Tiergrippe, wie lustig

April 30, 2009

Also…wahrscheinlich bin ich spießig oder überempfindlich…aber der Anblick von Stefan Raab nebst Band in Ganzkörperschutzanzügen und Atemschutzmasken veranlasste mich gestern zu folgendem Tweet:

tweet

Mir ist schon klar, dass Witze dieser Art eher auf die Panikmache als auf die eigentliche Krankheit abzielen. Ich stehe trotzdem dazu – das ist zu früh. Vielleicht sollte man sich erstmal anschauen, ob das Ganze wirklich nur bloße Panikmache und Medienhysterie ist, oder ob es tatsächlich auch bei uns zu ernsthaften Erkrankungen kommt. Auch wenn Ryanair-Chef Michael O’Leary behauptet, Schweinegrippe sei eine Slum-Krankheit: Es gibt ja durchaus auch in Europa Menschen, deren Immunsystem vielleicht nicht dem wohlgenährten 1. Welt-Durchschnitt entsprechen. Und wenn erstmal ein paar Kinder oder Greise an dieser Grippe verstorben sind, steht man vielleicht blöd da mit seinen Witzen.

Denn es ist ja nun mal so – Medienhype hin oder her, an dieser Krankheit sterben Menschen, und sei es weit weg in Mexiko. Was kommt denn als nächstes – Witze über Krebs- oder AIDS-Kranke? Jeder halbwegs pietätvolle Mensch würde darüber doch auch keine Gags machen, was also ist denn an der Schweinegrippe so lustig?

Witze als Reaktion auf eine Medienhysterie ist nur eine andere Form von Hysterie. Eine Anti-Hysterie Übersprungshandlung sozusagen. „Haha, lasst ihr euch nur panisch machen, ich steh da total locker drüber“. Auch nicht besser als die Panikmache.  Aber stille Beobachtung und Zurückhaltung ist natürlich in Zeiten von Twitter ganz fürchterlich untrendy.


Post aus Spanien – oder Russland?

April 29, 2009

Heute morgen hatte ich eine Mail im Postfach von dem Absender „BONO OFFICE“ – ich so „YAY, Bono antwortet endlich auf meine täglichen Mails!!“ Aber nein, viel besser – ich hab schon wieder Geld gewonnen! Aber lest selbst…

OFFIZIELLE GEWINNBENACHRITIGUNG

Lieber Gewinner,

Wir sind zufrieden, Sie heute am 28Th APRIL 2009 der Ergebnisse Euromillones Lotterien primitiv international zu informieren,
hielt am 22nd DEC 2008 als ein Teil unserer Goldgrube Bonanza fest des Jahres 2008. Ihr Name beigefьgt an der Karte No 134-03650116-211,
Glьckszahlen 01-04-18-32-40-46+06-07, Seriennummer 01-4276, mit GRUPPE -ZAHL 01-4276/ES/08/DE, KENNZIFFER MOBIG/77/575/211/0508
die Lotterie auf der 3.Kategorie gewann hat.GLЬCKWЬNSCHE!!

Sie sind deshalb fьr eine Ausschьttung der einmaligen Pauschale von Ђ,950,777.00 (NUEN HUNDERT UND FЬNFZIG TAUSEND, SIEBEN HUNDERT, SIEBEN UND SIEBZIG EURO) im Bargeld kreditiert mit der KENNZIFFER MOBIG/77/575/211/0508 genehmigt worden. Das ist von einem Gesamtkassenpreis (Ђ10,485.547.00 ( ZEHN MILLIONEN VIERNHUNDERT UND FЬNF UND ARCHTZIG TAUSEND, FЬNF HUNDERT SIEBEN UND VIERZIG EURO) Geteilt unter den elf internationale Sieger in dieser Kategorie.
Ihr Fonds wird jetzt mit einem Finanzfirmenversicherungsnehmer in Ihrem Namen abgelegt. Deshalb wird kein Abzug ьberhaupt erlaubt, um von Ihrem Fonds gemacht zu werden. Wie man erwartet, berichten Sie dem Ausschuss, wenn das durchgebrochen wird. Wegen Mischung und verwechseln von einigen Zahlen und Namen, fragen wir, dass Sie diesen Preis von der Bekanntheit abhalten, bis Ihr Anspruch bearbeitet worden ist und Ihr Geld zu Ihrem nominierten Bank Konto erlassen worden, weil das ein Teil unseres Sicherheitsprotokolls ist, doppelte Behauptung oder das unberechtigte Ausnutzen dieses Programms durch Teilnehmer zu vermeiden.

( WIE HABE ich DIESEN WETTKAMPF EINGETRAGEN ?? WIE HABEN SIE MEINE E-MAIL-ADRESSE ERHALTEN ?? WIE HABE ich GEWONNEN ?? ).

Alle Teilnehmer wurden durch ein Computerstimmzettel System gezeichnet von ьber 100.000 Firmen und 55,000.000 einzelnen E-Mail-Adressen und Namen von ьberall auf der Welt ausgewдhlt. Um Ihren Lotterienanspruch zu beginnen, setzen Sie sich bitte in verbindung mit Ihrem Anspruch-Agenten, DON ANTONIO RUIZ Auslander abteilungleiter des EUROSKY SEGUROS S.A auf TEL.NR. 00-34-663-127-971, Oder FAX.NR. 00-34-917-905-000. fьr die Verarbeitung und Ьberweisung Ihres Geldpreises zu einem nominierten Bank Konto Ihrer Wahl. Erinnern Sie sich, der alle Preisgeld muss nicht spдter als 28TH MAY 2009 gefordert werden. Nach diesem Datum wird das ganze Kapital in den MINISTERIO DE ECONOMIA Y HAZIENDA als nicht beansprucht zurьckgegeben. Und auch informiert werden Sie dass 10 % Ihrer Lotterie wining gehцrt EUROSKY SEGUROS S.A, weil sie in Ihren Namen fьr diese Attraktion eingingen und sie Ihr Anspruch-Agent sind. Das, das 10 % vergeben werden, nachdem Sie Ihren gewinnenden Fonds in Ihre Bank Konto erhalten haben, weil der Fonds in Ihrem Namen bereits versichert wird. Um unnцtige Verzцgerungen
und Komplikationen zu vermeiden, erinnern Sie sich bitte, Ihre Kennziffer und Kunden nummer in jeder Ihrer Дhnlichkeit mit uns oder Ihres Agenten zu zitieren. AuЯerdem, sollte dort jede Дnderung Ihrer Adresse sein, informieren Sie wirklich Ihren Anspruch-Agenten so bald wie mцglich. Eingeschlossen mit diesem Brief ist auch eine Zahlung bearbeitet Formular die Sie vollenden ausfьllen und zurьck senden sollten zur FAX NR.00-34-917-905-000.(EUROSKY SEGUROS S.A.) Glьckwьnsche wieder von Allen unseren Mitgliedern und bedanken Sie sich dafьr, dass Sie ein Teil unseres Internationalen Promotionsprogramms Sind.

ZAHLUNG VERARBEITEN BESCHEINIGUNG

BITTE, DIESE ANTRAG BESCHEININGUNG SORGFДLTIG FULLEN UND FAXEN ZURЬCK SOFORT AUCH BEFESTIGUNG COPY IHRER INTERNATIONALEN PASS-ODER IHRER FЬHRER SCHEINE. MOBIG

KENNZIFFER ……………………..GRUPPE -ZAHL………………………….GEWINN SUMME…………….
VORNAME:……………………MITTELNAME…………………….NACHNAME………….
GEBURTSDATUM:……………..NATIONALITДT………………………VERFALLSDATUM…………
KARTE Nє: …………………………DAS GEWINNEN ZAHL………………….EMAIL:: ___________________
POST ANSCHRIFT ……………………………………………
STADT:…………………………………POST LEITZAHL……………..LAND……………..
TELEFON NR:…………………………HANDY NR:……………………………FAX NR:……….
BERUF………………………….. FAMILLIEN STAND (M)………….(S)………..(D)…………..
ICH MЦCHTE VORBEI GEZAHLT WERDEN:(A) BANK ЬBERWEISUNG (B) BESTДTIGTE SCHECK
BANK INFORMATIONEN, NUR WENN SIE DURCH BANKЬBERWEISUNG GEZAHLT WERDEN MЦCHTEN
IBAN (Wann vor Hand)………………………………………………..
NAME DER BANK: ………………………………………………KONTO INHABER……………………………………….
KONTO NUMMER………………………………….BANK LEITZAHL……………..
STADT…………………POST LEITZAHL……………………TELEFON NR:…………………..FAX.NR…………

ICH HERRN/FRAU ………………………………… BEGЬNSTIGTEN ICH MICH MEINER ERKLДREN.DASS ICH NIE JEDE MЦGLICHE ZAHLUNG IN MEINEM NAMEN DURCH EUROSKY SEGUROS S A. EMPFANGEN HABE. NOCH HABEN IRGENDWELCHE MEINER FAMILIE MITGLIED EINEN ANSPRUCH IN MEINEM NAMEN EINORDNETE. ICH HIER DURCH GEBEN-ERMДCHTIGUNG ZU EUROSKY SEGUROS S.A. DAS, ZUM IN MEINEM NAMEN MEINER ZAHLUNG VERARBEITEN UND AUF MEINER OBEN ERNANNTEN BANKKONTO UBERWEISUNG. ICH AUCH DAMIT EINVERSTANDED, DIE 10% KOMMISSION EUROSKY SEGUROS S.A. ZU ZAHLEN BEI EMPFANG VON MEINEM GELD IN MEINEM KONTO.
UNTERSCHRIFT:……………………DATUM……………

Diese Form muЯ ausgefьllt werden und Faxen zur EUROSKY SEGUROS S.A auf dem oben genannten Telefax Nummer

E-MAIL: euotto@gmail.com

E-MAIL: bnelro@gmail.com

Plaza Roman No 29 Planta 5
021143, Madrid, Spain.

Tel: 00-34-663-127-971.
FAX.NR. 00-34-917-905-000.
Tel/Fax:00-44-1-212-702-891.

Mit freundlichen Grьssen
DR JAUN OLEA
Direktor

Toll, nicht? Ich zugeben Probleme dass Verstand. Fortunenhaft aber primitiv ein Formular das sagt mir tun muss ich.

Ich weg jetzt, nicht brauchen euch mehr. Ich jetzt Hawaii und kaufen echt Freunde.

Mit freundlichen Grьssen

Mizzie


Notfall

April 28, 2009

Twitter ist echt das Geilste… dank meines Twitterkontaktes @paul_steele habe ich ein lang vermisstes und gesuchtes Internetjuwel wieder entdeckt, nur in besser! Vor 2 Jahren kursierte mal ein Soundfile von dem, was gleich folgt – ich weiß noch, dass ich nach dem ersten Mal Hören beinahe mit Blaulicht eingeliefert werden musste, Diagnose: Milzriss!

Nun kann man das Schmuckstück auch sehen, umso besser noch, als dass ja der Song und somit auch das, was dem Song entfernt ähnlich klingt, für meine Freundinnen Elsbe, Corinna und mich eine besondere Bedeutung hat…wer den zweiten Teil der ersten Norwegen-Trilogie gesehen hat, weiß Bescheid ;-)

Also… sit back and enjoy: The Final Countdown!

Direktlink

P.S. Aber was die Fransenjacken und die Hair-Performance angeht, hätten sie sich schon etwas mehr reinhängen können, oder?


Das Rad des Lebens

April 27, 2009

Ein Familienmitglied kommt…

ss8510461

…ein anderes geht:

Direktlink

(Übrigens, wer bei Anblick der Norwegenbilder (wie ich) sentimental wird: google-Video wird eingestellt und damit werden auch meine Filme bis auf Weiteres ins Nirvana verschwinden, bis es eine andere Plattform gibt, die Filme in der Länge zulässt. Wer sie noch mal sehen will, sollte das demnächst tun…)


Der ferngesteuerte Mensch

April 24, 2009

Kannse sagen wat du willst… Briten haben einfach den geilsten Humor. Und machen die tollsten Erfindungen…

Aber seht selbst:

Und der kann auch Schwäne, kuckt:

Der dazugehörige youtube-Channel (ziemlich lustiges Zeug…)

Hach nee, wie ich mich auf meinen England-Ausflug freu…:-)


Ich sehe nichts, was du siehst

April 18, 2009

Ich erwarb kürzlich beim Discounter meines Vertrauens eine neue Sporthose aus High-Tech-Lycra-Astronauten-Material in schmuckem steingrau. Bei meiner abendlichen Trainingssession am Mittwoch musste ich die natürlich gleich ausprobieren. Aber oh Schreck – bin ich schon so alt, dass ich bei der Mode so gar nicht mehr mit komme? Jedenfalls musste ich mich doch schwer wundern, dass der Schnitt dieser Hose zuließ, den oberen Bund bis unter die Achseln hochzuziehen. Das muss ziemlich dämlich ausgesehen haben, wie ich da in der Umkleide stand in meiner Ganzkörperhose.

Ich wollte mich gerade mit meinem Schicksal anfreunden und dachte so bei mir „ja, ist halt ne Profihose, wahrscheinlich wird der rezirkulierte Schweiss so wieder den oberen Hautschichten zugeführt und beugt so einem Flüssigkeitsverlust…ach nee…warte….ach so“ – denn anscheinend war dieser obere Lappen dazu gedacht, ihn über den auf normaler Bauchnabelhöhe gelegenen Bund zurückzuklappen, so dass er wie so eine Art Mini-Mini-Rock kleidsam den Hintern verdeckt. Ja schön. Der Bund war vom fließenden Stoff kaum zu unterscheiden, was sich später noch als fatal erweisen sollte.

Mir ist nicht entgangen, dass sich ein paar Köpfe auffällig schnell wieder wegdrehten, also ich durch die Umkleide marschierte um das Studio zu betreten. Aber gut, egal.

Denn es kam noch besser…nachdem ich also mein etwas mehr als einstündiges Standardprogramm durchgezogen hatte, inklusive 30 Minuten Laufband im Stechschritt mit 6 km/h und 12 %-iger Steigung (joggen machen meine Knie leider nicht mehr mit) bei einem perfekten konstanten Trainingspuls von 145 Schlägen die Minute, stand ich am schwarzen Brett, um mir die Kurse der nächsten Wochen durchzulesen. Gedankenverloren nestelte ich an meiner neuen Hose rum um den vermeintlich verrutschten Mini-Mini-Rock wieder über den Hintern zu schieben. Als ich mich schließlich rumdrehte um wieder Richtung Umkleide zu wackeln, kam ich nicht umhin, eine leichte Bewegungseinschränkung zu bemerken – ein prüfender Blick auf mein Beinkleid ergab, dass ich nicht nur den Mini-Mini-Rock, sondern an ihm dran auch die Hose nach unten gezogen und so dem gesamten Studio den Anblick meines schwarz-weiß gemusterten Slips dargeboten hatte.

Ich kann da jetzt leider eine Weile nicht hingehen…Ich glaube allerdings, dass mich beim Rausgehen keiner gesehen hat, wenn überhaupt, dann nur schwarz-graue Sportkleidung mit einer unsichtbaren Frau darin, denn meinen Kopf kann vor der roten Wand unmöglich jemand ausgemacht haben.


Dienstleister des Monats

April 15, 2009

Ein so simpler Vorgang wie das Austauschen einer Glasscheibe am Auto kann manchmal unerwartet zur Offenbarung werden… z. B. dahingehend, wie eine perfekte Dienstleistung ablaufen sollte.

Es fing gestern schon viel versprechend an: Der Bitte um Rückruf mittels der Carglass-Website wurde binnen 10 Sekunden Genüge getan. Da dachte ich schon, ich spinne. Was folgte, war ein überaus freundliches und nettes Informationsgespräch mit jemandem, der nicht nur alles verstand, sondern tatsächlich auch noch alles richtig wiedergab, was ich sagte. Unfassbar, wo gibt es so was heute noch? Etwa 10 Minuten später erreichte mich die Email mit der Terminbestätigung für heute.

Um 16 Uhr bin ich dann vorgefahren, wurde nach einer Wartezeit von ca. 20 Sekunden bedient und während der Reparaturzeit von etwa 80 Minuten mit kalten und warmen Getränken abgefüllt. Als ich mein Auto wieder bestieg durfte ich auch noch feststellen, dass nicht nur die Glassplitter vom Rücksitz gesaugt worden waren, sondern mal eben das ganze Auto eine Innenraum-Grundreinigung genossen hatte! Was quasi unbezahlbar ist, wo ich den Wagen doch in zwei Wochen abgeben muss und schon dachte, ich müsste das ganze nächste Wochenende staubsaugend verbringen. So sauber war er seit seiner Auslieferung nicht mehr.

Das größte Highlight jedoch kann nichts mit Unternehmensphilosophie und Dienstleistungsgedanken zu tun haben: Der blonde Glaser mit dem 1 Mio $-Lächeln, das er mir im 30-Sekunden-Takt quer durch die Montagehalle zuwarf.

Fazit: Ich muss da wieder hin, möchte morgen jemand vorbeikommen und meine Heckscheibe einwerfen? Außerdem ist dies eine völlig ernst gemeinte Empfehlung, wenn die jemand aufgreift, möge er mir doch bitte vorher Bescheid sagen, ich hab da nämlich noch gleich einen Empfehlungsgutschein mitbekommen. Okay? Und ich komm auch gerne mit zum Scheibe einsetzen. Ehrlich, kein Problem.

Also, überhaupt….heute war irgendwie ein „Flirten-mit-schönen-Männern“-Tag. Manchmal ist es ja ganz einfach – ich wünschte, ich wüsste was es ist, das man an solchen Tagen ausstrahlt. Ich will ja nicht pathetisch behaupten, dass mir das sonst nie passiert – aber wenn mir absolut jeder Mann, dem ich begegne seine besondere Aufmerksamkeit schenkt, hätte ich schon gern gewusst, wie man dieses Etwas in Flaschen abfüllt, um es zu verkaufen.

Vielleicht kann ich das Niveau ein paar Tage halten, ich bin ja schließlich fällig…


Das erste Jahr…

April 13, 2009

…ohne meinen Vater. Heute um 11.30 Uhr ist es rum.

Und ich steh noch. Oder wieder? Komisches Gefühl jedenfalls, wenn das Schlimmste, was man sich je vorstellen konnte dann tatsächlich passiert ist, schon wieder in der Vergangenheit liegt und man es doch überlebt hat. Macht einen auf jeden Fall stärker.

Mir wär trotzdem lieber, wir hätten noch ein paar Jahre gehabt – denn ich fand mich eigentlich auch früher schon stark genug. Stärke, deren Motor das Wissen ist, dass man sich im Zweifelsfall sowieso nur noch auf sich selbst verlassen kann, hat einen bitteren Beigeschmack.

Aber das ist mein Problem und meine Geschichte. Seine Geschichte war an jenem Punkt zuende. Und für ihn war es besser so, in mancherlei Hinsicht.


Polizeialltag

April 11, 2009

Heute morgen musste ich feststellen, dass irgendwelche Vollarschlöcher über Nacht mein armes, kleines Auto aufgebrochen hatten. Mein Mody, mein Kleiner. Den ich in zwei Wochen irgendeinem Autohaus zurückgeben muss, als wäre das nicht schon schlimm genug. Scheibe aufgehebelt, drinnen alles durchwühlt – zum Glück fehlt nichts außer dem eineinhalb Jahre alten Navi.

Nachdem ich den Schock einigermaßen überwunden und die Wuttränen getrocknet hatte, machte ich den obligatorischen Anruf bei unseren Freunden und Helfern. Da der Wagen noch fahrbereit war, wurde ich gebeten, zur berüchtigten Falkwache zu fahren.

Der Beamte, der die Schadensmeldung aufnahm, konnte meine Laune etwas heben – er kommentierte die Tatsache, dass gut zwei Dutzend CDs nicht angerührt worden waren mit „na dann hatte der wohl nen anderen Musikgeschmack.“ Drinnen in der Wache ging es hoch her – die Wachhabenden unterhielten sich lautstark und flachsend darüber, dass draußen heute alle wahnsinnig wären. Das konnte ich nur bestätigen – immerhin war heute ein Werktag zwischen zwei Feiertagen, da kaufen manche Leute ja ein, als stünde ein Atomkrieg unmittelbar bevor. Während ich da also rumsitze und ein junger Wachtmeister meine Aussage aufnimmt, höre ich hinter mir am Tresen eine bekannte Stimme – als ich mich umdrehe stelle ich fest, dass es sich um einen Immobilienmakler handelt, mit dem ich im Zuge meiner Wohnungssuche zweimal zu tun gehabt hatte. Das fand ich schräg…ja gut, ich fand den damals ganz niedlich, aber dass ich einen quasi fast Fremden an seiner Stimme wieder erkenne? Manchmal überrascht man sich selbst.

Der Arme war da, um den Verlust seiner Brieftasche zu melden und erkannte mich auch gleich wieder. Allerdings blieb es bei einem gelachten „na, auch nicht so nen tollen Tag?“, für eine tiefergehende Kontaktaufnahme war das weder die Zeit noch der Ort. Leider. Aber vielleicht klingel ich mal wieder durch =).

Zehn Minuten später passierte noch was ganz Absurdes: Ich hörte, wiederum hinter mir, die Stimmen zweier junger Mädchen die berichteten, sie wären aus einem Geschäft gekommen und hätten „das da“ in ihrem Fahrradkorb vorgefunden – „und er lebt noch!“ Ui, da musste ich mich dann doch noch mal umdrehen und siehe da – eine pralle durchsichtige Plastiktüte mit etwa einer Handbreit Wasser drin und einem panischen Goldfisch, der augenscheinlich schon länger in diesem kleinen Kosmos vor sich hin vegetierte. So was passiert Polizisten anscheinend auch nicht jeden Tag, denn es entspann sich eine Diskussion darüber, was man denn wohl mit dem Fisch machen sollte – war ziemlich lustig: Der eine wollte ihn gleich mitnehmen, um ihn in seinem eigenen Teich auszusetzen, da seine anderen Fische alle über den Winter gestorben waren. Ein weiterer überlegte, ob man ihn in die Zoohandlung Knutzen bringen sollte oder vielleicht doch gleich ins Tierheim. Ein Dritter, offensichtlich Aquaristik-Fachmann,  entschied aber eine kurzfristigere Lösung und entließ dass schon ganz blass gewordene Tier erstmal ins Waschbecken der Wache.

Da schwimmt er bestimmt immer noch.

Tja nun, so habe ich auf mehr oder minder amüsante Art den heutigen Nachmittag verbracht. Ich hoffe, sie kriegen das Arschloch. Andererseits lohnt es sich jetzt wenigstens, die Schäden, die der Wagen ohnehin schon hatte (ihr entsinnt euch, der Kratzer) über die Versicherung laufen zu lassen. Wenn ich schon Geld für anderer Leute Spaß hinlegen muss, dann doch wenigstens über ein paar Jahre gestreckt und nicht alles auf einmal.


Geschichte live

April 7, 2009

Einige meiner weniger oft propagierten Interessensgebiete gelten Verschwörungstheorien und politischen Affären. LKW-Ladungen an Büchern hab ich dazu schon verschlungen. Dauerfavorit ist ein Skandal, der von just unser kleinen, verschlafenen Fördestadt aus einst die demokratischen Grundfesten unserer Repulik erschütterte. Die Rede ist natürlich von der Barschel-Affäre.

Leider gibt es erstaunlich wenig ernstzunehmende Literatur zu dem Thema, dann schon eher mal dubiose DVDs und Hörspiele. Gestern hab ich mir einen Wälzer von Wolfram Baentsch gekauft, den ich am liebsten nach 20 Seiten schon wieder weggelegt hätte, nun aber aus reiner Neugierde weiterlese.

Es gibt wirklich kaum was Schlimmeres als selbst ernannte und sich selbst beweihräuchernde „Investigativjournalisten“. Um einen solchen handelt es sich bei Monsieur Baentsch, noch dazu um einen augenscheinlich politisch extrem konservativ, definitiv aber alles andere als neutral ausgerichteten Kandidaten. Uwe Barschel kommt in diesem Buch wie ein missverstandener, gefallener Held daher.

Wie auch immer… ich muss gestehen, dass ich aufgrund der Nähe und der spürbaren Wellen, die das Thema bis heute schlägt, eine wirkliche Faszination dafür hege. Wenn ich manchmal Luzie auf der Krusenkoppel ausführe, am besten noch am Abend vor der glitzernden Hafensilhouette, läufts mir beim Anblick des Staatskanzleigebäudes mit den HDW-Kränen im Hintergrund kalt den Rücken runter. Hier hat sich einer der tiefsten Abgründe deutscher Geschichte eröffnet.

Ich wage nicht wirklich zu hoffen, dass zu meinen Lebzeiten noch mal die wahren Begebenheiten um die Barschel/Engholm-Affäre aufgedeckt werden. Bis auf weiteres muss ich mich mit anderer Leute Spekulationen und der Gänsehaut begnügen, die ich bekomme, wenn die Affäre in mein eigenes Leben eingreift: Einer der Hauptakteure von damals macht Geschäfte mit einem meiner Kunden. Ein weiterer, genauer gesagt ein Protagonist des Barschel-Affären Spin-Offs „Schubladen-Affäre“, hat mir kürzlich eine Schachtel Pralinen geschenkt, die noch ungeöffnet auf meinem Küchenregal liegt. Wie ein Beweisstück.

Ja gut, das ist nicht gerade mittendrin statt nur dabei. Aber immerhin mittendrinner als beim Kennedy-Mord oder der Leuna-Affäre. Wahrscheinlich kennt jeder in Kiel jemanden, der den Schwager von jemandem kennt, der schon mal neben dem damaligen Staatssekretär im Bus gesessen hat. Und meine kleine Schnarchstadt als Zentrum dunkler Machenschaften – bin ich gestört, weil mich das irgendwie stolz macht?