Mein Veränderungswahn hält unvermindert an. Das Wohnzimmer musste diesmal dran glauben: Möbel umstellen, altes Zeug in Keller schaffen, neues (altes) Zeug aus dem Keller rauf.
Obwohl ich solche Dinge – sei es aus Ehrgeiz oder aus Gewohnheit – normalerweise allein erledige, war es diesmal schlicht logistisch unmöglich, denn es gab ein großes Buffet und ein riesiges Regal zu verschieben sowie eine gigantomanische Truhe nach oben zu schaffen. Aber Hilfe ward gewährt und so packten wir es am Montag an.
Da sowohl mein Helfer als auch ich mit unseren Kräften gerne wirtschaftlich umgehen, – sprich – ziemlich faul sind, lautete die Mission, die großen Sachen zu verschieben unter Beibehalten des größtmöglichen Inhalts. Vom Regal haben wir gerade mal die technischen Geräte runtergeräumt, ansonsten wurde alles samt Büchern, DVD’s und Krams drin verschoben. Praktisch. Und deshalb hat die ganze Aktion auch weniger als eine Stunde gedauert.
Das weiße Regal steht jetzt vor der roten Wand – schön, oder??
Nun wurde die Truhe nach oben geschafft, auch das sah wahrscheinlich schlimmer aus, als es wirklich war. Die schöne, alte Holztruhe hab ich mir erst vor ein paar Wochen per Ebay-Kauf angeschafft und sie soll die neue Heimstatt all der sentimentalen Dinge werden, die ich kürzlich aus meinem Elternhaus weggeschafft hab, bevor es aufgelöst wurde. Beim Transport, so dachte ich, hatte es leider zwei Löcher in den Deckel geschlagen. Ein befreundeter Tischler klärte mich aber auf, dass Löcher dieser Art durch eine Käferart entstünde, die in so altem Holz „wohne“. Nun kann ich zwar nicht so gut auf Krabbelviecher, aber wenn man – wie ich – gerne zwischen dem ganzen Ikea-Einheitsbrei mal ein Möbelstück mit Geschichte und Charakter hat, dann muss man mit so was schon mal rechnen. Außerdem versicherte mir mein Tischlerfreund, das sei nicht schlimm – so bald ich die Truhe in der Wohnung hätte, müsste ich nur ab und zu mal auf den Deckel klopfen, das Viech würde nämlich keinen Lärm mögen und dann „ausziehen“. Die Frage „wohin?“ musste unbeantwortet bleiben.
Vor meinem geistigen Auge formte sich das Bild eines Käfers mit aufgeschnalltem Rucksack, der mit einem verschnupften „jetzt reicht’s, ich zieh aus!“ meine Truhe verlässt und in die Dachbalken einzieht. Ich fand die Vorstellung eigentlich sehr lustig.
Noch am Montag übernachtete meine Nichte bei mir und berichtete mir am nächsten Morgen, dass sie nächtens in meinem Wohnzimmer seltsame Geräusche gehört habe. Sie habe mehrmals das Licht wieder angemacht um die Quelle aufzustöbern, aber dann habe es jedes Mal aufgehört. „Jaaa, das is bestimmt der diabolische Holzkäfer, der seine letzten Mahlzeiten zu sich nimmt“ hab ich noch gewitzelt. Wir resümierten dann, ich solle mich mit dem Viech vielleicht lieber gut stellen und ab und zu ein Schälchen Milch und ein paar Kekse kredenzen.
Seit gestern nun lache ich weniger, da hab ich’s nämlich selbst gehört. Das Viech mag wohl keinen Lärm, weil dieser seinen eigenen Lärm übertönen könnte. Bei den Geräuschen, die dieser „Käfer“ beim essen macht, wundert es mich, dass die Truhe überhaupt noch steht. Vor meinem geistigen Auge hat das Tier jetzt keinen Rucksack mehr, sondern einfach einen riesigen, alles zermalmenden Kiefer.
Ich lass das mit dem Klopfen und schau heute doch mal im Baumarkt vorbei, ob es für solche Fälle nicht eine schöne Chemiekeule zu kaufen gibt. Lieber giftige Dämpfe einatmen als beim Fernsehen von Käfern gefressen werden.
Dies ist übrigens die Heimstatt meines neuen Mitbewohners – wenn Holz reden könnte…


September 17, 2008 um 10:10
Hihi….nix alles zermahlende Kiefer….der hat wahrscheinlich alles aus dem Baumarkt aufgefahren, was es da an „Mahl“-Werkzeug gibt….Soll ich dir was sagen? Der dicke fette Falter an meiner Wand hat eben meinen Lichtüberbau von der Wand gehaun – Äääächt! Ich glaub, der spinnt!
September 17, 2008 um 10:29
Das Regal habe ich auch, allerdeings etwas anders aufgeteilt. Kann man die Mitteldingens da einfach so rausnehmen?
September 17, 2008 um 10:30
Hey, die rote Wand erinnert mich ganz stark an unsere rote Wand im Flur und die Geräusche im Wohnzimmer kommen mir auch bekannt vor. Aber solange sich der Käfer nur an den in die Trennwand von Wohn- und Arbeitszimmer eingemauerten Leichen unser Vormieter zu schaffen macht…So ist das mit dem Altbau, in jeder Wand eine Überraschung.
September 17, 2008 um 10:46
@pro-viel – na toll: Wegen dir ist der Käfer vor meinem geistigen Auge jetzt mit Kopflampe und Presslufthammer zu Gange…
@MC Winkel – nee, is neu: Expedit mit TV-Ausschnitt…meiner passt haarscharf rein, wie ausgezirkelt, Glück gehabt
@Dennis – also, vor mir und meiner Truhe gab es in diesem Altbau nix an Käfern…vielleicht sollte ich doch mal wieder in den Immobilienteil kucken…
September 17, 2008 um 11:55
Also mich macht der MAC direkt an
Geiles Dingen …
Meine Eltern entwickelten im Laufe ihres Lebens auch so einen fäbel für alte Truhen, darunter einige Schätzchen … sowas muss man gut halten.
Käfer mit Rucksack(hi,hi) eine sehr schöne Vorstellung. So Peanutsstyle stelle ich sie mir vor.
Ach chemische Keule … schnick, schnack … Nimm ne Box und immer wenn du weg bist schön bisserl Drum&Base aufdrehen, dass die Schwingungen die ganze Truhe schön beben lassen. Klopfen my ass … da wird Party mit den Fiechern gemacht … mal sehen wer länger kann
Grüße
Thommy
September 17, 2008 um 12:31
@Thommy – Der MAC is ein alter Herr, geht nicht mal mehr online… aber so was behält man ja trotzdem. Ist jetzt hauptsächlich Deko und Stereoanlagen-Ersatz, weil große mp3-Sammlung.
Mein Tischlerfreund hat mir versprochen, der Truhe noch mal etwas Schliff zu geben, und dann ist es tatsächlich ein Schmuckstück…und wirklich riesig. Mein Leichen bräuchte ich nicht in der Wand einmauern, da passen locker zwei in die Truhe =)
September 17, 2008 um 10:37
expedit mit fernsehausschnitt? wie geil ist das denn? darauf mussten wir nun zwanzig jahre warten. ich dreh’ durch….
September 18, 2008 um 10:40
Herr Dubinski, Sie brauchen doch höchstens so einen klitzekleinen Ausschnitt, wo das iPhone reinpasst