Foto mit Geschichte-Stöcki

November 30, 2008

Ich habe von Aquii ein wunderbares Stöckchen bekommen, was mitn büschn Seele, also ganz nach meinem Geschmack…

Die Aufgabe ist, das schönste oder bedeutendste Bild rauszusuchen, das man so hat, und seine Geschichte zu erzählen. Meine Geschichte ist keine fröhliche, auch wenn man das dem Bild nicht unbedingt gleich entnehmen kann. Aber die Natur dieses Stöckchens lädt natürlich etwas dazu ein, sentimental zu werden… Da mein norddeutscher Sprecheinschlag ein Argument für Aquii war, mir dieses Stöckchen gezielt zuzuwerfen, gibt es diesmal ausnahmsweise die Geschichte nicht niedergeschrieben, sondern erzählt. Passt aber auch irgendwie.

Hier also zunächst das Bild:

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Und hier der Ton:

Schaukeln bis zu’n Himmel (Am besten im Extrafenster öffnen, zurücklehnen, Foto ankucken und zuhören…)

So, und fast ausnahmsweise will ich dieses Stöckchen mal gezielt weiterwerfen an Leute, von denen ich weiß, dass sie auch gerne mal Fotos machen und vielleicht was dazu erzählen möchten – also: Elsbe, Thommy, Schaps, Michi, Oasenhoheit, Daniela, Micha, Herr März, Miss Liss, Micmox und Andre, fühlt euch direkt angesprochen, aber natürlich ist auch jeder andere eingeladen, es aufzusammeln… muss ja nicht sentimental, kann ja auch ne lustige Geschichte sein – vielleicht etwas, was sich für diese Website eignet??

UPDATE: Ich hab das Foto gefunden von mir selbst in der Schaukel…da muss ich so vier Jahre alt gewesen sein, das Viech da neben mir hieß „Griselda“ und war zu der Zeit ungefähr genau so groß wie ich. Ein Esel. Und jetzt, wo ich das so seh fällt mir auf, dass es auch den zur Schaukel gehörenden Rattan-Beistelltisch noch gibt – in meinem Wohnzimmer!

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Ein ganz normaler Ikea-Besuch

November 29, 2008

Ich hab mich tatsächlich an einem Samstag, noch dazu vier Wochen vor Weihnachten, ins Getümmel unser aller Lieblings-Schwedenshop getraut…

Wunderbares Zeug wieder nach Hause geschleppt: Schwarz-weißes Asiageschirr, so kleine Sojasaucenschälchen, Besteck, Müslidose, Kaffeedose, Vase, Kerzen, Tischsets, Leuchtturm-Bild, Badezimmerteppich, Laterne, Salatbesteck, Thermoskanne, große Teelichter, Wand-Tattoos, Geschenkpapier, Geschenkband, Weinregal …und…äh… warum war ich noch mal da?

Ach ja. Schuhschrank. Keinen gefunden.

So normal war dieser Ikea-Besuch übrigens doch nicht – und ich rede nicht davon, dass es angesichts des Pre-Weihnachts-Samstages mördervoll war, denn das ist es ja immer. In einer der Modellküchen wurden Kekse gebacken (ich dachte immer, das wären alles Atrappen) und im Grabbelmarkt wurde ich beinahe von einem Weihnachtsmann in einem Elektroauto überfahren. Dafür hab ich dann allerdings einen Keks bekommen. Und zum ersten Mal seit ewig hab ich mein traditionelles Ikea Hot-Dog ausgelassen (immerhin eins der zwei Fleischprodukte, die ich esse) – denn da war es nun wirklich zu voll. Das sah aus wie eine Flüchtlingslagerspeisung, ehrlich.

Und ja, die Zeiten ändern sich, die Geschmäcker halt irgendwie auch: Das Morrissey-Poster, das mich  fast 10 Jahre begleitet und an eins meiner ersten Konzerte erinnert hat, wurde heute zu Gunsten des  formschönen Leuchtturmbildes abgehängt. Irgendwie bin ich jetzt zu groß für Poster, find ich, selbst wenn sie gerahmt sind. (Außerdem, hihi – so passt jetzt auch noch der Zimmerkamin drunter, den ich mir kaufen will…). Aber als Entschädigung wird jetzt das verbleibende Moz’n'Johnny-Bild, das ja eher Gemäldecharakter hat, von den neuen Wandtattoos eingerahmt. Ich reiche demnächst mal Fotos nach in einem neuerlichen Deko-Special.

Von den Strapazen erhol ich mich jetzt erstmal mit schwedischem Glühwein und schwedischen Keksen. Von meinem neuen schwedischen Asia-Geschirr.


Lieber Tagebuch, 28.11.08

November 28, 2008

Wahnsinn allerorten

November 27, 2008

Ich war heute morgen um 7.00 Uhr wieder tapfer beim Sport. Lustig, wen man da so sieht.

Die meisten Leute, das berichtete ich ja schon mal, sind ü75. Wirklich wahr – mir war nicht klar, dass man in den Siebzigern noch so viele Termine haben kann, dass man unbedingt morgens um 7.00 zum Sport gehen muss. Aber is wohl so. Die Wenigen, die den Altersdurchschnitt ein wenig runterziehen, gehen vergleichsweise absurden Tätigkeiten nach. Also z. B. dieser spindeldürre Typ, der eineinhalb Stunden rudert. Oder diese Solariumsmitarbeiterin, 1,60 m, 45 Kilo, die einfach nur eineinhalb Stunden BILD-lesend winzige, schnelle Baby Steps auf dem Stepper macht. Vielleicht sollte ihr mal einer sagen, dass der tollste Knackarsch leider wenig bringt, wenn der Mensch drumrum aussieht wie ein Wrack (aber toll braun!).

Aber mein missionarischer Eifer ist morgens um 7.00 noch nicht so ausgeprägt…so stolper ich nur im Halbschlaf von Gerät zu Gerät und bin froh, wenn ich mit niemandem reden muss. Hinterher fühl ich mich allerdings immer großartig, so rein von der Form her.

Ich hatte einen absurden kleinen Moment auf diesem Cardio-Teil. Wie es jeder normale, moderne Fitnesswahnsinnige aus der ersten Welt tut, hab ich natürlich immer Kopfhörer auf und kucke auf dem eingebauten Monitor die morgendlichen Nachrichten. Da steh ich nun also auf diesem blöden Fitnessgerät, das so viel wert ist wie ein Jahr Nahrungsmittel für ein ganzes Dorf in Uganda, und kucke mir Bilder an von Leuten, die in Bombay/Mumbai vor Terroristen um ihr Leben rennen. Oder Vermummten, die am Flughafen in Bangkok mit Waffen auf Kinder zielen, die mit ihren Eltern vom Badeurlaub nach Hause wollen.

Nicht, dass ich mir jetzt die Schuld für Terrorismus und die Schlechtigkeit der Welt auf die Schultern laden will – aber in einem solchen Moment sollte man sich schon mal kurz fragen, was man denn dazu beiträgt, es nicht noch schlimmer zu machen? Hm?

Diese Frage bleibt für heute unbeantwortet. Wenn ich ganz ehrlich bin, gilt meine primäre Sorge jetzt auch eher meinen Haaren, die krieg ich nämlich einfach nicht richtig hin, wenn ich sie mir dort föhnen muss. Ich fürchte also, ich werde mir meine Fitnessstudiobesuche um 7.00 Uhr morgens wieder abgewöhnen und mich in die abendliche Fleischbeschau begeben müssen.

So hat halt jeder seine Sorgen…die einen schlagen sich mit Terroristen rum…die anderen mit Haarproblemen. Es ist nicht leicht. *

*Ich hab mir ein Löffelchen Sarkasmus unters Frühstücksmüsli gemischt, merkt man, nä?

‘Tis the season

November 26, 2008

Hach, ich liebe die Vorweihnachstzeit…viel mehr als Weihnachten selbst. Und schon seit ich blogge, freu ich mich darauf euch endlich dieses Video zu kredenzen. Ihr wisst ja, ich bin Jeff Dunham-Fan.

Ich find den Typ oberkomisch…und tolle Haare hat er auch. Übrigens: Diese Puppe kann gar nicht wirklich reden. Ich glaub, Jeff is Bauchredner oder so was.

Aber seht selbst…wenn euch da nicht weihnachtlich wird, kann ich auch nicht helfen.

Direktlink


Mein Leben und Ich (Oder so.) – Stöcki

November 26, 2008

Beim MC gefunden, und da mir sonst heute nicht viel einzufallen droht…bitteschön:

clothes

Eine bunte Palette von Stilen in den dominierenden Farben Schwarz, Weiß, Grau und Rot. Fürs Büro mach ich mich gerne schick, auch wenn ich’s nicht unbedingt müsste. Auf Termin auch gern mal richtig in Hosenanzug und so. Wenn die Stimmung mich packt und ich auch genügend Energie in Make-Up und Frisur lege, seh ich gern mal 50ies oder 60ies aus. Mein Lieblingslabel ist Mango, da find ich immer was und ansonsten bin ich der 08/15 H&M-Käufer. Und wenn ich mir meine Garderobe so ankuck, befürchte ich, dass ich einen Jacken- und Mantelfetisch habe. Ich hab so 40.

furniture

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten…das formt sich gerade erst aus. Ganz viel von dem zusammen gesammelten Kram wandert jetzt so langsam raus, stattdessen besorge ich mir immer mal was mit „Gesicht“. Gerade letztens z. B. hab ich ein altes Singer-Nähmaschinengestell selbst restauriert und mit Glasplatte zum Küchentisch umfunktioniert. Aber am liebsten mag ich eigentlich Lounge-Möbel, nur finde ich meine Behausung nicht passend dafür…ich hab gerade mein Traumhaus an einem See gefunden, das kann ich mir zwar nicht leisten, hab es aber im Geiste schon umgebaut und eingerichtet. Und es sieht aus wie ein New Yorker Loft.

sweet

Der Figur zuliebe hab ich mir seit einiger Zeit Süßigkeiten größtenteils abgewöhnt…leider. Früher war ich ne echte Naschkatze. Treu geblieben bin ich aus irgendeinem Grunde Frigeo Brausebonbons (wahrscheinlich, weil man davon nur 5 essen kann und dann hängt einem der Gaumen schon in Fetzen herunter), Lakritze und Lebkuchen. Dies ist nun auch die Jahreszeit, wo ich wahrscheinlich 3 der 10 abgenommenen Kilos wieder zunehme.

city

Ich hab sehr gerne in Hamburg und in London gewohnt. Meine Lieblingsstadt in England ist aber mittlerweile Manchester. Von allen Städten, die ich je besucht habe mochte ich New York, L.A., Stockholm und Dublin am liebsten. Wohntechnisch sieht es aus, als würde es jetzt tatsächlich mein good ole Kiel bleiben…fürs Erste. Ruhestand in Südfrankreich ist nach wie vor Plan und ich glaube auch nicht, dass das so illusorisch ist.

drink (+coffee)

Ich trink irre viel ganz stilles Wasser, durch den Winter auch Tee – am liebsten kräuterigen oder Minz-Variationen. Ich liebe Milchkaffee in allen Varianten und auch den Krüger White Cappucchino, für den mich alle auslachen. In den Tag starte ich mit einem großen Glas Buttermilch-Kefir-Mix. Wenn’s abends losgeht, bin ich langweilig – Bier, lieber nicht so herb also z. B. Astra, Köpi oder Duckstein. Prosecco, gerne auch Wein, sowohl weiß als auch rot und nicht zu trocken. Härtere Sachen trink ich nicht, weil ich sie auch nicht vertrage.

music

Meine übergeordnete Lieblingsmusik ist sicherlich Indie Pop bis hin zu gefälligem Alternative Rock. Aber ich hab viele Querausleger in meiner Sammlung – ich liebe z. B. Abba und A-ha, seit ich selbst im Chor singe hör ich auch viel A Capella. Ich hör tatsächlich auch gern mal so Altherren-Musik: Queen, Beatles, Rod Stewart, Elton John (die frühen Werke!), Neil Young…. Ich mag ganz viele dieser weiblichen Singer/Songwriter, Tori Amos, Aimee Mann, Sarah Mclachlan usw…Wenn ich mal wieder eine Party veranstalte, wird da hauptsächlich so alter Motown-Kram laufen, Temptations, Four Tops, Smokie Robinson, Marvin Gaye, Jackson Five und so, zum Tanzen ist das einfach das Geilste. Leichter Jazz (Jaime Collum) gefällt mir genau so wie seichter Punk (The Clash). Also kurzum: Von allem ein bißchen.

tv

Für mich immer noch eins der besten Mittel zu Entspannung…ich liebe Scrubs und überhaupt amerikanische Ärzteserien, ER, Grey’s Anatomy usw. Ich konnte auch früher gut auf diesen Mystery-Kram á la Akte X, aber außer Lost wird da wirklich nur noch Dreck gemacht. Ansonsten läuft die Glotze auch immer viel nebenbei, während ich anderen Kram mache, da interessiert mich dann auch nicht wirklich was da so läuft…

film

Das lässt sich bei mir schwer kategorisieren…besondere Vorlieben hab ich nicht, aber ich mag Herr der Ringe, Mystic River, Magnolia, Amelie, kürzlich gefiel mir Capote sehr gut. Ich liebe fast alles in dem Robert de Niro, Sean Penn oder Edward Norton mitspielen und aus irgendeinem Grund hab ich nen soft spot für Mafia-Filme, auch wenn ich bei den ganz fiesen Szenen nie hinkucken kann. Also z. B. bei Casino, wenn sie diesen Typen lebendig in der Wüste begraben. Whoa. Ach und ein Überbleibsel aus meiner Kindheit ist die kindliche Begeisterung für James Bond-Filme, das hab ich gerade wieder gemerkt.

workout

Da kann ich gerade mit Stolz berichten, dass ich mal wieder einen Schub habe – mal sehen, wie lange der anhält… dreimal die Woche je eineinhalb Stunden Muckitraining, Laufband, Cardio usw. Am besten funktioniert das, wenn ich morgens ohne groß zu überlegen einfach aufstehe und mich hinschleppe. Wenn ich den ganzen Tag Zeit hab, es mir anders zu überlegen, tu ich das meistens auch.

So, Leute, wir machen das wie mit’m Brautstrauß – ich werf ihn mal einfach hoooch….now catch it if you can.


Aventura Morrisstica I – Showdown in Bremen

November 24, 2008

So langsam muss ich mal anfangen, hier die großen Meilensteine in meinem Leben anzugehen…also, here we go.

Zu den großen Meilensteinen gehört sicherlich diese… Morrissey-Kiste. Ich hab in meinem Entwürfe-Ordner schon einen stetig wachsenden Artikel rumliegen, der einen Erklärungsversuch für das Wieso und Warum liefern will. Aber das ist sehr komplex.

In Kürze gesagt ist es so, dass Morrissey als Künstler in mir eine Note zum Klingen gebracht hat, die vorher in meinem Leben unberührt blieb. So oder ähnlich würde wohl jedes Mitglied des verschworenen Morrissey-Follower-Clubs das Gefühl beschreiben. Fürs Erste müsst ihr das so hinnehmen, bis ich mit einer ausführlicheren Erklärung komme.

Aber diese Story-Reihe soll ganz unphilosophisch werden…die Aventura Morrisstica handeln schlichtweg von den ganzen verstrahlten Geschichten, die mir so und wirklich wahr auf den Spuren von Morrissey passiert sind. Nachdem ich ein kurzes Meinungsbild bei Twitter eingefangen habe, fange ich hier zunächst mit Schreiben an – ich werde aber die eine oder andere Geschichte auch sicher mal vor der Kamera erzählen, weil sie ansonsten von der Länge her ausartet und so auch einfach lustiger ist.

Ich hatte im Laufe der Jahre mehrere „Beinahe-Begegnungen“ mit Morrissey, und von der chronologisch ersten will ich heute mal berichten.

Wir schreiben das Jahr 1999…Mizzie ist noch voll im Erstrausch der Entdeckung und darf das erste Mal ihren neuen Helden live sehen. Und zwar gleich fünfmal in Folge auf seiner Deutschlandtournee. Es war glaub ich das dritte Konzert auf diesem Tourabschnitt – Bremen, Pier 2, am 16. Oktober.

Schon auf der Hinfahrt passierten wunderliche Dinge – ich traf nämlich auf der A7 auf den Van der wunderbaren Supportband Sack, denen ich mit Händen und Füßen und unter Zuhilfenahme der ins Fenster gehaltenen Konzertkarte (damals musste ich so was noch kaufen, tst) zu verstehen gab, dass ich ihnen gerne folgen würde. Das tat ich dann auch, ungeachtet dessen, dass sich die armen irischen Jungs in Bremen wahrscheinlich noch schlechter zurechtfinden würden als ich.

Nun ja, wir schafften es zur Halle, man verabschiedete sich freundlich und so war ich im Getümmel…schon zwei Abende vorher hatte ich in Hamburg zwei Jungs kennengelernt, die ich dort wieder traf. Nennen wir sie mal Typ 1 und Typ 2. Typ 1 ist bis heute ein Freund von mir und lebt ebenfalls in Kiel, Typ 2 hab ich nie wieder gesehen. Noch vor dem Konzert entwickelten wir einen nahezu genialen, FBI-esquen Schlachtplan, mit dem wir es schaffen wollten, Morrissey endlich mal „in echt“ zu sehen.

Gesagt, getan…der geniale Plan sah vor, dass Typ 2 sich noch während der Zugabe aus dem Publikum ziehen ließ, wohlwissend, dass Morrissey noch während die Band spielte in die Limo springen und sich zum Hotel fahren lassen würde. So geschah es auch. Typ 2 heizte im Auto hinterher und informierte uns per Handy (damals eine ganz neue, hippe, moderne Erfindung – sowas wie ein tragbares Telefon), wohin die Reise ging. Das Hotel Maritim.

Nach Abschluß des Konzerts heizten Typ 1 und ich also hinterher, parkten das Auto weg und trafen uns vor dem Hotel mit Typ 2. Wir waren alle reichlich nervös ob der Aussicht, gleich unseren gemeinsamen Helden zu treffen. Da standen wir nun und…ja…wußten rein gar nichts mit uns anzufangen. Der Plan ging nur bis zu dem Moment, an dem wir am Hotel ankamen. Was nun?

In Ermangelung irgendeiner Idee standen wir erstmal doof rum. Es war saukalt, Mitte Oktober eines sehr, sehr kalten Herbstes. Nach ca. einer halben Stunde rollte erstmal der Tourbus vor und spuckte Morrissey’s Band aus. Nach kurzem Schnack, Autogrammverteilung und viel Gelächter darüber, dass wir drei Helmis da in der Kälte standen, als wenn Morrissey ernsthaft noch mal rauskommen würde, verabschiedeten die Herren sich und belegten die Bar.

Wir standen da immer noch.

Als nächstes fuhr der Van von Sack vor. Auch hier wieder großes Hallo und Gelächter, außerdem hatte ich natürlich schon einen Spitznamen weg – „The Follower“. Nun gut. Auch diese Herren verabschiedeten sich nach kurzer Zeit in die Bar.

Wir standen da immer noch.

Irgendwann wechselten wir die Straßenseite, um einen besseren Blick auf die verdächtigen Hotelzimmer zu werfen. Die Suiten des Maritim Bremen sind nach vorne in die Rundung gebaut, außerdem sind die Decken verspiegelt o.ä., jedenfalls kann man von der Straße, zumal abends wenn drinnen Licht ist, recht gut hineinsehen. Dank Morrissey’s markantem Profil, das jeder Fan sogar im Stockdunkeln noch erkennen würde, hatten wir relativ schnell raus wo er war – denn der Gute tigerte wie ein aufgescheuchtes Hühnchen durch seine Suite und, wie gesagt, man konnte alles sehen…

Nur wussten wir mit dieser Info immer noch nichts anzufangen – wir waren noch nicht tief genug gesunken um die verzweifelten Methoden an den Tag zu legen, die manche Fans entwickeln, um ihrem Idol so richtig auf die Pelle zu rücken. Heimlich ins Hotel zu schleichen und sich bis in den Flur durchzuschlagen war also z. B. keine Option. Wir wollten höflich bleiben.

Eine weitere Stunde war vergangen, wir standen nach wie vor doof rum und es mag 1.00 Uhr geworden sein. Unsere Lebensgeschichten hatten wir uns mittlerweile erzählt, jeder eine Schachtel Kippen weggequalmt und überhaupt…so langsam war der Witz auch vorbei. Ab und zu schauten wir mal hoch zum Zimmer, aber die anfängliche Begeisterung war merklich verflogen und die Stimmung sank gen Nullpunkt.

Bis, ja bis…ich mal wieder einen genaueren Blick auf die Hotelfront warf und feststellte dass das, was wir bis dato für einen Blumentopf gehalten hatten, in Wirklichkeit der Kopf eines Menschen war, der mit glühenden Augen in der Fensternische hockte und heimlich hinunterschaute.

Ich kann bis heute nicht beschwören, dass es Morrissey war – aber ich hab die Geschichte letztens auch Elsbe erzählt und die bestätigte meinen Verdacht: Es würde einfach passen. Morrissey ist das einzige Pop Icon auf der Welt, dem man es unbesehen zutrauen würde, dass er einen ganzen Abend damit verbringt, heimlich die Leute zu beobachten, die vor dem Hotel stehen um ihn zu beobachten. Der macht so was. Wahrscheinlich gab’s auch einfach nichts im Fernsehen.

Na jedenfalls kam mit dieser Entdeckung wieder Leben in die alten Ladies und wir wurden ganz aufgeregt…der kurze Adrenalinshot gab uns den Mut, doch tatsächlich mal das Hotel zu betreten und scheinbar ganz locker, wenn auch mit dem Herzen in der Hose, in die Bar zu schlendern.

Groooßes Hallo! Band, Crew, Supportband, eigentlich alles minus Morrissey (was so üblich ist, wir aber zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten) waren in der Bar und freuten sich über unseren Besuch. Sofort scharrten sich Boz, Gaz & Co. um uns, wir bekamen Getränke gereicht und wurden erstmal ausgequetscht. Einfach nur so, über nichts Besonderes. Wie heißt ihr, wie alt seid ihr, was macht ihr, seid ihr aus Bremen. So die Nummer. Bis heute bin ich immer wieder erstaunt über die Freundlichkeit, Zugänglichkeit und mangelnde Berührungsangst dieses Personenkreises. Die anfängliche Lähmung, die uns überfallen hatte als wir mit unseren Zweitligahelden konfrontiert wurden, war im Nu verflogen.

Der Rest des Abends verging wie im Rausch… bis 4.00 Uhr standen wir da mit den Jungs und als ich schließlich zurück nach Hamburg fuhr, hab ich im wahrsten Sinne des Wortes Sternchen gesehen. Ich habe in den darauf folgenden vier Tagen insgesamt ca. 15 Stunden geschlafen und fühlte mich wie im Amphetamin-Rausch.

Tja, und das war der Beginn einer wunderbaren langen Reise…. wenn ich das jetzt aufschreibe muss ich selber lachen über meine Naivität und Beeindruckbarkeit von damals. Aber das sind so Dinge die man tut und empfindet, wenn man zum ersten Mal den Rock’n'Roll-Zirkus betritt. Dass ich auch nur 3 Minuten VOR dem Hotel warten würde, ist mir z. B. nie wieder passiert. Aber ich war jung und hatte kein Geld, da improvisiert man schon mal. So ein gewisses Stalker-Potential brauch man auch, wenn man Geschichten dieser Art erleben will…aber ich hab mich immer benommen, ich schwöre!

Aber dazu mehr in den nächsten Geschichten…alle wirklich erlebt, nichts dazu gedichtet, höchstens hier und da mal was weggelassen. Aber das muss sein. ;-)


Globale Lach- und Schießgesellschaft

November 23, 2008

Heute ist Totensonntag. Das steht zwar in jedem Jahreskalender, aber ich hab mir vorher nie klar gemacht, was das eigentlich heißt, bis mir eine Einladung der Kirchengemeinde meiner Eltern ins Haus flatterte. Am Totensonntag gedenkt man den toten Gemeindemitgliedern des jeweiligen Jahres. In unserem Falle meines Vaters. Und so kam es, dass ich heute das erste Mal seit … ewig mal wieder eine Kirche von innen gesehen habe.

Der Pastor ist derselbe alte Gemeindepastor, der schon meine Geschwister und mich konfirmiert hat. Die Trauerfeier für meinen Vater im Kieler Krematorium hat er auf wunderbare und sehr weltliche Art und Weise gestaltet. Und auch heute fand er wieder Worte, die auf ganz unpathetische Art und Weise wahr waren und berührt haben.

Und er hat in mir etwas hochgekocht, von dem ich mir lange nicht eingestehen wollte, wie sehr es mich in meiner ersten Trauerphase verletzt hat: Die totale Unberührtheit mancher Leute. Nun klar, mit dem Gefühl Trauer kann nicht jeder um, vielleicht darf man das niemandem übel nehmen. Aber was stimmt denn nicht in einer Gesellschaft, in der so ein natürliches Gefühl von den meisten verleugnet wird? In der das Wort „Beileid“ zu einer blanken Floskel verkommt, die man so im Vorbeigehen fallen lässt, nur damit man überhaupt was gesagt hat??

Fakt ist, unsere Spaßgesellschaft hat manche Leute emotional verkrüppelt. Die fangen zwar schon mal an zu heulen, wenn sie einen traurigen Film sehen oder wenn sie etwas im Internet gelesen haben, was sie „total berührt“ hat. Sie spenden Geld für Kinder in Afrika und wettern gegen den Krieg im Irak. Aber für die Dramen in ihrer Umgebung haben sie kein Auge, da gibt es immer eine Party zu feiern, ein Meeting vorzubereiten oder einem Trend hinterherzujagen. Halt so total wichtige Dinge die verhindern, dass  man einem Gefühl Raum geben könnte, das eben nicht happy, total chillig, hip und cool ist. Ungeachtet dessen, dass sich mit dem Thema Tod jeder mal auseinandersetzen muss, der nicht allein auf einer Insel lebt. Aber so lange es mich nicht trifft, kann ich’s ja noch schnell wegschieben…

Ich meine nicht Menschen, die selbst trauern, das aber nur mit sich ausmachen und es als Bloßstellung empfinden, ihre Gefühle offen zu zeigen. Das kann jeder nur so machen, wie er eben kann. Ich meine auch nicht die Leute, die eigentlich verzweifelt helfen wollen, denen aber halt irgendwie das Feingefühlt fehlt um zu wissen, wie. Ich meine die, die mit dem Gefühl eigentlich überhaupt nichts zu tun haben wollen, weil es nicht in ihr Showkonzept passt. Denen „sowas“ peinlich ist.

Es gab seinerzeit ein paar Leute in meiner Umgebung, die über ein paar verkrampfte, floskelige Beileidsworte nicht hinausgekommen sind. Und selbst das ist ihnen noch schwer gefallen. Ein paar Mal hätte ich beinahe gesagt „ach weisste, dann sag lieber gar nichts. Aber das ist wenig hilfreich.“

Dabei ist es ganz einfach – derjenige der trauert, erwartet keine dramatischen, lebensverändernden Taten. Mir haben kleine, ehrlich gemeinte Gesten, ein paar mitfühlende Worte oder ein kurzer Drücker, halt irgendwas, das mir verdeutlicht hat dass dem anderen mein Verlust nicht scheissegal war, sehr viel bedeutet. Auf rausgepresste, mit Unwohlsein vorgetragene Standards hingegen hätte ich gern verzichtet, die haben mich eher verletzt.

Eine kleine Geschichte dazu: In der notwendigen Administration um die Beerdigung meines Vaters fiel mir die zweifelhafte Ehre zu, die Traueranzeigen bei unserem Lokalblättchen aufzugeben. Es war zwei Tage nach seinem Tod und mein ganzes Wesen war noch eine offene Wunde, als ich in der Anzeigenannahme aufschlug. Ich erledigte diesen Gang mitten an einem Arbeitstag – einem der vielen Tage in dieser Zeit, an dem ich im Auge des Taifuns saß. Der noch ganz frische Verlust, das Bemühen etwas Normalität beizubehalten und die Liebe, mit der ich von denen, die mir nahe standen überschüttet wurde – all das machten diese Tage irgendwie total irrational. Aber in diesem Moment konzentrierte sich mein ganzes Bewußtsein plötzlich auf diesen einen Punkt: Ich saß in dieser weißen, marmornen Halle voller Leute und Computer und musste eine Traueranzeige für meinen Vater aufgeben. Es war wirklich passiert, er war wirklich tot. Das wurde mir in dem Moment erschreckend klar und ich fing an zu heulen, als gäbe es kein Morgen.

Ich setzte mich da also zu einer Sachbearbeiterin mit einem Zettel voll handschriftlichem Gekritzel, auf dem der Familienrat den Text der Anzeige festgehalten hatte. Noch schlimmer war es um den Zettel bestellt, auf dem der Text für meine eigene kleine Anzeige stand. Die Dame am Schalter, in den 50ern etwa, schob mir wortlos, aber mit einem warmen Lächeln eine Packung Kleenex rüber, nahm mir die zerknüllten, verschmierten Zettel aus der Hand und begann zu tippen. Hier und da fragte sie noch mal nach, was dies oder das heißen sollte und tat ansonsten ihren Job, ohne sich von meinem Weinen unangenehm berühren zu lassen. Und gleich wurde es besser… eine so unverkrampfte Haltung signalisiert einem irgendwie, dass die Welt sich trotz allem weiterdreht.

Als ich die Halle verließ, kam sie mir noch mal hinterhergelaufen, weil ich meinen Ausweis hatte liegen lassen. Sie gab ihn mir und hielt dann noch ganz kurz meine Hand mit beiden Händen fest. Noch ein warmer Blick und ein kurzes „Alles Gute“, und dann entließ sie mich wieder in meine auf den Kopf gestellte Welt.

Das war ein wirklich schöner Moment…diese völlig fremde Frau hat sich keinen abgebrochen, um mir ganz kurz zu signalisieren dass es ihr leid tut, was mir passiert war. Sollte wenigstens so viel Mitgefühl nicht jeder Mensch für einen anderen Menschen aufbringen können?

Die schlimmsten Situationen in den ersten Monaten waren die, in denen ich gemerkt habe dass die Leute sich mit mir unwohl fühlten weil sie irgendeine irrationale Angst hegten. Dass ich weinen könnte oder sonstwie die Show durcheinander bringe. Ich hab mich dann – obwohl ich mich ohnehin sehr wacker gehalten habe die ganze Zeit – noch mal extra zusammengerissen und das Schmierentheater namens „Alles ist normal, alles ist gut, alle sind locker und gut drauf“ mitgemacht. Innerlich hab ich getobt vor Wut – ich soll mich zusammenreissen, damit IHR euch besser fühlt?? Geht’s noch?? Wer hat denn hier jemanden verloren???

Dank des Tipps von Susi lese ich seit einiger Zeit 18000 Mal Hoffnung. Das ist der Blog von Andrea, die damit ihren Ehemann Michael durch eine schwere Krankheit und schließlich in den Tod begleitet hat. Vor einigen Wochen ist er jetzt gestorben und seitdem berichtet sie davon, wie sie sich jedem Tag und jeder Herausforderung stellt, wie sie sich fühlt und wie die Leute ihr begegnen. Und findet unglaubliche Worte dafür. Ich kann den Blog nur zu bestimmten Zeiten lesen, wenn ich den Gefühlen, die er hochkocht auch Raum geben kann. Aber dann ziehe ich jedes Mal etwas Bleibendes für mich raus.

Für Trauer gibt es keine Spielregeln. Da jagt ein extremes Gefühl das andere, man kann in einer Minute lachen und will im nächsten Moment selbst sterben. Der Grund dafür ist wohl – und das klingt jetzt wahrscheinlich schwer nachvollziehbar, wenn man es nicht selbst erlebt hat – dass man durch eine Erfahrung mit dem Tod für einige Zeit näher dran ist an der Essenz des Lebens. Und da ist alles reine Kraft, da gibt es keine Ablenkung mehr, keine Schalldämpfung durch die Glotze und keine künstliche Temposteigerung durchs Internet. Alles ist so, wie es ist.

Ich bin ein Mensch der gerne rumblödelt und feiert, ich steh drauf Geld zu verdienen und mir Krams zu kaufen, ich kann voll gut Dummtüch labern und was weiß ich noch alles genießen, was das Leben an Leichtigkeit zu bieten hat  – aber für ein erfülltes Leben dürfen das immer nur Teilaspekte bleiben. Erst wenn man sich auch mit den Schattenseiten genauso beschäftigt hat, und sei es zwangsweise, erkennt man den Reichtum, der in beiden Enden des Spektrums liegt.

Leute, die die Schattenseiten aus welchen Gründen auch immer wegleugnen, tun mir irgendwie leid. Das meine ich wirklich nicht abwertend, sondern im wahrsten Sinne des Wortes – sie tun mir leid, weil sie sich für derlei Erfahrungen nicht öffnen können, obwohl sie daraus unwahrscheinlich viel ziehen könnten. Und ich schätze mal, dass solche Menschen auch noch viele andere Bereiche in ihrem Leben haben, in denen sie zu sich selbst und anderen nicht ehrlich sein können. Solche Abgründe haben wir zwar alle, aber die Einen eben weniger, die Anderen mehr.

Aber das ist deren Problem. Ich jedenfalls werde die schöne, wenn auch traurige Geschichte um den Tod meines Vaters nach wie vor denen vorbehalten, die sich dafür offen zeigen. Sei es in diesem Blog* oder im Leben.

(*Normalerweise wird dieses Thema hier im geschützten Bereich behandelt – wer dafür gerne offen sein möchte und glaubt, er müsse dafür drei Prüfungen bestehen, irrt. Eine Email an mizzie(at)mizzieland.de reicht. Aber so viel Mühe muss schon sein)


Geschützt: Mir doch egal

November 23, 2008

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Der glücklichste Tag meines Lebens – gestern!

November 22, 2008

„Ja, warum denn nur?“ hör ich euch fragen…Hat Mizzie gestern heimlich geheiratet, wo doch Freitag war? Oder im Lotto gewonnen? Sich gar Hals über Kopf verliebt?

Viel besser!! Seht selbst…

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