitnesstest á la surprise

November 7, 2008

Beinahe hätte ich diesen Beitrag „Ein neues Zeitalter – Phase 2″ genannt, aber das wäre etwas übertrieben gewesen…zwar steht dieses neue Unterfangen durchaus im Zusammenhang hiermit, aber es ist ja nicht so, als hätte ich noch nie im Leben Sport gemacht.

Aber diesmal wird’s ernst: Ich hab mich mit einem zweijährigen Knebelvertrag in die Klauen eines lokalen Fit- und Wellnesstempels begeben. Dort wurde am vergangenen Wochenende Tag der Offenen Tür gefeiert und ich ging schon mit dem 80%-igen Plan hin, mich einzuschreiben. Wenn’s an Disziplin mangelt, muss man sich selbst eben packen, wo’s wehtut – an der Geldbörse.

An der Tür wurde ich von einem schick beanzugten Trainer/Marketingmenschen empfangen, dessen Redeschwall ich gleich unterbrach mit der Bitte, er möge mir einfach nur den Wellnessbereich zeigen und mir sagen, wo ich parken kann. Das hat ihn etwas aus dem Konzept gebracht – was er nicht wußte war, dass er mir, ohne auch nur ein einziges Wort zu sagen, absolut alles hätte verkaufen können (meine fatale Schwäche für Männer mit schönen Augen und Haaren hat mir kürzlich schon eine Mitgliedschaft im Rettungshubschrauberfreundeverein eingebracht. Aber auch nach dem Rausch bleibt immerhin die Tatsache bestehen, dass ich für 40 Euro im Jahr nun bei einem Unfall im Ausland von denen mit einem Learjet abgeholt werde. Na, ist das nix? Ja gut).

Optik, Sauberkeit, Geruch und anheimelnder Dschungelgeräuschsoundtrack des Saunabereichs überzeugten mich in nullkommanix, und so wurde der Deal zur Freude des jungen Mannes innerhalb von 10 Minuten klargemacht.

Am Mittwoch Morgen dann musste ich zum Fitnesstest antreten, um auf Basis dessen einen High Tech-Computergestützten Trainingsplan auszuarbeiten, der mich der Erfüllung all meiner Träume näher bringen soll. Oder so.

Morgens im Fitnessstudio isses so toll…es sind fast nur Oldies und Moppel-Ich Hausfrauen da, was für mich zur Folge hat, dass die prüfenden Blicke in der Umkleide im Zweifelsfalle bewundernd bis neidvoll ausfallen (jawohl, Männer, Frauen machen das auch – allerdings geht es bei denen nicht um den Vergleich von Penismaßen, sondern natürlich um Menge, respektive Festigkeit von Brust-, Gesäß- und Schenkelfleisch).

Zudem bin ich ja einer von diesen kranken Menschen, die Sport am frühen Morgen dem nach Feierabend vorziehen. Das schockierend frühe Weckerklingeln wird von einem ganztägigen Gefühl von Frische und angenehmer Körperspannung wettgemacht. Leider werde ich die nächsten Monate noch auf dieses Vergnügen verzichten müssen, weil ich aufgrund beruflicher Verpflichtungen ansonsten um 6.00 Uhr dort aufschlagen müsste. Das ist selbst mir zu hart.

Aber zurück zum Fitnesstest… erwartet habe ich wirklich nicht viel, immerhin hab ich mich ein gutes halbes Jahr kein bißchen bewegt. Tanzengehen zähle ich aufgrund der dafür konsumierten Biermenge mal nicht mit. Meine Bein- und Bauchmuskeln sind aufgrund meiner sitzenden Tätigkeit kaum noch existent. Das einzige, mit dem ich immer punkten kann, sind meine stählernen Armuskeln – neben meinem Nachnamen und meiner Augenfarbe das stolzeste Erbe väterlicherseits.

Der Test ergab jedoch, dass nicht nur Arm-, sondern trotz allem auch Bein- und Bauchmuskeln soweit in Ordnung sind. Einzig der Rücken (wer??) könnte wirklich ein wenig Pflege gebrauchen. Den Rücken hab ich bis jetzt beim Sportmachen immer sträflichst vernachlässigt, muss ich ehrlich sagen. Bei näherer Betrachtung könnte das allerdings auch die Erklärung für meine andauernden Nacken- und Schulterverspannungen sein.

Also, Ziel: Rückenmuskelaufbau. Gewicht ist soweit hmmnaja in Ordnung, am Körperfettanteil könnte man aber definitiv noch ein wenig drehen, so der Trainer und ich einhellig.

Mit besonders großer Belustigung sah ich dem Konditionstest entgegen. Ich kenn das so, dass mein Puls  nach mehreren Monaten sportfrei bei der ersten richtigen Anstrengung mal eben auf 180 hochgeht und dort auch 10 Minuten nach Bewegungsende noch panisch vor sich hinpocht. Aber anscheinend kenne ich meinen Körper nicht mehr…denn nach 15 Minuten Standfahrradfahren blieb der Auswertungsbalken auf der Computerskala zwischen „sehr gut“ und „optimal“ stehen.

Hä?? Also, wenn Sportkrücken und Couch Potatoes wie ich schon eine beinahe optimale Kondition haben, wo geht der Balken dann bei Leistungssportlern hin, frag ich mich? Da stimmt doch was nicht…

Egal – auf jeden Fall kann’s jetzt losgehen. Dreimal die Woche hab ich mir vorgenommen – bzw. zweimal die Woche Training und am Wochenende Yoga mit anschließendem Saunagang  – mal sehen, ob ich noch die eine oder andere Privatführung bei meinem Trainer abzweigen kann… In 6 Monaten bin ich nicht wieder zu erkennen, ihr werdet es erleben.


Notiz an meinen bösen Zwilling, Kiel, 29.10.08

Oktober 29, 2008

So – wenn du hier gnädigerweise mal wieder reinschaust, schreib dir bitte Folgendes hinter die Ohren:

1.) Verballer nicht immer unsere besten Sprüche bei twitter, so was wie „ich wollte doch jung sterben und eine gutaussehende Leiche hinterlassen, aber dafür isses jetzt schon zu spät“ gehört eindeutig HIERHER, es bietet endlos Stoff für eine coole Geschichte und lustige Kommentare, besonders vom Taubenvergrämer

2.) Auch unsere Wortschöpfungen haben bei twitter nichts zu suchen, so gehen einfach die besten Sachen im Nirvana des quick-n-dirty-Bloggens verloren – hast du uns eigentlich „Blusenöffner“ schon schützen lassen? Nicht?!? Oh Mann, alles muss ich selber machen…

3.) Hör auf, übers Shoppen zu bloggen – wen interessiert das, doch nicht mal uns, hm??

4.) Nu ham wir schon einen geschützten Bereich für Seelencontent und Männergeschichten, jetzt sei auch bitte mal konsequenter mit der Zuteilung.

So, wärst du so nett? Sonst rennen uns hier die Leser weg und es wäre DEINE Schuld.

Und bring bitte Bier und Milch mit, wenn du nachher einkaufen gehst.


Mein neuer Mitbewohner

September 17, 2008

Mein Veränderungswahn hält unvermindert an. Das Wohnzimmer musste diesmal dran glauben: Möbel umstellen, altes Zeug in Keller schaffen, neues (altes) Zeug aus dem Keller rauf.

Obwohl ich solche Dinge – sei es aus Ehrgeiz oder aus Gewohnheit – normalerweise allein erledige, war es diesmal schlicht logistisch unmöglich, denn es gab ein großes Buffet und ein riesiges Regal zu verschieben sowie eine gigantomanische Truhe nach oben zu schaffen. Aber Hilfe ward gewährt und so packten wir es am Montag an.

Da sowohl mein Helfer als auch ich mit unseren Kräften gerne wirtschaftlich umgehen, – sprich – ziemlich faul sind, lautete die Mission, die großen Sachen zu verschieben unter Beibehalten des größtmöglichen Inhalts. Vom Regal haben wir gerade mal die technischen Geräte runtergeräumt, ansonsten wurde alles samt Büchern, DVD’s und Krams drin verschoben. Praktisch. Und deshalb hat die ganze Aktion auch weniger als eine Stunde gedauert.

Das weiße Regal steht jetzt vor der roten Wand – schön, oder??

Nun wurde die Truhe nach oben geschafft, auch das sah wahrscheinlich schlimmer aus, als es wirklich war. Die schöne, alte Holztruhe hab ich mir erst vor ein paar Wochen per Ebay-Kauf angeschafft und sie soll die neue Heimstatt all der sentimentalen Dinge werden, die ich kürzlich aus meinem Elternhaus weggeschafft hab, bevor es aufgelöst wurde. Beim Transport, so dachte ich, hatte es leider zwei Löcher in den Deckel geschlagen. Ein befreundeter Tischler klärte mich aber auf, dass Löcher dieser Art durch eine Käferart entstünde, die in so altem Holz „wohne“. Nun kann ich zwar nicht so gut auf Krabbelviecher, aber wenn man – wie ich – gerne zwischen dem ganzen Ikea-Einheitsbrei mal ein Möbelstück mit Geschichte und Charakter hat, dann muss man mit so was schon mal rechnen. Außerdem versicherte mir mein Tischlerfreund, das sei nicht schlimm – so bald ich die Truhe in der Wohnung hätte, müsste ich nur ab und zu mal auf den Deckel klopfen, das Viech würde nämlich keinen Lärm mögen und dann „ausziehen“. Die Frage „wohin?“ musste unbeantwortet bleiben.

Vor meinem geistigen Auge formte sich das Bild eines Käfers mit aufgeschnalltem Rucksack, der mit einem verschnupften „jetzt reicht’s, ich zieh aus!“ meine Truhe verlässt und in die Dachbalken einzieht. Ich fand die Vorstellung eigentlich sehr lustig.

Noch am Montag übernachtete meine Nichte bei mir  und berichtete mir am nächsten Morgen, dass sie nächtens in meinem Wohnzimmer seltsame Geräusche gehört habe. Sie habe mehrmals das Licht wieder angemacht um die Quelle aufzustöbern, aber dann habe es jedes Mal aufgehört. „Jaaa, das is bestimmt der diabolische Holzkäfer, der seine letzten Mahlzeiten zu sich nimmt“ hab ich noch gewitzelt. Wir resümierten dann, ich solle mich mit dem Viech vielleicht lieber gut stellen und ab und zu ein Schälchen Milch und ein paar Kekse kredenzen.

Seit gestern nun lache ich weniger, da hab ich’s nämlich selbst gehört. Das Viech mag wohl keinen Lärm, weil dieser seinen eigenen Lärm übertönen könnte. Bei den Geräuschen, die dieser „Käfer“ beim essen macht, wundert es mich, dass die Truhe überhaupt noch steht. Vor meinem geistigen Auge hat das Tier jetzt keinen Rucksack mehr, sondern einfach einen riesigen, alles zermalmenden Kiefer.

Ich lass das mit dem Klopfen und schau heute doch mal im Baumarkt vorbei, ob es für solche Fälle nicht eine schöne Chemiekeule zu kaufen gibt. Lieber giftige Dämpfe einatmen als beim Fernsehen von Käfern gefressen werden.

Dies ist übrigens die Heimstatt meines neuen Mitbewohners – wenn Holz reden könnte…


The evil ü30-Party from hell

August 9, 2008

Seit ich wieder in Kiel wohne, hab ich mich zweimal in verschiedenen Locations auf eine ü30-Party getraut. Gut, jetzt weiß ich wenigstens was da so passiert. Jedenfalls nichts für mich.

Das primäre Problem ist mal wieder die Musik. Wenn mich stundenlang die falsche Musik beschallt, krieg ich nun mal wirklich schlechte Laune. Dabei liiieeebe ich Discomucke á la Donna Summer, Sister Sledge und Bee Gees, was nun – so möchte man meinen – für so eine Veranstaltung der perfekte Soundtrack wäre. Denn schließlich ist man nur zum Tanzen und Baggern da.

Aber nein. Für diejenigen über 30, die sich tatsächlich nicht entblöden zu zweit dann im Discofox übers Parkett zu schieben, gibt es bösen, bösen Dorfdisko-Pop der Jahrzehntenwende 70/80er Jahre und ein paar Jahre danach. Musikalisch ein dunkles Kapitel, wie ihr wisst. Mir fällt nicht mal mehr ein Beispieltitel ein, weil diese Musik normalerweise auf meinem Radar nicht auftaucht. Gerne gehört in diesem Zusammenhang natürlich auch: Die unselige Neue Deutsche Welle.

Wenn mich an besagtem Abend jemand zum Tanzen aufgefordert hätte (wofür die Wahrscheinlichkeit dank des schleunigst aufgesetzten „Evil Mizzie“-Gesichtes denkbar gering war), wäre ich ihm wohl mit gebleckten Zähnen an die Gurgel gegangen. Denn erstens kann ich keinen Discofox, hab ja nie eine Tanzschule von innen gesehen. Und zweitens hätte ich ja davon ausgehen müssen, dass dieser Mann mir grundsätzlich nichts Gutes will, wenn er mich zu Beginn unserer Begegnung gleich in dieses Moloch hinabzieht.

Auf zweiter besagter ü30-Veranstaltung dann wurde das zweifelsohne düsterste Kapitel der Musikgeschichte abgefeiert: Eurobeat. Für die jung gebliebenen ü30er, die vielleicht in den 90er Jahren auch noch mal eine Dorfdisco von innen gesehen haben. Man mag nicht glauben, wie manche Leute zu 2 Unlimited und Dr. Alban abgehen können. Da schätzt man sich dann schon glücklich, wenn zwischendurch mal Kajagoogoo gespielt wird. Dass man erst so tief sinken muss.

Zu meinem Unglück wird auf solchen Parties die einzige musikalische Mainstream-Phase der 80er, die ich halbwegs interessant finde, komplett ausgeblendet: Die Jahre 86 bis 89! Das ist Musik, die klingt dann für mich nach endlosen Sommern, ersten Knutschereien, das erste Mal in die Disko dürfen (Ströhmann & Brinck, schlimme aber angesagte Institution in Kiel damals), erste Alkoholtests (viel zu bunt und viel zu stark) und diese vermaledeite erste Zigarette, die ich hätte lassen sollen.

Warum fällt mir das heute ein? Weil ich einen einzigen 80er Jahre-Sampler besitze, den ich irgendwie immer dann auflege wenn ich umziehe oder renoviere. Wie gestern geschehen, also, Renovierung. Und da sind sie alle: Blow Monkeys, Wham, Erasure, Living in a box, S’Express, Level 42, Nu Shooz, Joyce Sims, Taylor Dayne und, und, und…. so muss das sein. Da kann ich selbst in einem Ganzkörper-Plastikanzug mit Farbrolle in der Hand und barfuss in meinem eigenen Wohnzimmer das Tanzen nicht lassen. Und keine Chance für Evil Mizzie, denn: Ich lächle.

Also, liebe Celia – find mir eine ü30 mit solcher Musik, und dann geh ich da auch mit dir hin ;-)

Und zur Erinnerung hier mein Lieblingstitel von dieser CD: Er erinnert mich an den ersten verschämten Tanz mit jemandem – damals nannte man es wohl „Schwarm“ – der dann später unvermutet noch eine größere Rolle in meinem Leben spielen sollte…. Take it away, Wax: