Hier und da sind in diesem Blog ja schon mal meine Geschwister zur Sprache gekommen. Heute will ich mal ein wenig mehr von ihnen erzählen.
Es sind drei an der Zahl. Alle älter als ich: Meine Schwester 13, mein ältester Bruder 11, mein „jüngerer“ Bruder 10 Jahre. Als ich geboren wurde, waren meine Eltern schon Ende 30, was ja heutzutage normal ist, in den 70er Jahren aber noch als ziemlich alt für ein Kind galt. Dennoch, oder gerade deshalb, war niemand je so gewünscht und willkommen wie ich. Alle liebten mich heiß und innig. Und so bald ich alt genug war, dass meine Mutter mich mal 5 Minuten aus den Augen gelassen hätte, gab es im ganzen Haus kein spannenderes Spielzeug als die kleine Schwester. Wir hatten halt keine Haustiere zu der Zeit.
In Folge dessen kam es auch hier und da mal zu einem kleinen…Mißgeschick. Unfall, würde so manch einer sagen. In vollem Ausmaße könnte man behaupten, dass jeder meiner drei Geschwister mich mindestens einmal beinahe umgebracht hätte.
Die Ehre der Premiere gebührt selbstverständlich meiner Schwester, der Ältesten. Eines Abends, es mag so ungefähr der erste freie Abend für meine Eltern nach meiner Geburt gewesen sein, wurde ich in Obhut der drei „Großen“ zurück gelassen. Das Haus, in dem wir damals wohnten, hatte eine weiße Marmortreppe zwischen Erdgeschoss und dem ersten Stock mit den Schlaf- und Spielzimmern. Der Legende nach bin ich nie wirklich gekrabbelt, sondern hab mich seinerzeit direkt vom army-style Rumrobben in den Zweifüßlerstand erhoben und bin losgelaufen. Ich weiß nicht, in welchem Stadium meiner Bewegungsevolution es war und wie ich oben an die Treppe rankam, ich weiß aber, dass ich sie definitiv kopfüber und bäuchlings unten wieder verlassen habe. Großes Geschrei bei Klein-Mizzie.
Großes Geschrei auch bei meinen Geschwistern, die nach alter Familientradition erst mal in die Schuld-Diskussion einstiegen. Als sie damit durch waren – meine Schwester hatte als Hauptverantwortliche da leider die Arschkarte – hatte eben diese einen akuten Anfall von Verantwortungsgefühl und lief in die Küche, um ein Messer zu holen. Sie hatte nämlich mal von unserer Oma gehört, dass man Beulen damit kühlen könne. Mein ältester Bruder hatte an der Stelle anscheinend nicht aufgepasst – beim Anblick des Messers brach er in hysterisches Geheule aus weil er wie selbst verständlich annahm, die große Schwester wolle der kleinen Schwester die Beule ab-schnei-den!
Vertrauen unter Geschwister is was Schönes, oder?
Das Mißverständnis war jedoch schnell aufgeklärt und nachdem die Beule gekühlt und das Balg ruhig gestellt war, machte man sich an die Ausarbeitung einer guten Ausrede für die Eltern.
Ich glaube, der Klassiker, die gute alte aus-dem-Bett-fall-Geschichte hat das Rennen gemacht.
Das war der erste Vorfall, aufs Konto meiner Schwester also… mein ältester Bruder war dran, als ich so ca. 3 Jahre alt war. Meine Eltern haben in den späten 70er Jahren sehr viel gefeiert und am Wochenende waren wir eigentlich immer mit Kind und Kegel irgendwo eingeladen. Die Freunde, die wir besuchten, hatten in der Regel selbst scharenweise Kinder, so daß diese Parties immer Hippiegelagen ohne Regeln und Anstand ähnelten. Bei einer dieser Gelegenheiten sorgte mein Vater in seiner üblichen unbekümmerten Art für Kinder-Entertainment, indem er sein Auto offen ließ und den „Großen“ erlaubte, sich ans Steuer zu setzen und Autofahrer zu spielen. Ohne Zündschlüssel natürlich, aber immerhin. Da der ältere meiner Brüder als der vernünftigere von Beiden galt, durfte er auf dem Fahrersitz Platz nehmen.
Wie das so ist, man soll Kinder nie unterschätzen. Ihre Gehirne sind zwar klein, aber für die Basics reicht es in der Regel doch. Meine Brüder hatten natürlich ruckzuck raus, wie man die Handbremse löst, ein kurzes Rumruckeln am Schaltknüppel besorgte dann den Rest und so ging es unter großem Gekicher in der abschüssigen Auffahrt für den Mercedes irgendwann rück- und talwärts. Doof nur, dass die „Kleinen“ – darunter ich – in eben jener Auffahrt mit Puppen spielten. Der Erzählung nach ist es einem beherzten Sprung meines Vaters zu verdanken, dass ich keinen bleibenden Eindruck im Reifenprofil des Wagens hinterlassen habe. Mein Vater wäre allerdings nicht mein Vater, wenn er mich einfach nur geschnappt und weggerissen hätte – das kann ja jeder: Er hat selbstverständlich mit seinen Bärenkräften den Wagen aufgehalten, bis jemand Zeit hatte, die Handbremse wieder festzuziehen!
Meine Brüder mussten dann den Rest des Tages Ticker spielen und durften höchstens mal Früchte aus der Bowle naschen. Strafe muss sein.
Der dritte bemerkenswerte Vorfall muss sich nur kurze Zeit später ereignet haben, denn ich war immerhin noch klein genug, um bei meinem zweiten Bruder – dem größten Rabauken von allen - auf dem Kettcar mitfahren zu können. Unser Haus lag am Fuß einer sehr abschüssigen Dorfstraße, wenig befahren und sommers wie winters ein Spielparadies für die Kinder der Nachbarschaft. Mein Bruder machte also kaum jemals was anderes, als mit seinem flotten Schlitten den Berg hinunterzubrettern.
Bei einer dieser Gelegenheiten fuhren wir also so die Straße runter, den Wind im Haar, ich in vollendeter Seligkeit dass mein Bruder endlich mal mit mir spielte und mich nicht nur ärgerte, als er auf dem Höhepunkt der Geschwindigkeit die gerade perfektionierte Texaswende einleitete – und dabei in seiner Begeisterung für die eigenen Fahrkünste vergaß, mich festzuhalten…
Schon mal was von Schnotterbremse gehört?? Nein, nein, nicht Stotterbremse…- Schnotterbremse, das ist die, die man mit dem Gesicht macht. Auch Blutbremse genannt. Ich hab die voll drauf seit damals.
Ich muss wohl nicht erwähnen, dass ich aufgrund dieser und ähnlicher Vorfälle bis heute ein tief sitzendes Mißtrauen gegenüber meinen Geschwistern hege, wenn sie zu gemeinsamen Unternehmungen einladen. Zwar haben sie alle inzwischen eigene Kinder, an denen sie sich austoben könnten…aber man weiß ja nie.
September 24, 2008 um 11:56
*lach*….ich erinnere da eine Geschichte, die du erst kürzlich erzählt hast….Mensch, bin ich froh, dass du heil zurückgekehrt bist…Nicht auszudenken, was in so einem Schlauchboot mitten auf den reißenden Stromschnellen der Schwentine? so passieren kann…pass bloß auf
– wir wollen doch noch die Weltherrschaft an uns reißen
September 25, 2008 um 8:18
Boah ej. Alles überlebt. Hier hat mal früher 3jähriges K1 den 1jährigen K2 im Kinderwagen 12 Stufen nach unten katapultiert. Muss sich irgendeiner da oben für dich und all die gleichfastabgemurksten zuständig gefühlt haben.
September 25, 2008 um 8:23
köstlich..
September 25, 2008 um 11:32
LOL
Sehr geile Story! Die lieben Geschwister.. meine große Schwester hat mich einfach mal in der Küche fallengelassen – sagt meine Mutter und sie hat meinem Kuscheltier den Kopf abgerissen, meine Mutter hat ihrem Kuscheltier dann ein Ohr abgeschnitten *ha*
September 25, 2008 um 2:35
@pro-viel: Genau genommen war es die Eider..und mein kleiner Neffe hatte mehr Grund zur Sorge, ich sag ja, die toben sich jetzt hauptsächlich an ihren eigenen Kindern aus =)
@Michi: Das hab ich beim Schreiben auch gedacht…
@weltherrscher: bedankt! Und fühl dich bitte nicht bedroht von pro-viel und ihrer Aussage zum Thema Weltherrschaft…
@Steffi: So gehört sich das, das sind Lektionen, die die diabolischen Blagen sich auch merken…bei unseren Eltern gab’s noch’n Lutscher, wenn der Täter Erschrockenheit geheuchelt hat.