Anlässlich der bei Spreeblick aufgeschnappten Geschichte über Noel Gallagher, der in Toronto von der Bühne geschubst wurde (die *verlegeneshüsteln* mir ein Sternchen für das lustigste Twitter-Kommentar und eine Flut von neuen Followern einbrachte), ist mir eine Geschichte aus meinen Rock’n'Roll-years eingefallen, die ich schon längst mal hätte erzählen sollen.
Ich habe ja, mehr durch eine Verkettung von dreisten Vorstößen und glücklichen Zufällen, schon seit vielen Jahren einen guten und freundschaftlichen Kontakt zu Boz Boorer. Dieser ist seit nunmehr schon fast 20 Jahren zufällig auch Morrissey’s Gitarrist und Musical Director (außerdem ist er für die Spitznamen “Miz” und “Mizzie” verantwortlich denn – guess why – der Gute heißt natürlich auch nicht von Geburt an “Boz”).
Aufgrund dieser Verbindung bin ich im Laufe der Jahre schon oft in den Genuß von Offstage-Anekdoten und Infos gekommen, die in keiner Zeitung und keinem Forum standen. Zum Beispiel diese hier:
Morrissey und Oasis trafen vor ein paar Jahren mal auf einem australischen Festival aufeinander. Die Gallaghers – being the selbsternannte Erben des Godfather of Indie – wollten den alten Mozzer natürlich treffen und baten um eine Audienz. Er lehnte ab, so berichtete Boz.
Nun weiß ich aus eigener Beobachtung, wie viel Zeit gerade Bands auf Festivals gelassen wird, um rumzuhängen und Unsinn zu machen. Wahrscheinlich von Labels und Managements so initiiert in der Hoffnung, jemand Größeres würde ihrer Straßencombo durch alkoholgeschwängerte Kollaborationen zu einem höheren Coolness-Faktor verhelfen.
Nun gut – auf meine Nachfrage “warum?” also rückte Boz so nach und nach damit raus, dass Morrissey einfach keine Zeit gehabt habe. “Jaa nee, er musste erst zum Friseur, dann noch ne Zeitung lesen, dann gab’s Carry On im Fernsehen und dann musste er noch Mama anrufen.” Also, vielleicht nicht genau das und nicht in der Reihenfolge, aber so ungefähr. Die unausgesprochene und von mir freimütig hineininterpretierte Message lautete aber: “Er würde lieber so ungefähr alles Andere auf der Welt machen, z. B. sich von Madonna (Anm.: die er hasst!) die Fussel zwischen den Zehen rauspulen lassen, als diese unterschichtigen Poser zu treffen die seit Jahren vergeblich versuchen, ihn zu kopieren, ja sogar die Augenbrauen haben sie sich implantieren lassen um mehr auszusehen wie er!!”
Ungefähr so…
Die Gallaghers kamen also nicht in den Genuß ihrer Audienz, umso erstaunlicher, als der zu der Zeit noch relativ frische Gitarrist Gem Archer der beste Freund von Mozzer’s Stage Manager Charlie Browne war. Aber gut, er wird gewußt haben, warum.
Auf diesem Festival waren BBC-Journalisten zugegen, die Material sammelten für die später erschienende wunderbare Doku “The Importance of being Morrissey”. Die anwesenden Künstler wurden allesamt zum Mozfather befragt. Die einzig verwertbare Aussage von Noel Gallagher war anscheinend “He’s the greatest lyricist that ever lived”. Aaaah jaa, danke, Mr. Gallagher (für Uneingeweihte: Das ist ungefähr so, als würde Dieter Bohlen über Mozart sagen, er sei einfach der krasseste Songwriter gewesen).
Die von Liam war sogar noch besser: “The Mozzer has a cool bike!” (sprich: “boik”. Moz hatte gerade seine Ringleader-Phase und cruiste gerne mal mit der Vespa durch L.A.).
Ich wette, die Journalisten – being british – haben sich trotzdem mit einem höflichen “Mr. Gallagher, wir danken Ihnen für dieses…Gespräch” verabschiedet.
September 10, 2008 um 1:06
Mogsy ist der Größte. Und vor allem durch Dinge wie dies.
September 10, 2008 um 1:44
*gggg* na, dass dir diese Geschichte gefallen hat, war klar…wäre ja nicht so, als hätten wir mit den Audienzen backstage nicht unsere ganz eigenen Erfahrungen, ne? Nicht, dass ich nachtragend wäre
)
Aber wenn DU mal berühmt wirst…also…NOCH berühmter als jetzt….dann krieg ich hoffentlich ne Audienz UND darf backstage zusammen mit dir abhängen….ich pul dir auch nicht die Fussel aus den Zehen
September 10, 2008 um 2:12
Also das mit dem Pulen übernehm ich gerne…
September 10, 2008 um 9:57
Ich liebe diese stories. Wenn du mal Helftiges lesen willst, zieh dir die Zevonbiographie von Chrystal Zevon über ihren Exmann. Neil Young kommt glaub ich aber nur beiläufig vor, wenn überhaupt….
September 11, 2008 um 9:44
@Michi
Warren? Da muss ich mir glaub ich ersma noch ein wenig die Musik intravenös geben…
Hab noch mehr solcher Geschichten, auch aus meinen Fury-Jahren…muss noch mal überlegen, wie ich die rüberkriege ohne dass ich Ärger ann Hals krieg =)
Januar 29, 2009 um 1:46
[...] dabei die mit Abstand am häufigsten gesuchten Begriffe: “Stiefel lecken” (führt zu diesem Artikel), “geile Geschwister” (zu diesem, in dem wohl Geschwister vorkommen, aber keine geilen, [...]