Kommt mir bekannt vor…

Dass Popmusiker sich gerne mal bei Kollegen bedienen – „inspirieren lassen“ nennt man das dann – ist ja nichts Neues und auch nicht weiter verwunderlich… Immerhin ergibt sich aus einem doch sehr begrenzten Notenspektrum eine schier unbegrenzte Anzahl von Songs. Da kann es schon mal vorkommen, dass sich etwas wiederholt.

Nun haben einige das Klauen besser drauf als Andere. Ich find’s immer ganz lustig, wenn man Verwandtschaften entdeckt, die sich über zwei völlig verschiedene Genres oder mehrere Generationen erstrecken. Gerade in letzter Zeit sind mir beim Radiozappen wieder ein paar aufgefallen, die ich mal mit euch teilen möchte.

Für das erste Beispiel wurde ich letztens in Hamburg von meinen Freundinnen noch ausgelacht als ich sagte, das klänge doch an der und der Stelle wie das und das… aber hört selbst:

Hier mal zu Minute 2:39 springen…

Kennt ihr ja auch, nech? Wir ja gerade rauf und runter gedudelt… aber kennt ihr auch das hier noch?

Also…ich möcht ja gerne glauben, dass eine Band wie Mando Diao es nicht nötig hat, sich bei dem Diskohit von zwei Nobodys aus den 80ern zu bedienen, aber die Ähnlichkeit an dieser einen Stelle ist doch nun wirklich unverkennbar!

Nächstes Beispiel: Annette Humpe ist ja nun quasi bekannt dafür, dass sie schamlos klaut. Wenigstens kann sie es selbst mit so viel Humor nehmen, dass sie seinerzeit für die Prinzen einen Song namens „Alles nur geklaut“ schrieb. Aber manches Mal hat sie’s gut gemacht, und manchmal halt auch richtig schlecht und offensichtlich, wie bei diesem Teil hier:

Und hier das Original…(ab 0:23):

Ist doch eigentlich frech, oder? Da wurden mal eben sämtliche Elemente entliehen, drei Noten geändert und fertig ist der Hit. Ziemlich gute Kosten-Nutzen-Rechnung.

Das nächste Beispiel ist auch aus jüngerer Zeit, zumindest die erste Hälfte davon. Allerdings ist diesem nicht so einfach auf die Spur zu kommen, außer man hat Mizzie-Ohren: Hier wurde nämlich zwar die Gesangsmelodie entliehen, aber mit anderen Harmonien unterlegt, so daß man nicht sofort drauf kommt. Im Refrain dann allerdings auch der schmissige Diskopuls – hört selbst, hier ab 0:49:

Und hier das Original, ab 0:20:

Da hat wohl jemand zu tief in Papa’s Plattensammlung reingehört, was??

Zu guter Letzt will ich noch ein Beispiel zeigen, in dem der Künstler gar nicht erst versucht hat den Klau zu verbergen, sondern ihn für jeden offensichtlich zum Teil der Geschichte des Songs gemacht hat – Ladies and Gentlemen, Farin Urlaub mit seiner Ode an die welteinstenbeste Supergroup, The Smiths:

Und hier das beinahe unnachahmliche Original:

Mit diesem wunderbaren Titel und einem Vorgeschmack auf die Freuden von nächster Woche (ihr wisst ja, ich flieg mit Elsbesen nach Manchester um Morrissey zu kucken), schließe ich diesen Beitrag. A propos Morrissey: Der wusste schon zu sagen „Talent borrows, genius steals“. Allerdings stammt dieses Zitat in Wirklichkeit von Oscar Wilde, glaub ich. Und ich weiß auch nicht, ob das auf jedes der oben genannten Beispiele zutrifft…

P.S. Und bevor irgendein Naseweis jetzt fragt, warum ich nicht mit splicd.com gleich zu den entsprechenden Stellen gespult hab – ich hab’s probiert, aber der Sch**** ließ sich nicht einbetten und nach dem fünften Wutanfall hatte ich keinen Bock mehr. So.

5 Antworten zu „Kommt mir bekannt vor…“

  1. chefarzt sagt:

    Alle Achtung, da haste gut recherchiert.
    Das musikalische Problem ist schon seit, na ja, über 10 Jahren, würde ich sagen, dass es nur noch wenig Neues gibt. Es wird verwurstet, aufgewärmt, umverpackt. Okay, „inspiriert“ nennt sich das also heute.
    Ich versuche nun auch schon seit über 20 Jahren eine neue Musikrichtung zu „erfinden“, aber so langsam vermute ich, dass ich scheitern werde. Denn das „Rad“ kann man wahrscheinlich doch nicht neu erfinden.
    Wenn Du jetzt noch die Inspirationen von meinen Songs erkennen könntest …

  2. Aquii sagt:

    Frag mal, was fernöstliche Autoproduzenten vom Begriff des „Kopierens“ halten? ;)

  3. Ben sagt:

    Wenn man sich „Denkmal“ von Wir sind Helden genau anhört, erkennt man ganz klar „Where is my mind“ von den Pixies wieder.

    Und der letztjährige Eurovisionsgewinner Dima Bilan mit „Believe“ hatte seine Strophe von Cat Stevens „Wild World“ ausgeborgt.

  4. bauhausmensch sagt:

    …manchmal auch The Cure oder New Order. :-)

  5. aristokitten sagt:

    @chefarzt – Du meinst, wo du abkupferst? ;-) Keine Ahnung…irgendwas bluesiges, oder?
    @Aquii – Genau…ich sag nur Suzuki Mini äh Swift.
    @Ben – Das würde mich auch nicht wundern, die deutschen so genannten Indies sind auch ganz schlimm…
    @bauhausmensch – Aber grööößtenteils die Smi-hi-hiths… :-)

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